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Grevenbroich
Grusel-Stein vom Markt ist fast 460 Jahre alt

Grevenbroich: Grusel-Stein vom Markt ist fast 460 Jahre alt
Der alte Stein an der City-Kirche St. Peter und Paul erinnert an das Ehepaar Welter und Gertrud van der Arck, die im 16. Jahrhundert starben. FOTO: A. Tinter
Grevenbroich. Vor neun Jahrzehnten lüftete Professor Anton Zumbusch das Geheimnis um die Grabplatte an der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Von Wiljo Piel

Obwohl die mannshohe Grabplatte mitten in der Stadt steht, weiß kaum jemand etwas über ihre Bedeutung. Das beklagte schon Professor Anton Zumbusch - Heimatforscher und Lehrer am Progymnasium - vor genau neun Jahrzehnten. Im Sommer 1926 lüftete er in einem Aufsatz für die Grevenbroicher Zeitung das Geheimnis um den gruselig wirkenden Quader an der City-Kirche St. Peter und Paul. Das ist lange her - und deshalb gibt das Denkmal mit dem hämisch grinsenden Totenkopf auch heute noch vielen Betrachtern ein Rätsel auf.

Der blaugraue, wuchtige Stein steht in unmittelbarer Nähe des Marktes - und zwar auf der dem Café Kultus zugewandten Seite der Kirche. Und er ist weitaus älter als das 1902 fertiggestellte Gotteshaus. Die Grabplatte erinnert an Welter van der Arck, der 1557 in Grevenbroich starb, und an seine Frau Gertrud, die 1587 das Zeitliche segnete. Ursprünglich lag der Stein in der alten Pfarrkirche an der Erft, deren letzter Rest - der sogenannte "Eulenturm" - in den 1960er Jahren abgerissen wurde.

Beeindruckt zeigte sich Anton Zumbusch insbesondere von der Inschrift der Grabplatte. Eine solch "eigenartige, todernste, fast plastische Sprache wie auf dem Grevenbroicher Denkmal" sei ihm bis zu diesem Zeitpunkt nicht begegnet, notierte der Heimatforscher. Und der Professor interpretierte die lateinischen Inschriften wie folgt: ",Was grinsest mich, nackter Schädel Du, an aus lichtlosen Augen?', lässt der Stein den Vorübergehenden, der den Totenkopf auf der Platte betrachtet, fragen. Und der Tote gibt Antwort: ,Einst war auch ich wie Du; warte nur, bald bist Du wie ich.'" Und: "Auf demselben Stein ruft die Gattin des Verstorbenen ihren eitlen Geschlechtsgenossinnen die bittere Wahrheit zu: ,Aller Frauenmut macht mit einem Schlag der Tod ein Ende'."

Der Familienname van der Arck ist in vielen alten Grevenbroicher Urkunden zu finden - die Van den Arcks waren Richter, Vögte, Pächter von Höfen, Schöffen, Ratsherren und Bürgermeister. Anton Zumbusch fand heraus, dass Welter van der Arck im Jahr 1551 Inhaber des zu Wevelinghoven gehörenden Lehnsgutes Domekensgut bei Kapellen war, das später von seinem Sohn Johann und seinem Enkel Adam übernommen wurde.

Neben dem grinsenden Totenschädel und den Inschriften sind auf dem verwitterten Stein auch Wappen zu erkennen. Eines - das einen schwarzen Balken mit drei Blättern (zwei oben, eines unten) zeigt- ist das Wappen der Familie van der Arck. Deren Name findet sich übrigens auch noch an anderer Stelle in Grevenbroich: Pitter und Heinrich van der Arck stehen unmittelbar hinter den Namen des Grevenbroicher Pastors, des Priors und des Amtmannes auf der großen, im Jahr 1592 gegossenen Glocke der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Quelle: NGZ
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