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Grevenbroich
Grevenbroicher Hausrat ist reif fürs Museum

Grevenbroich: Grevenbroicher Hausrat ist reif fürs Museum
Cocktailstühle, Staubsauger und das gute alte Kofferradio. Die Wirtschaftswunder-Ausstellung bietet viele Erinnerungsstücke aus Grevenbroich. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Die Ausstellung "Nierentisch und Wirtschaftswunder" gibt auch einen Einblick in das Leben der Schlossstädter in den 50er und 60er Jahren. Von Wiljo Piel

Es ist auch ein kleiner Einblick in die Wohnzimmer der 50er und 60er Jahre, den die Ausstellung "Nierentisch und Wirtschaftswunder" unter dem Dach der Villa Erckens liefert. Denn so mancher Grevenbroicher hat sich im Vorfeld der Sonderschau im Keller und auf dem Söller nach dem einen oder anderen Stück aus der Adenauer-Ära umgesehen. "Wir haben wirklich schöne Exponate erhalten - und sind dafür sehr dankbar", sagt Thomas Wolff vom städtischen Kulturteam: "Denn das macht die Ausstellung umso interessanter."

Erstaunlich, was die Grevenbroicher aufbewahrt und über die Jahrzehnte gut gepflegt haben. Zum Beispiel die bunte Cocktailstuhl-Garnitur, die Manfred Wosnitza beisteuerte. Sie ist zwar gut und gerne sechs Jahrzehnte alt, sieht aber noch so aus wie neu. Ehefrau Jutta hat sogar noch ihre alten Puppenstuben-Möbel aus der Wirtschaftswunderzeit behalten - und "Fahr zu, kleine Lok", eins von vielen, vielen Ravensburger Spielen, das 1960 herausgegeben wurde.

Gleich nebenan stehen die Vasen im fast schon wieder modernen Design der Fünfziger, die Uwe Gau zur Verfügung stellte. Und auf dem alten Graetz-Fernseher von Volkmar Hess thront Holger Nantkes kleiner Rauchfang-Elefant. Der stammt aus einer Zeit, in der in den Wohnstuben noch auf Teufel komm' raus gequalmt wurde.

Josef Eick schob seine flammneu aussehende NSU Quickly von 1953 in den Museumsaufzug und erinnert mit seinem Moped an den Beginn der Massenmotorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Und dann ist da noch die abgegriffene Ledertasche, die Hans-Walter Gerresheim einst mitsamt Blechtrinkflasche und Henkelmann mit nach Buckau nahm, als er in der Maschinenfabrik zwischen Linden- und Nordstraße als "Stift" (Auszubildender) zur Arbeit ging.

Damit schlägt Thomas Wolff auch einen Bogen zum wirtschaftlichen Wandel, den Grevenbroich ab den 1950er Jahren erlebte. Eindrucksvolle Fotos, die zum Teil aus dem Bestand des Sammlers Jürgen Larisch stammen, dokumentieren wie die Stadt ihr Gesicht veränderte. Interessant: Auf einem kleinen Bildschirm werden Luftbildaufnahmen aus den 50ern und 60ern gezeigt, die selbst eingefleischte Schlossstädter vor ein Rätsel stellen. "Die Orientierung fällt mitunter schwer, weil es zum Beispiel die Vollrather Höhe oder die großen Kraftwerke noch nicht gab", sagt Wolff.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf den Siedlungsbau, erinnert an den Wiederaufbau der kriegszerstörten Innenstadt und schildert wie die Grevenbroicher ihre Freizeit verbrachten - etwa beim Fußball. Wie schön dieser Sport ist, dokumentiere Joachim Hoefft, der in den 50er und 60er Jahren beim TuS kickte und seine Spiele in seinem Tagebuch festhielt. Eines dieser Exemplare ist im Museum zu sehen.

"Je mehr Grevenbroicher hierhin kommen, umso mehr Exponate bekommen wir angeboten", sagt Thomas Wolff: "Die Ausstellung wächst mit der Zeit." Sie ist noch bis zum 2. Oktober zu sehen.

Quelle: NGZ
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