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Grevenbroich
Großes Interesse an historischer Stadttour

Grevenbroich. Etwa 60 Neugierige sind in die geschichtsträchtigen Schlupflöcher der Innenstadt eingetaucht. Eine Fortsetzung ist zunächst nicht geplant. Von Lisa Kreuzmann

Was Achim Kühnel an jenem Abend erzählt, klingt wie eine Seifenoper: Von Liebe, Eifersucht und Besitzverlust handelt die Gründungsgeschichte der Stadt. Wer sich also gewundert hat, was der Grund für die mittelgroße Völkerwanderung durch die Innenstadt am Donnerstagabend war: Achim Kühnel hat erklärt, warum Grevenbroich eigentlich Grevenbroich heißt, was den Steinweg zum Steinweg macht und warum die Erftmühle das Herzstück der Stadt ist. "Ich bin ein bisschen entsetzt", witzelte Achim Kühnel zu Beginn, "dass die Gruppe so groß ist."

Mit Kameras und gutem Schuhwerk ausgestattet, wanderte die Truppe von der evangelischen Kirche über die Eftmühle zur Coens-Galerie. Mit dabei waren auch Gerta Gerard und Anette Müller-Haas, die früher bei der Stadtverwaltung tätig und gespannt waren, was sie Neues über die Stadt erfahren konnten. Auch Bürgermeister a.D. Theo Hoer zog es zur Geschichtsstunde im Freien. "Das ist eine super Gelegenheit, etwas dazu zu lernen", sagte Hoer. Doch eines musste Achim Kühnel vorweg nehmen: Wer erwartet hatte eine Erfolgsgeschichte zu hören, würde enttäuscht. Denn "Grevenbroich war erstens klein, zweitens bedeutungslos und drittens ein Sumpfloch," sagte er drastisch. Im Mittelalter erwarb das Adelsgeschlecht von der niederländischen Maas, die Grafschaft von Kessel, noch vor 1271 die Herrschaft Broich an der Erft. Doch die Grafen von Kessel waren zu leidenschaftlich; der Besitz währte nicht lange: Heinrich V. von Kessel verliebte sich in die sehr viel jüngere Lisa von Virneburg. Nach seinem Tod heiratete Lisa von Kessel den Grafen von Hülchrath, in dessen Besitz "der Grafen Broich", woraus später Grevenbroich wurde, übergeht. Das mochte der Bruder, Walram von Kessel, nicht auf sich sitzen lassen und versuchte, die Herrschaft zurück zu gewinnen. Schließlich sah er keine andere Möglichkeit, als die gemeinsame Tochter von Lisa und ihrem neuen Ehemann Katharina, zu ehelichen. Die Stadtgründung im Jahr 1280 erfolgte dann vor allem aus Geldnot der Grafschaft von Kessel, die mit dem Tod von Walram von Kessel zu Grunde ging. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die erste Siedlung an der Kölner Straße angelegt. Herz der Siedlung war die Erftmühle, die älteste Mühle in Nordrhein-Westfalen, sagt Michael Kamper. Seit 1873 ist die Mühle in Familienbesitz Kamper und speist bis heute für etwa 100 Haushalte Öko-Strom ins Netz. Die Besichtigung der Turbine war ein besonderer Höhepunkt auf der historischen Stadtführung. "Es gibt kaum noch Betriebe in dieser Größe", sagt Michael Kamper, der betont, wie wertvoll Wasserenergie energiepolitisch sei.

Auf die Spuren der "DNA der Stadt", wie Kühnel sagte, hatte sich übrigens auch der achtjährige Tim als jüngster Teilnehmer der Stadtführung gemacht. Er hat dabei gelernt hat, "dass die Grafen damals ganz schön gierig waren", sagte er. Für seine Freunde wäre die Tour aber nichts gewesen. Die seien mehr an Handys interessiert, gab er zu.

Quelle: NGZ
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