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Grevenbroich
Hauptschulen konkurrieren

Grevenbroich. Die Katholische Hauptschule (KHS) ist so gefragt, dass sie Schüler ablehnen kann – Kinder, die die Hans-Sachs-Schule dann aufnehmen muss. Grevenbroich ist ein Beispiel für den bundesweiten Trend. Von Daniela Buschkamp

Neben der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule ist die Katholische Hauptschule (KHS) beliebt – das zeigen die aktuellen Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr. Schlusslicht im Ranking der Favoriten: die Gemeinschaftshauptschule Hans-Sachs-Schule in Orken. "Das ist kein Grevenbroich-typisches Phänomen, sondern lässt sich aus dem Schulsystem erklären", sagt Thomas Staff, Leiter des städtischen Fachbereichs Schulen.

Für Heinz Neuhöffer, Rektor an der Hans-Sachs-Schule, ist das kein Trost. Seit 1971 führt er die Hauptschule und weiß, dass auch eine "räumlich optimale Ausstattung" nicht dazu beiträgt, mehr Eltern von einer Anmeldung zu überzeugen. "In der vergangenen Woche haben Mitglieder des Rotary Clubs die Schule besucht und waren begeistert", erzählt der Rektor, der sich selbst für die Architektur des Gebäudes begeistert. Es entstand nach Plänen der Schulbau-erfahrenen Werkgemeinschaft Quasten und Berger, die auch das Jüchener Gymnasium konzipiert hat.

Als Grund für die geringe Nachfrage sieht Heinz Neuhöffer das Schulsystem und erläutert es am Beispiel "Hühnersuppe": "In den Grevenbroicher Grundschulen wird eine leckere Hühnersuppe gekocht. Dann schöpfen nacheinander die Gesamtschule, zwei Gymnasien, zwei Realschulen und die Katholische Hauptschule ab – und dann kommen wir zum Schluss."

Für das Schuljahr 2010/11 sind in Orken zwölf Mädchen und Jungen für eine neue fünfte Klasse angemeldet. Zu ihnen kommen noch diejenigen, die an der Parkstraße abgewiesen werden – statt der angemeldeten 112 Schüler werden nur hundert aufgenommen", sagt Thomas Staff – ein bekannter Trend. Seine Erklärung: "Die KHS ist eine Schule mit konfessioneller Bindung – sie muss nicht jeden Schüler, der angemeldet ist, aufnehmen." Anders die Hans-Sachs-Schule: "Wir müssen die abgewiesenen Kinder anderer Schulen aufnehmen", sagt Neuhöffer.

Solange das Schulsystem nicht grundsätzlich geändert werde, rechnet der Hans-Sachs-Rektor bis zu seiner Pensioniereung nicht mit einer Veränderung. Generell könne die Frage, ob zwei Hauptschulen in Grevenbroich weiter bestehen sollten, gestellt werden. Einen Tipp hat Neuhöffer für seinen Nachfolger: "Für unsere Schüler sind wir nicht nur Lehrer, wir sind oft auch Familie. Viele freuen sich, wenn sie nach den Ferien wieder in die Schule kommen." Für ihn wichtig: "Das einzelne Kind nicht vergessen".

Das Pascal-Gymnasium wird bei 126 Anmeldungen fünf (statt bisher vier) fünfte Klassen bilden. "Ob dies ein positiver Trend ist, weil das Pascal erstmals gebundenen Ganztag anbietet, kann man noch nicht sagen", so Thomas Staff. Für eine Prognose seien die "kommenden zwei bis drei Jahre" entscheidend.

Quelle: NGZ
 
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