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Grevenbroich
Hülchrather Orgel wird nach Polen verkauft

Grevenbroich: Hülchrather Orgel wird nach Polen verkauft
Waldemar Wasilewski und Andre Mlynczyk bauen die Orgelpfeifen ab, die Hülchrather Orgel wird künftig in einer Kirche in Stettin zu hören sein. FOTO: l. berns
Grevenbroich. Gestern begann der Abbau der Orgel in St. Sebastianus, die Kirche wird 2016 saniert. Das neue Instrument kommt frühestens in zwei Jahren. Von Carsten Sommerfeld

Die Kirchengemeinde St. Sebastianus in Hülchrath muss mindestens zwei Jahre lang ohne Orgel auskommen, gestern begannen Waldemar Wasilewski und seine Kollegen aus Polen, das alte Musikinstrument zu demontieren. In einer Kirche in Stettin (Szczecin) soll es eine neue Heimat finden. Zwar kommt die Nachfolge-Orgel in Hülchrath frühestens in zwei Jahren, doch der Abbau jetzt wurde für die anstehende Sanierung des Gotteshauses erforderlich.

Seit zehn Jahren ist der Orgelbauverein für eine neue Orgel aktiv. Die alte ist "akustisch und technisch marode", wie der Verein erklärt, so mancher Ton ist schief. Ein neues Instrument kostet 200.000 bis 300.000 Euro - ein Kraftakt. Mit Konzerten, Bilderverkäufen und anderem, zuletzt der Plätzen-Aktion "Orgelschmaus", wird Geld gesammelt. Bislang sind rund 110.000 Euro zusammen, das Erzbistum hat laut Vereinsvorsitzendem Peter Lys zudem einen Zuschuss von circa 40.000 Zuschuss zugesagt.

Die alte Technik muss aber bereits jetzt raus. Der Grund: Das rund 100 Jahre alte Gotteshaus soll im Frühjahr saniert werden. Unter anderem in den Gewölben haben sich Risse durch Setzungen gebildet, "die Risse sind durch das Erdbeben 1992 sicher noch verstärkt worden", erklärt Architekt Horst Beerscht. 27 Jahre nach der letzten Renovierung ist zudem ein neuer Anstrich nötig. Kosten insgesamt: rund 100.000 Euro. "Das Erzbistum hat die Finanzierung grundsätzlich genehmigt, aber es sind noch einige Fragen zu klären", sagt Beerscht. Für die Dauer von zwei, drei Monaten soll der Gottesdienst ins Sebastianushaus nebenan verlegt werden.

Für die Arbeiten muss die Orgel abgebaut werden, "Ein Wiedereinbau lohnt nicht mehr", erläutert Patrick Kampf (28), Seelsorgebereichsmusiker in der Pfarreiengemeinschaft Niedererft. Andreas Ladach. Fachhändler für gebrauchte Pfeifenorgeln aus Wuppertal, fand für das gebrauchte Instrument einen Kunden in Stettin. "Nach dem Fall des Kommunismus wurden in Polen viele neue Kichen errichtet, die jetzt allmählich Orgeln erhalten", erzählt der 46-Jährige. "Orgeln aus Deutschland genießen einen guten Ruf." 6500 Euro erhält die Hülchrather Gemeinde für das Instrument.

Bevor die Orgel in Stettin ertönt, ist einiges an Arbeit gefragt. Rund 1000 Pfeifen - von der Größe eines Daumennagels bis zu drei Meter Länge - werden abgebaut und verpackt. Dann kommt die übrige Technik - Blasebalg, Windkanäle, Elektromotor und vieles mehr - an die Reihe. Morgen soll die Orgel auf einen Lkw verladen werden. In Polen werden defekte Teile erneuert, der Aufbau dauert, wie Orgelbauer Waldemar Wasilewski (39) erläutert, rund zwei Monate.

Die Hülchrather müssen länger auf ihre neue Orgel warten. "Wir hoffen, dass das Instrument Ende 2016 bestellt werden kann", sagt Patrick Kampf. Bis zur Lieferung muss die Pfarre mit einem Harmonium vorlieb nehmen. "Das Provisorium lädt die Gemeinde dazu ein, eine neue Orgel haben zu wollen", erklärt der Kirchenmusiker.

Quelle: NGZ
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