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Grevenbroich
Herz-Seminare ziehen 1350 Besucher an

Grevenbroich. In kreisweit sechs Seminaren informierte die Deutsche Herzstiftung über die koronare Herzkrankheit und den Herzinfarkt. In Grevenbroich standen fünf Experten Rede und Antwort. Fazit: Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Von Marion Lisken-Pruss

Im Rhein-Kreis sterben mehr Patienten an einem Herzinfarkt als im Bundesdurchschnitt. Grund dafür ist, dass sie zu lange warten, bis sie den Notarzt rufen. Sind die Patienten endlich im Krankenhaus, erhalten sie eine Versorgung, die über dem Bundesdurchschnitt liegt. Diese Fakten präsentierte Oberarzt Dr. Carlos Correia de Freitas den rund 120 Zuhörern, die zum Herz-Seminar in das Kreishaus nach Grevenbroich gekommen waren. Es war die letzte Veranstaltung einer sechsteiligen Staffel.

Fünf Experten erläuterten, woran man einen Herzinfarkt erkennt, wie er behandelt wird, und warum ihm die koronare Herzkrankheit (KHK) vorausgeht. Die Deutsche Herzstiftung hatte die koronare Herzkrankheit zum Thema der Herzwochen erhoben, und unsere Redaktion beteiligt sich an der bundesweiten Aufklärungskampagne. Moderiert wurde die Expertenrunde von Redakteurin Ruth Wiedner.

Für Professor Michael Haude, Chefarzt am Neusser Lukaskrankenhaus, hat Aufklärung höchste Priorität: "Die Patienten sollen die Symptome eines Herzinfarktes erkennen können, damit sie schneller den Rettungsdienst rufen", sagt er. Denn je früher der Herzinfarkt behandelt wird, desto mehr Muskelgewebe kann gerettet werden, und desto leistungsfähiger bleibt das Herz. "Dafür sind die ersten 120 Minuten entscheidend. Die Zeit läuft, sobald die Symptome auftreten", sagt Correia de Freitas.

Alarmzeichen sind Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder kalter Schweiß. Bei Frauen sind manchmal Schmerzen im Oberbauch und Brechreiz alleinige Warnzeichen. "Wählen Sie bei den ersten Anzeichen sofort die 112 - auch nachts und am Wochenende", rät Marc Zellerhoff, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Der Notarzt funkt das EKG des Patienten aus dem Rettungswagen heraus an das Krankenhaus, wo schon alles für das Herzkatheter-Labor vorbereitet wird.

Dem Herzinfarkt voraus geht die koronare Herzkrankheit: "In den Koronargefäßen, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, lagern sich über Jahre hinweg sogenannte Plaques ab und verengen sie. Bricht eine Plaque auf, kann sich das Blutgefäß vollständig verschließen und es kommt zum Infarkt", erläutert Dr. Torsten Becker, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus.

Aufhalten lässt sich eine KHK nicht. "Aber ihren Verlauf können Sie günstig beeinflussen: Durch regelmäßige Bewegung, Stressabbau, Medikamente und eine mediterrane Ernährung", betonte Dr. Rainer Budde, niedergelassener Kardiologe in Grevenbroich.

"Rund 4500 Patienten kommen im Rhein-Kreis Neuss alljährlich mit Durchblutungsstörungen des Herzens in ein Krankenhaus. Diese Zahlen verdeutlichen die gesundheitliche und gesellschaftliche Tragweite der Erkrankung", sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Schirmherr des Herzseminars. Entsprechend groß war auch das Interesse an dem Thema: Rund 1350 Besucher nahmen kreisweit an den sechs Herzseminaren teil. Eine Bestätigung auch für Günter Kopp, der die Seminare als ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung organisiert.

Quelle: NGZ
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