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Grevenbroich
Grevenbroicherin gibt mit Malen Lebenshilfe

Grevenbroich. Regina Poggel-Pellico ist Maltherapeutin. In ihrem Atelier bietet sie Kindern und Jugendlichen begleitetes Malen an. Von Valeska von Dolega

Am Anfang ist das Blatt Papier. Schneeweiß und unberührt pinnt Regina Poggel-Pellico es in passender Höhe an die mit Holz verkleidete Wand, Darauf malen Kinder und Jugendliche dann ihre "inneren Bilder, intuitiv, also aus dem Bauch heraus", erklärt die 52-Jährige. "Das ist keine Kunst. Es geht nicht ums Produkt, sondern ums Tun," verdeutlicht sie.

Nach ihrer zweijährigen Ausbildung in den Jahren 2010 bis 2012 ist die Grevenbroicherin nun eine zertifizierte Maltherapeutin. Seit fünf Jahren betreibt sie ein eigenes Atelier namens "Malbar", das zunächst an der Lindenstraße lag und nun im Kellergeschoss des Ärztehauses an der Bahnhofstraße 56 bis 58 zu finden ist. Hier wie dort ist es ein "geschützter Raum, in dem eigene Regeln gelten", verdeutlicht sie.

Zum spezifischen Reglement zählt, nichts zu bewerten. Vor allem nicht die Ergebnisse anderer. "Nur das eigene Bild steht im Mittelpunkt", im spielerisch-freien Experiment sollen Teilnehmer lernen, sich auf sich selbst einzulassen. Selbst bezeichnet sich die Mutter von drei Kindern, die im Brotberuf bei der Lebenshilfe arbeitet, auch nicht als Therapeutin, sondern als Malbegleiterin. Der Hintergrund des begleiteten Malens für Kinder liegt darin, dass sie "zu mehr Eigenständigkeit und Selbstvertrauen finden", Kommunikation findet jenseits der Worte auf einer nonverbalen Ebene entlang des Farbspektrums statt. Verwendet wird dazu nicht herkömmliche Farbe, sondern Gouache, ein wasserlösliches Farbmittel aus gröberen Pigmenten und Kreide. "Es kann in dicken und dünnen Schichten verwendet werden", so bestehen die Bilder nicht alleine aus Formen und Farben, sondern einer gewissen Dreidimensionalität. Wirkliche Regeln aber gibt es nicht - nicht für den Farbraum, nicht für ein Blattformat. "Ist ein Blatt voll, aber das Bild nicht vollendet, wird ein weiteres Blatt hinzugefügt." Und manchmal haben die Aktionen etwas Heilsames. "Kinder können durch das Malen in die Bewältigung schlimmer Erlebnisse gelangen", sagt sie. Wofür es keine Begriffe gebe da, würden Pinsel und Farbe zum Ausdruck helfen. Malen fand Regina Poggel-Pellico "immer toll, das habe ich schon als Mädchen gerne gemocht". Anstoß, aus dem Interesse eine Profession zu machen, gab ihr ein eigener "Lebensumbruch, ich erkrankte schwer". Nachdem ihre Herzkrankheit überwunden war beschloss sie, "alles dafür zu tun, mein Leben zu leben". Schade sei, "dass es oft nicht um ein reines Erleben geht, sondern immer alles schnell und gründlich reflektiert werden soll". Deshalb sollen ihre Angebote eben unmittelbar sein, mit den Händen dürfen Farben gefühlt werden und durchaus als methodische Lebensstütze verstanden werden. "So wie andere zum Yoga-Kursus gehen, geht es hier übers Mal-Training zu sich selbst." Dieses "bei sich sein" und zu lernen, dass ebenso wie ein Bild immer alles fertig wird, versucht sie zu vermitteln. Übrigens nicht nur im Atelier, sondern ebenso in Kindergärten und Stadtteilfesten.

Quelle: NGZ
 
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