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Grevenbroich
Grevenbroicher und ihre Exoten-Instrumente

Exotische Musik in Grevenbroich
Exotische Musik in Grevenbroich FOTO: N. Berghaus
Grevenbroich. Das Interesse, selbst Musik zu machen, ist groß, weiß Ruth Braun-Sauerwein. An der von ihr geführten Musikschule Rhein-Kreis Neuss werden nicht nur bekannte Instrumente wie Flöte und Klavier gelehrt. "Es gibt auch einige Exoten." Von Valeska von Dolega

Eine von ihnen ist die Veeh-Harfe. Was klingt wie aus dem Märchenbuch und optisch an eine Zither erinnert , ist ein Saiteninstrument mit grafischer Notation. "Sie ist sehr einfach zu erlernen", weiß Ruth Braun-Sauerwein, selbst Pianistin, "und deshalb etwas für Menschen, die noch nie Zugang zur Musik hatten". Oder die kognitive Einschränkungen haben. Quasi deshalb wurde sie erfunden und nach seinem Erbauer benannt: Der Landwirt Hermann Veeh war auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas, der am Down-Syndrom erkrankt war. An dessen Fähigkeiten orientiert, konzipierte er ein völlig neues Musikinstrument - das vor allem durch seine leichte Handhabung auffällt.

Marie Junke ist gelernte Harfenistin. Sie unterrichtet im Seniorenstift Lindenhof die Veeh-Harfe, die sich durch einen "besonders klaren Klang auszeichnet". Sie zu bedienen, ist leicht - das Notenblatt funktioniert wie ein Malen-nach-Zahlen, bei dem Punkten gefolgt wird. Gespielt werden kann "eigentlich alles, vom Volkslied bis zu Weihnachtsmelodien, manches geht sogar zweistimmig".

"Spiel' mir das Lied vom Ton" könnte die Überschrift zur inzwischen ebenfalls als exotisch geltenden Laute heißen. "Wer an Königshäusern als Adliger auf sich hielt, spielte die Laute", weiß Musikschullehrer Klaus Mader über die Zeit des Barock zu berichten. Aus ganz Europa ließ man Lautenspieler an die Höfe holen, "das war ein Statussymbol". Dem Vernehmen nach spielte ein gewisser Robert de Viseér keinem Geringeren als dem französischen König Ludwig XIV (1638-1715) dessen allabendliche Nachtmusik.

Den spezifischen Klang beschreibt Klaus Mader als kurz und leicht hallig, weshalb er an Kirchenmusik erinnere. Er selbst entdeckte das Zupfinstrument während seines Studiums. Zufällig sah und hörte er eine Chitarrone - und war begeistert. Bis zu 24 Saiten hat sie, was ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit und Fingerspitzengefühl abverlangt.

Als Liebe auf den ersten Blick beschreibt Katja Dolainski die innige Beziehung zwischen ihr und ihrer Gambe. Wortwörtlich bedeutet die Übersetzung aus dem Italienischen "das Bein", denn die Viola da Gamba, wie das mit einem Bogen zu streichende Instrument richtig genannt wird, scheint auf einem Fuß zu stehen.

Auch sie war ein Lieblingsinstrument des barocken Adels, ein Streichinstrument mit Bünden wie eine Gitarre, je nach Größe auf dem Schoß zu halten oder zwischen den Beinen. Nun muss man Bibliotheken durchkämmen nach vergessener Musik für sie. "Vollkommen zu Unrecht führt die Gambe ein solches Nischendasein", macht Katja Dolainski dem Barockschatz mit dem leicht näselnden, innig-intimen und etwas melancholischen Klang eine Liebeserklärung.

Zusammen mit Blockflöte, Geige oder mit Gesang entfaltet die Gambe ihre volle Pracht, und auch Karl-Heinz Stockhausen hat der Gambe einige Melodien auf den Leib geschrieben.

Auch das Alphorn ist keine Erfindung von Reklamemachern. "Wer das spielen kann, hat beste Voraussetzungen, Blechblasinstrumente spielen zu können", sagt Wilhelm Junker. Er muss es wissen, er ist Alphornist. Ihn erinnert der Klang an Weite, und er mag es, weil es ein in sich ausgereiftes Instrument mit Charakter ist.

Das Naturinstrument, ursprünglich brauchte es nicht mehr als einen ausgehöhlten Baumstamm, kommt "ohne weitere Hilfsmittel wie Ventile oder ähnliches aus". Das fasziniert ihn. Die Assoziation zur Schweiz oder zum Volkslied haben die meisten, und die sei nicht falsch. Schließlich hatten Hirten es sich früher selbst gebastelt, um einerseits ihre Viehherden beieinander halten zu können. Aber auch, um sich quasi von Alm zu Alm zu verständigen.

Allerdings ist das Instrument nicht bloß Alpenländlern vorbehalten, das Holzhorn ist ebenso in Schweden oder Norwegen geläufig.

Quelle: NGZ
 
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