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Harald Zillikens
"Ich erwarte Unterstützung vom Land"

Harald Zillikens: "Ich erwarte Unterstützung vom Land"
Die heimische Landschaft im Übergangsstadium vom Tagebau zur Rekultivierung will der Zweckverband "Tagebaufolgelandschaften Garzweiler" aktiv mitgestalten. FOTO: Christian Kandzorra
Grevenbroich. Bürgermeister Harald Zillikens freut sich nach dem einstimmigen Ratsbeschluss auf die Mitgestaltung im Zweckverband, um aus 27 Quadratkilometern für Jüchen eine optimale Neulösung zu finden. Naherholung und Windenergie sind u.a. die Ideen.

Welche Erwartungen setzen Sie in den Verband insbesondere für Jüchen?

Harald Zillikens Die Leitentscheidung der Landesregierung, den Tagebau Garzweiler zu verkleinern, macht eine Überarbeitung des Braunkohleplans Garzweiler II erforderlich. Dadurch erhalten wir die Chance, uns aktiv und mit eigenen Ideen in den Planungsprozess einzubringen. Es ist sehr sinnvoll, den Prozess mit den Nachbarstädten gemeinsam anzugehen, um eine interkommunale Raumentwicklungsperspektive zu entwickeln. Es macht keinen Sinn, das nur auf dem eigenen Gemeindegebiet zu tun. Derzeit nimmt der Tagebau rund 27 Quadratkilometer unseres Gemeindegebietes von 72 Quadratkilometern ein. Wir müssen uns Gedanken machen, wie diese riesige Fläche künftig genutzt werden soll. Neben der Landwirtschaft und der Nutzung durch Windenergieanlagen müssen Verkehrswege wieder hergestellt werden. Und die Aspekte der Naherholung sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie neue Siedlungsflächen.

Macht die von Jüchen verlangte finanzielle Einbringung in den Zweckverband schmerzhafte Einsparungen an anderer Stelle im Gemeindehaushalt notwendig?

Zillikens Wir investieren hier in die Zukunft unserer Gemeinde und das gemeinsam mit unseren Nachbarn. Das in einem Werkstattverfahren mit renommierten Büros erarbeitete Drehbuch zur Tagebaufolgelandschaft ist dabei eine hervorragende Grundlage. Ein Ziel dabei ist natürlich, bei der Realisierung von Projekten Fördermittel von Land, Bund oder EU zu erhalten. Dabei erwarte ich auch die Unterstützung des Landes NRW, damit wir dem auf uns zukommenden Strukturwandel im Braunkohlerevier rechtzeitig und tatkräftig begegnen können.

Was sagen Sie zur Kritik des FWG-Fraktionsvorsitzenden Gerolf Hommel an der Beteiligung eines RWE-Vertreters im Verband, der in einer Sitzung des Planungsausschusses RWE Power mit einem Angeklagten, der als Schöffe im Gericht mitwirkt, verglichen hatte?

Zillikens Die Kritik und sein Vergleich mit einem Schöffengericht, das den Angeklagten zum Schöffen ernennt, weise ich deutlich zurück. Es geht hier nicht um ein Gerichtsverfahren, sondern um die Frage, wie wir gemeinsam in den nächsten Jahrzehnten die Landschaft gestalten, die nach dem Tagebau wieder entsteht. Dabei ist RWE Power als Betreiber des Tagebaus ein wichtiger und aus meiner Sicht auch zuverlässiger Partner.

Haben Sie Befürchtungen, dass RWE für die Tagebaufolgen langfristig nicht mehr zur Verfügung steht?

Zillikens Bisher ist RWE seinen Verpflichtungen in der Rekultivierung nachgekommen. Diese werden bei der Genehmigung der jeweiligen Tagebaue durch die zuständige Bezirksregierung bereits geprüft und festgelegt. Wir Kommunen fordern natürlich über das Betriebsende der Tagebaue hinaus, dass Kosten für auftretende Folgen nicht von den Städten zu tragen sind. Hier muss eine klare, transparente und gesicherte Regelung getroffen werden, dass Folgekosten vom Bergbautreibenden getragen werden.

Was muss im Zweckverband jetzt als Nächstes geschehen?

Zillikens Der Verband als solches muss sich in den nächsten Monaten, wenn die erforderlichen Ratsbeschlüsse in den übrigen beteiligten Kommunen gefasst sind, konstituieren und nach der Genehmigung durch die Bezirksregierungen in Düsseldorf und Köln auch formal seine Arbeit als Verband aufnehmen. Unabhängig davon arbeiten unsere Planer weiter an der Ausgestaltung der im Drehbuch skizzierten Ideen.

GUNDHILD TILLMANNS STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: NGZ
 
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