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Grevenbroich
Große Bestandsaufnahme der Tierwelt

Grevenbroich: Große Bestandsaufnahme der Tierwelt
Die Wasserfledermaus ist auch imGrevenbroicher Stadtgebiet zu Hause, etwa an einer Brücke an der Erft. FOTO: Zoo Krefeld, Schneckenhaus (3), K. Tamm
Grevenbroich. Die Stadt hat tausende Daten über Wildtiere in Grevenbroich und ihre Lebensräume in einer Biotopkartierung zusammengetragen. Um vielen Arten auf die Spur zu kommen, ist zunächst häufig Detektivarbeit gefragt. Von Carsten Sommerfeld

Wo lebt der Uhu, wo brütet der Eisvogel, wohin verziehen sich die Fledermäuse nach ihren nächtlichen Ausflügen? Umweltbeauftragter Norbert Wolf weiß das. Die Stadt hat eine umfangreiche Artenkartierung von Vogel, Fisch, Säuger, Reptil und Amphibie erstellt. "Mittlerweile haben wir so viele Daten zusammengetragen, dass wir konkrete Aussagen über die Tierwelt und ihre Lebensräume machen können", erklärt Wolf. "Für eine stark industriell geprägte Kommune wie Grevenbroich ist es erstaunlich, welche Tiere alle bei uns leben". Allein auf 173 der 250 in NRW lebenden Vogelarten sind die Naturkundler im Stadtgebiet gestoßen. Und auf 32 Libellenarten - "das ist schon viel", so Wolf.

Das geballte Wissen ist kein Selbstzweck, sondern erleichtert der Verwaltung die Arbeit. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass etwa für Bebauungspläne geprüft werden muss, wieweit sich Bauvorhaben auf 188 sogenannte planungsrelevante Tierarten, die häufig vom Aussterben bedroht sind, auswirken, um dann Schutzmaßnahmen zu ergreifen. "Mit unseren Daten können wir solche Verfahren vereinfachen und beschleunigen, so mancher Gutachter-Auftrag ist nicht nötig", sagt Wolf. Doch erst einmal war für die Kartierung jahrelange Recherche in Wald und Flur erforderlich. Vom Schreibtisch aus ist die Arbeit unmöglich. Ein Netzwerk aus Biologen und Hobby-Fotografen unterstützt Wolf ehrenamtlich mit Beobachtungen, die Dateien werden weiter aktualisiert.

Natürlich hat Wolf scharfe Ohren, er kann Vogelstimmen unterscheiden. "Häufig sieht man die Vögel nicht, aber man hört sie." Zuweilen hilft er mit Klangattrappen nach, dann antwortet etwa ein Vogel auf den Gesang per MP3-Player. Auch Detektivarbeit ist gefragt. Eine weiße Schmutzspur an einer Wand am Schloss Hülchrath und einige "Knäuel" am Boden lassen Wolf den Schluss ziehen, dass dort die Schleiereule lebt und ihr Gewölle hinterlassen hat. Anhand von leeren Larvenhäuten kann er die Libellenart ausmachen. Erstaunliche Erkenntnisse zieht er aus einem Eisvogel, der an einem Graben eine Elritze im Schnabel hatte. "Hängt der Fischkopf vorn heraus, frisst der Vogel ihn nicht selbst, sondern er verfüttert ihn an seine Familie. So wissen wir, dass der Eisvogel dort brütete. Zudem war uns bis dahin nicht bekannt, dass dort die Elritze vorkommt." Ein doppelter Treffer.

Alle Beobachtungen werden in riesige Dateien und in Karten übertragen. So weiß Wolf, wo der Uhu, der hier allmählich wieder Fuß fasst, lebt. Oder wo der Neuntöter nach Jahren erstmals wieder beim Brüten beobachtet wurde. "Fünf vor zwölf" sei es dagegen für Feldvögel wie Lerche und Kibitz. Wolf führt das auf die Intensivierung der Landwirtschaftsproduktion zurück. Auch Fledermäuse werden beobachtet. So bildet eine Dehnfuge an einer Brücke an der Erft das Zuhause für 250 Wasserfledermäuse. "Bei Arbeiten dort muss darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht gefährdet werden", betont Norbert Wolf.

Quelle: NGZ
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