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Grevenbroich
Grüne: "Leitbild ist überflüssiger Luxus"

Grevenbroich: Grüne: "Leitbild ist überflüssiger Luxus"
Recht altbacken präsentierte sich Grevenbroich auf einer Postkarte aus den 1980er Jahren. FOTO: Sammlung Larisch
Grevenbroich. Zwei Angebote liegen für das Leitbild "Grevenbroich 2030" vor: Das eine wurde von vier Werbeagenturen, das andere von der KoPart NRW abgegeben. Die Politik prüft zurzeit die Bewerbungen - die Grünen haben sich schon entschieden. Von Wiljo Piel

Kurz nachdem der Rat in nichtöffentlicher Sitzung den Prozess für das geplante Leitbild "Grevenbroich 2030" gestartet hat, gibt es schon kritische Stimmen. Die Grünen lehnen jegliche finanziellen Mittel für ein solches Projekt ab. "Die Entwicklung eines Leitbildes ist ein überflüssiger Luxus, den wir uns zurzeit nicht leisten können", sagt Fraktionsvorsitzender Dirk Gawlinski. Bei der einstimmigen Entscheidung des Rates für ein Leitbild - im Februar 2015 - waren die Grünen zwar dabei, doch: "Da war von hohen Kosten noch keine Rede", sagt Gawlinski.

Zum Auftakt der Leitbild-Diskussion hat die Verwaltung dem Rat zwei Angebote vorgelegt. Eines stammt aus der Feder von vier Grevenbroicher Werbeagenturen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel "Vierfürhier" zusammengeschlossen haben, um eine Strategie für die Zukunft ihrer Stadt zu erstellen. Mitbewerber der lokalen Unternehmen ist die KoPart, ein Tochterunternehmen des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Über die Höhe der beiden Angebote schweigen sich sowohl Politik als auch Verwaltung aus. Nach Informationen unserer Redaktion liegen sie zwischen 31.000 und 46.000 Euro. Wer mit der Erarbeitung eines Leitbildes beauftragt werden soll, darüber wird jetzt in den Fraktionen beraten. Die Entscheidung soll frühestens im Januar getroffen werden.

Ursprünglich sollte schon vor den Sommerferien über die Leitbild-Entwicklung entschieden werden. Doch zum seinerzeit vorliegenden Angebot der KoPart kam kurzfristig das der vier Werbeagenturen ("Campagne!", "Lockstoff Design", "P2 Medien" und "Voon") hinzu; die Beratung wurde daraufhin auf den November verschoben.

Die örtlichen Unternehmen mit insgesamt mehr als 50 Mitarbeitern wollen ihre Erfahrung, aber auch ihr lokales Wissen in den Prozess einbringen. "Das Entwickeln und Umsetzen von Leitbildern gehört zu unserem Tagesgeschäft. Wir bringen alle Kompetenzfelder für diese Aufgabe mit", sagt Peter Pfänder von "P2 Medien": "Außerdem kennen wir die Stadt Grevenbroich in all ihren Facetten."

Die Politik soll nun entscheiden, ob der lokale oder der überregionale Anbieter mit dem Leitbild beauftragt werden soll. "Weder noch", sagt Dirk Gawlinski: "Die Angebote haben deutlich gemacht, dass die Entwicklung nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit einem erheblichen Aufwand für die Verwaltung verbunden ist." Da die Mitarbeiter im Rathaus schon jetzt etliche Aufträge abzuarbeiten hätten - etwa das Innenstadt-Konzept ISEK, die Rekommunalisierung der Wirtschaftsbetriebe oder die Flüchtlingsunterbringung -, sollte ihnen nicht noch mehr aufgehalst werden. "Es gibt in der Verwaltung schon genug Berge abzuarbeiten", meint Dirk Gawlinski.

Die Grünen haben in einem Brief an Bürgermeister Klaus Krützen darauf hingewiesen, dass die Stadt Hürth vor zwei Monaten auf das Erstellen eines Leitbildes verzichtet habe, da eine Überlastung der Verwaltung befürchtet worden sei.

In anderen Fraktionen werden die Angebote für das Leitbild, das seit Jahren von der FDP gefordert wird, derzeit geprüft. "Und zwar kritisch", wie CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser sagt: "Denn am Ende darf nicht noch ein weiteres Gutachten für die Schublade stehen." Insbesondere die Kosten für den Leitbild-Prozess würden auch bei der Union für Diskussion sorgen. Auch Willibert Müller von der ABG-Fraktion kündigt vor diesem Hintergrund noch "erheblichen Beratungsbedarf" an. Ein klares Ja zu "Grevenbroich 2030" gibt es von Daniel Rinkert (SPD): "Wir unterstützen die Erstellung eines Leitbildes, das war eines der zentralen Wahlkampfversprechen des Bürgermeisters." Die Entscheidung, wer mit der Arbeit beauftragt werden soll, sei aber auch bei den Sozialdemokraten noch nicht getroffen worden.

Quelle: NGZ
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