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Grevenbroich
Hat die Stadt zu wenige Augenärzte?

Grevenbroich. Grevenbroicher beklagen sich darüber, wie schwer es ist, einen Termin beim Augenarzt zu bekommen. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht allerdings von einem Versorgungsgrad von über 108 Prozent im Rhein-Kreis. Von Anne Richter

Das Autofahren im Dunkeln bei Regen wird immer schwieriger, weil alles verschwimmt? Dann ist es vielleicht an der Zeit für einen Termin beim Augenarzt. Doch der ist in Grevenbroich scheinbar schwer zu bekommen, wie eine Diskussion bei Facebook vermuten lässt. Dort tauschen sich Nutzer darüber aus, dass sie abgewiesen wurden, weil die Arztpraxen keine neuen Patienten aufnehmen könnten oder dass sie in andere Städte geschickt wurden. Auch wird von teils sehr langen Wartezeiten berichtet.

Anrufe in den drei Grevenbroicher Augenarztpraxen bestätigen dieses Bild teilweise. "Es ist sehr voll", sagt etwa Ariane Pasler, Arzthelferin in der Praxis von Augenarzt Henning Moter. Bei leichteren Fällen versuche das Team, den Patienten kurzfristig anderweitig zu helfen. So verweise die Praxis etwa bei Problemen wie trockenen Augen an die Apotheke.

Dr. Stephan Blumenröder führt allerdings als Problem an, dass Patienten oft genug nicht zum Termin kämen. "Ohne Absage", stellt er klar. Im Schnitt gebe es in seiner Praxis etwa 130 Termine pro Woche, zehn Prozent der Patienten erschienen nicht. Als Gegenmaßnahme werde quasi überbucht. "Manchmal kommen dann doch alle Patienten. So entstehen Wartezeiten", erklärt er. Wer Schmerzen oder schwerwiegende Probleme habe, könne natürlich die Akutsprechstunde nutzen, stellt der Arzt klar. Er fände es hilfreich, wenn seitens der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) die Fallzahlen pro Quartal für die Ärzte erhöht würden. Diese Zahlen geben Auskunft darüber, wie viele Patienten ein Arzt auf Kassenbasis behandeln kann und dafür voll bezahlt wird. Übersteigt der Arzt die Grenze, bekommt er für die "überzähligen" Patienten nur einen Bruchteil der Summe. Allerdings wird seine Fallzahl dann im folgenden Jahr erhöht.

Für Abhilfe bei Termin-Problemen soll die Termin-Servicestelle der KV Nordrhein sorgen. Darauf weist KV-Pressesprecher Christopher Schneider hin. Seit Anfang 2016 können sich Patienten darüber Termine bei Fachärzten vermitteln lassen. "Seit Ende Januar wurden in Nordrhein über 400 augenärztliche Termine vermittelt", nennt Schneider Zahlen. Allerdings könnten keine Wunschtermine beim Wunscharzt ausgemacht werden, betont der Sprecher. Auch längere Anfahrtswege könnten vorkommen: "Als zumutbare Entfernung bei Augenärzten hat der Gesetzgeber einen Radius von circa 30 Minuten Fahrtzeit mit dem ÖPNV vorgesehen, wobei wir die individuelle Mobilität des Patienten nach Möglichkeit berücksichtigen." Die fachärztliche Versorgung werde auf Kreisebene und nicht für die einzelne Stadt betrachtet, erklärt Schneider weiter. Im Rhein-Kreis Neuss seien etwa 25 Augenärzte niedergelassen, der rechnerische Versorgungsgrad liege bei über 108 Prozent.

Das bestätigt auch Hans-Werner Stratmann, Regionaldirektor der AOK für den Rhein-Kreis Neuss und Krefeld. Es gebe genügend Augenärzte. Er sagt allerdings auch, die subjektive Wahrnehmung eines Patienten könne anders aussehen. Schon länger gibt es einen AOK-eigenen Service zur Terminvermittlung. Etwa zehn Anfragen pro Monat kämen aus Grevenbroich für Augenärzte, sechs bis sieben Kunden könnte innerhalb der nächsten drei Wochen ein Termin vermittelt werden, so Stratmann.

Quelle: NGZ
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