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Grevenbroich
Im Rathaus-Kiosk gibt's nachts keine Zigaretten

Grevenbroich. Büdchen-Serie: Karin Smit hat tagsüber fast immer geöffnet. Nachts schützt sich die Betreiberin vor Einbrüchen. Von Gundhild Tillmanns

Der Rathaus-Kiosk in Wevelinghoven ist so gut wie nie geschlossen: Auch an den Feiertagen hat Karin Smit die große "Open"-Leuchtreklame angeschaltet: "Wir haben zwar immer mal wieder Versuche mit kürzeren Öffnungszeiten gemacht, aber dann kommen doch immer wieder noch Kunden. Im Sommer könnten wir sogar noch bis 23 Uhr auf halten, wenn wir nach den Kunden gingen", sagt Karin Smit.

Sie hat den Rathaus-Kiosk im Jahr 2012 gemeinsam mit ihrer Tochter Alice Wöhlert übernommen. Als Aushilfe war sie zuvor bereits bei Ralf Hutmacher beschäftigt, der den Rathaus-Kiosk 20 Jahre lang betrieben hatte. Ursprünglich war die 58-Jährige aber 36 Jahre lang in der Gastronomie tätig, als stellvertretende Restaurant-Managerin bei Real/Allkauf, bis das Restaurant schloss: "Ich wollte nicht arbeitslos sein, und als die Hutmachers davon sprachen, den Kiosk aufzugeben, habe ich es gewagt", berichtet Smit.

Denn ein Wagnis ist es, heutzutage einen Kiosk zu betreiben, weiß Smit, auf deren Geschäft auch schon ein Überfall versucht, aber glücklicherweise auch vereitelt worden ist. "Eine Aushilfe war im Kiosk. Da kamen zwei Männer rein, einer zog sofort ein langes Messer und forderte das ganze Geld. Zum Glück saß der Freund der Aushilfe im Nebenraum. Der ist sofort mit einem Stuhl auf den Bewaffneten losgegangen", berichtet die Kioskbesitzzerin. Die beiden Männer seien dann geflohen - sofort zum nächsten Tatort: "In einem Kiosk in Elsen sind sie dann auch in die Flucht geschlagen worden. Und wir haben gehört, dass die Polizei den Tätern auf den Fersen war", sagt Smit.

Einen besonderen Schutz vor Einbrechern hat sie übrigens von ihrem Vorgänger übernommen: "Nachts keine Zigaretten vorrätig. Einbruch lohnt sich nicht!", steht auf einem Schild im Schaufenster. Denn zu Hutmachers Zeiten sei tatsächlich dreimal in den Kiosk eingebrochen worden.

Doch für Smit überwiegen die friedfertigen Begegnungen in ihrem Kiosk: Wenn sie morgens um 5.30 Uhr die Türe öffnet, kommen schon die ersten Kunden auf dem Weg zur Arbeit vorbei. Eigentlich hat sie "erst" ab 6 Uhr geöffnet, aber die Stammkunden wissen, dass sie nicht abgewiesen werden. Bis 22 Uhr geht es dann auch sonntags und feiertags in ihrem Büdchen ein und aus. Nur an Sonn- und Feiertagen schläft sie etwas länger und öffnet "erst" um 8 Uhr.

Das Sortiment ist noch ein typisches Kioskangebot, so wie es die Kunden von jeher kennen: Zeitungen, Zigaretten, Getränke und Süßigkeiten. Allerdings hat sie die Zahl der Kühlschränke von zwei auf vier aufgestockt und ein paar Geschenk- und Dekorationsartikel hinzugenommen.

Saisonale Angebote, wie derzeit noch Mütze, Schal und Regenschirm gibt es im Rathaus-Kiosk auch, wo Karin Smit auf eines ganz besonderen Wert legt: "Hier wird viel erzählt. Wenn zum Beispiel die alten Frauen aus dem Seniorenheim kommen, die erzählen mir ihr ganzes Leben. Aber das bleibt hier verschlossen", sagt sie und deutet auf ihr Herz.

Quelle: NGZ
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