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Grevenbroich
Hemmerdener erforscht Schiffsunglück

Grevenbroich: Hemmerdener erforscht Schiffsunglück
Links: Der Rhein wurde zum Flammenmeer. Rechts: Michael Thissen. FOTO: Stadtarchiv/Stadt Emmerich
Grevenbroich. Der Feuerwehrmann Michael Thissen aus Hemmerden hat das Schiffsunglück, das sich 1960 vor Emmerich ereignete, für eine internationale Tagung aufgearbeitet. Von Markus Balser

Es war wohl eine der schlimmsten Katastrophen, die sich in Emmerich (Kreis Kleve) nach dem Zweiten Weltkrieg ereignet hat: Die Kollision der Hochseefähre "Tina Scarlett" mit dem Tanker "Diamant". Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, 55 wurden zum Teil schwer verletzt. Tagelang stand der Rhein in Flammen, bis das Feuer endlich gelöscht werden konnte.

Das Unglück, das am 7. Oktober 1960 an Rheinkilometer 852 geschah, war vor kurzem Thema einer internationalen Tagung von Feuerwehrhistorikern in Tschechien. Michael Thissen aus Hemmerden, selbst Feuerwehrmann in Dormagen, hat es aufgegriffen. Dafür recherchierte er intensiv im Emmericher Stadtarchiv und sprach auch mit vielen Zeitzeugen.

"Das Interessante an diesem spektakulären Unglück ist, dass danach eine wichtige Konsequenz gezogen wurde. In Nordrhein-Westfalen wurden flächendeckend Löschboote angeschafft." Denn die gab es bis dahin nicht, so Thissen. Die wären aber notwendig gewesen, um das Feuer, das sich auf dem Rhein ausbreitete, in den Griff zu kriegen.

Gegen 13.20 Uhr war die "Tina Scarlett", die auf dem Weg von einer Kölner Werft nach Dänemark war, aus ihrem Schlepperverband ausgebrochen und nach Backbord abgedriftet. Grund: Ihre Schlepper waren zu schwach. Sie kollidierte mit der vor Anker liegenden "Diamant". Die wurde unter Wasser gedrückt und aufgerissen. Über 720 Tonnen Leichtbenzin traten aus, sie entzündeten sich explosionsartig. Neun weitere Schiffe fuhren in diese Feuerwand, weil sie nicht mehr rechtzeitig stoppen konnten. Zunächst hatten die Feuerwehren aus Emmerich, Hüthum und Vrasselt versucht, das Feuer von Land aus zu löschen. Weitere Feuerwehren kamen zur Unterstützung. Erst am Abend wurde das einzige verfügbare Feuerlöschboot angefordert. Es war ein 60 Jahre alter umgebauter Schlepper, der für den Duisburger Hafen vorgesehen war. Er brauchte fünf Stunden bis Emmerich.

Auch Funk gab es nicht. Der Einsatzleiter versuchte, seine Kräfte mit Rufen zu koordinieren. "Unter diesen Umständen ist es ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist", sagt Thissen, der den Feuerwehrleuten, Wasserschutzpolizisten und allen anderen Helfern von damals größten Respekt zollt. "Die haben unter Einsatz ihres Lebens viele Menschen gerettet. Es hätte jederzeit zu einer weiteren Explosion kommen können." Als Folge wurden im ganzen Land Feuerwehrlöschboote angeschafft. Unter anderem auch in Emmerich, Rees und Wesel.

"Seitdem hat sich viel getan", sagt Jörg Heimann, Brandoberinspektor in Emmerich. Auch die Tankschiffe seien sicherer geworden. Jedoch wäre eine Katastrophe solchen Ausmaßes auch für heutige Feuerwehren eine große Herausforderung.

Im Emmericher Stadtarchiv, in dem die Einsatzberichte der Wasserschutzpolizei von damals aufbewahrt sind, ist der Tagungsband mit der Recherchearbeit Michael Thissens einzusehen. Ebenso eine ausführliche Darstellung, die der Hemmerdener für ein Feuerwehrmagazin schrieb. Eine Etage höher, im Rheinmuseum, befinden sich viele Fotos des Unglücks, die Schiffsglocke und zwei Stühle der "Tina Scarlett". Ihr Flaggenmast ziert heute den Emmericher Yachthafen.

Quelle: NGZ
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