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"Plötzlich schwebt da ein Schatten"
Grevenbroicher sauer über tief fliegende Adler

"Plötzlich schwebt da ein Schatten": Grevenbroicher sauer über tief fliegende Adler
Ein Weißkopfseeadler auf der Laterne. Das jagt manchen Hülchrathern einen Schrecken ein. FOTO: Wichmann
Grevenbroich. In Grevenbroich empören sich zwei Hundehalterinnen über einen Falkner. Sie beklagen, dass sein Weißkopfseeadler ihre Tiere verängstigt. Der Rhein-Kreis Neuss sieht keine Anhaltspunkt für Verstöße seitens des Falkners. Von Valeska von Dolega

"Plötzlich schwebt ein Schatten über dem Kopf", sagt Cornelia "Conny" Wichmann. "Ein Adler mit einer Spannweite von etwa drei Metern kam auf mich zu, quasi im Tiefflug", beschreibt sie ein Erlebnis a la Hitchcooks Film "Die Vögel".

Als "absolut rücksichtslos" empfindet die Hülchratherin ihren Nachbarn. Denn nicht nur Menschen jagen die Greifvögel einen Schrecken ein. An den Lederriemen, die sie um die Füße tragen, sind außerdem kleine Glocken befestigt - "zur akustischen Ortung", wie Falkner Benedikt Nyssen erklärt. Das durch die Glöckchen verursachte Geräusch aber verschrecke die Hunde, sagt Conny Wichmann. Sie selbst nennt drei Hunde ihr eigen, sie gehorchen laut Eigenaussage aufs Wort - werden aber inzwischen nicht mehr von der Leine gelassen, weil sie sich vor den großen Greifvögeln fürchten.

Rhein-Kreis: Der Falkner macht nichts falsch

"Meine Nele ist vollkommen traumatisiert", berichtet auch Karin Gilles. Auch sie lebt in Hülchrath, auch sie ist "extrem tierlieb", weshalb sie drei Hunde aus dem Tierheim gerettet hat, darunter besagte Nele, "eine echte Knutschkugel", wie sie über den dreijährigen Border Collie sagt. "Die dreht am Rad, wenn sie bloß den Adler hört", weshalb ihre Besitzerin inzwischen "dem Falkner ausweicht und andere Wege zum Spazierengehen wählt".

Nach Meinung der beiden Frauen ist mit Benedikt Nyssen nicht zu sprechen, weshalb Veterinäramt und Kreisordnungsamt, das auch Untere Jagdbehörde ist, eingeschaltet wurden. "Herr Nyssen ist im Besitz eines gültigen Jagdscheins und hält seine Greifvögel legal. Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Tier- und Artenschutzgesetz sind ebenfalls nicht ersichtlich", heißt es in einem offiziellen Schreiben des Rhein-Kreises. "Eine Gefährdung für Menschen, Haus- oder Nutztiere ist nicht zu erkennen."

"Ich habe überhaupt keinen Bock auf diesen vollkommen unnötigen Streit", sagt Benedikt Nyssen im Gespräch mit unserer Redaktion. Mehrfach habe er versucht, mit den Frauen zu sprechen, um die Situation zu klären. "Erfolglos." Falknerei sei immer Jagdausübung, seine Adler seien Handaufzuchten. "Die kommunizieren mit mir, werden von mir gefüttert und betreut", wie auf Flugshows demonstriert, parieren sie auf Zeichen ihres Besitzers. Sorgen, ein Hund würde von ihnen angegriffen, seien haltlos, "die Vögel interessieren sich nicht für Hunde", sagt Nyssen. "Außer dieser Nachbarin gab es noch nie jemanden, der sich beschwert hätte."

Quelle: NGZ
 
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