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Grevenbroich
Grevenbroicher Geschichtsforscher auf den Spuren der Stadtgründung

Grevenbroich. Kaum vorstellbar. Dort, wo heute die Innenstadt von Grevenbroich liegt und Tausende von Autos fahren, war vor 1000 Jahren - nichts. Außer einer sumpfigen Ebene. In der Umgebung waren bereits kleine Dörfer vorhanden, die immer an Bächen und hochwasserfreien Anhöhen gegründet waren. Bei Grevenbroich gab es nur eine Furt an der Erft, an einem schlecht befestigten Weg für Ochsenkarren, der von Köln nach Venlo führte. Und dieser Weg war auch nur bei Niedrigwasser passierbar. Wo diese Furt war, ist unbekannt. Achim Kühnel vom Grevenbroicher Geschichtsverein hat eine Theorie.

"Vor 800 Jahren begann die Resteverwertung", sagt Kühnel. "Gustorf und Elsen grenzten ganz an Grevenbroich, und erst dann trauten sich die Menschen an die verbliebene Sumpfzone und bauten auf einem aufgeschütteten, künstlichen Hügel zum Schutz des Erftübergangs eine Burg - das heutige Alte Schloss."

Der Weg über die Erft gewann wegen des Anstiegs der Handelsbeziehungen rasch an Bedeutung, erste Handwerker und Gastwirte siedelten sich an. Es wurde eine Brücke über die Erft gebaut, nicht nur zum Nutzen der Reisenden, sondern auch, damit die Burgherren Mautgebühren kassieren konnten. Besitzer der Burg waren damals die Grafen von Kessel, die gegen 1283 die Stadtgründung vornahmen, nachdem sie die Altstadt mit Hecken und Gräben als erste Stadtgebefestigung gesichert hatten.

Die ganze Geschichte über die Stadtgründung erzählt Achim Kühnel in einer Zeitreise, wenn er am Donnerstag, 12. Mai, durch das historische Grevenbroich führt - diese Veranstaltung des Geschichtsvereins beschäftigt sich erstmals mit dieser Thematik. "Die erste Brücke über die Erft stand übrigens nicht wie heute an der Breite Straße, sondern auf der Höhe der evangelischen Christuskirche", berichtet Kühnel. "Erst etwa 100 Jahre später wurde die Brücke an die heutige Stelle verlegt." Diese Schlüsse zieht Kühnel aus der Analyse der langlebendigen Straßenzuschnitte, denn die Grundstücks- und Eigentumsgrenzen sind in Grevenbroich - wie auch in vielen anderen Städten - über Jahrhunderte gleich geblieben. So wie die DNA eines Menschen.

Und wo in Grevenbroich hat vor 1000 Jahren die erste Furt durch die Erft gelegen? Kühnel meint, diese Stelle gefunden zu haben. Nämlich ziemlich genau dort, wo heute das Neue Rathaus steht, bestand früher ein Mäanderarm der Erft, der ein Passieren ermöglichte. Nachfolgende Generationen haben laut Kühnel eine Verlegung der Erft um rund 100 Meter genutzt, um die Altstadt zu vergrößern. Dort konnte dann die neue "breite Breite Straße" gebaut werden, auf der im Mittelalter auch viele Märkte stattfanden. Bei einem Blick auf den heutigen Stadtplan und die dichte Bebauung ist das in der Tat kaum noch vorstellbar.

Info Achim Kühnel führt am Donnerstag, 12. Mai, durch die Historie der Altstadt. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr an der Christuskirche. Die Teilnahme ist kostenlos.

Quelle: NGZ
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