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Wolfgang Kaiser Und André Dresen
"In der Stadtverwaltung läuft es nicht rund"

Wolfgang Kaiser Und André Dresen: "In der Stadtverwaltung läuft es nicht rund"
Haben schon die nächsten Wahlen im Blick: CDU-Chef Wolfgang Kaiser (v.r.), Ratsfrau Heike Troles und Unions-Vize André Dresen. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Der CDU-Chef und sein Stellvertreter über die Zukunft des Kreis-Krankenhauses, die Landtagswahl 2017 und den SPD-Bürgermeister.

Herr Kaiser, um die beiden defizitären Kreis-Krankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen stabil aus den roten Zahlen zu holen, wird derzeit laut über eine Umwandlung in eine GmbH nachgedacht. Diesen Lösungsansatz verfolgen CDU und FDP im Kreistag - heißt es. Wie ist Ihr Informationsstand?

Wolfgang Kaiser Lückenhaft. Als Fraktions- und Parteivorsitzender der CDU in Grevenbroich sind mir die Informationen leider nicht in vollem Umfang bekannt.

Sie haben doch aber eine Kreistagsfraktion ...

Kaiser Was mir bekannt ist, ist dass man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und auf professionelle Unterstützung zurückgreift. Das ist gut, denn für Grevenbroich ist es enorm wichtig, das Krankenhaus zu stärken und zu halten. Klar ist natürlich, dass die roten Zahlen schwarze werden müssen.

Was hat Ihrer Meinung nach zu den roten Zahlen geführt?

Kaiser Was die Unternehmensführung betrifft, sind womöglich schon früher Fehler gemacht worden, die ich aber nur aus der Ferne beurteilen kann. Ich sehe die Schuld selten bei einem, sondern meisten im System.

Und die "Sanierung", wie kann die gelingen?

Kaiser Ob Eigenbetrieb, GmbH oder eine dritte Variante - die Rechtsform ist für mich dabei erst einmal zweitrangig. Viel entscheidender ist, dass die Strukturen in den Kreis-Krankenhäusern so geschaffen werden, dass wieder schwarze Zahlen geschrieben werden können. Wenn man dann darüber nachdenkt, dass in Bezug auf die Fachbereiche Prioritäten in den einzelnen Häusern gesetzt werden sollen, dann hoffe ich, dass für Grevenbroich auch eine vernünftige gewählt wird, die alleine für Gewinn sorgen kann.

Die Grevenbroicher CDU ist nach vielen Jahren wieder in der Lage, mit Heike Troles eine Landtagskandidatin zu stellen. Ursprünglich sind Sie davon ausgegangen, dass die Dormagener Union einen Kandidaten aus Grevenbroich unterstützt. Daran hat man sich nicht gehalten. In Bezug auf die anstehende Delegiertenversammlung: War es ein Fehler des Parteivorsitzenden, das so offen zu kritisieren?

Kaiser Das glaube ich nicht. Ich bin jemand, der zu einem einmal gegebenen Wort steht. Deshalb ist es für mich normal, dass ich das auch auf der anderen Seite einfordere. Aber wir sind nicht im Streit mit Dormagen - nie gewesen.

Also gehen Sie davon aus, dass Dormagen - nach dem Rückzug von André Heryschek - die Grevenbroicher Kandidatin stützt?

Kaiser Michael Willmann aus Rommerskirchen ist natürlich auch auf Stimmenfang - und wie man hört, auch in Grevenbroich. Aber das ist sein Recht. Für mich ist einfach nur wichtig: Wenn die Dormagener sagen, Absprachen mit Grevenbroich gelten für uns nicht mehr, weil wir jetzt anders ticken, als die Generation davor, dann gehe ich davon aus, dass sie sich genauso offen zu Rommerskirchen verhalten und dass sie, wenn sie keinen eigenen Kandidaten haben, die Wahl freigeben. Das wäre auch erst mal okay. Mehr können wir nicht erwarten.

Warum hat sich die CDU für Heike Troles entschieden?

Kaiser Weil sie unsere Frontfrau ist: Sie ist engagiert, sie hat das richtige Alter und sie ist schon lange in der Politik. Abgesehen davon gab es keine anderen, die Ansprüche gestellt haben, so dass gar kein interner Wettbewerb stattfinden musste.

André Dresen Man muss auch bedenken: Wir haben im Wahlkreis einen SPD-Amtsinhaber, der zunächst geschlagen werden muss. Heike Troles wiederum hat auf kommunaler Ebene noch nie eine Wahl verloren. Ich bin überzeugt: Wenn sie die interne Kandidatenaufstellung gewinnt, wird sie am Ende auch die Nase vor Rainer Thiel haben.

Seit 2015 sitzt seit langem wieder ein SPD-Mann an der Verwaltungsspitze. Das muss für die CDU schmerzhaft sein. Wann starten Sie mit der Kandidatenfindung für 2020?

Kaiser Nach den Landtags- und Bundestagswahlen 2017 wollen wir das Thema intern angehen.

Wie macht Klaus Krützen seinen Job?

Kaiser Man kann nicht sagen, dass er ihn schlecht macht. Er ist nach einem guten halben Jahr Amtszeit in der Wahrnehmung überall vertreten. Dass in der Verwaltung nach wie vor noch nicht alles rund läuft, muss man differenzieren. Das war auch schon zu Ursula Kwasnys Zeiten so.

Wo genau holpert es?

Kaiser Sagen wir es mal so: Wenn wir die Neustrukturierung der Wirtschaftsbetriebe vernünftig geregelt bekommen, dann ist damit sicher einiges rund zu bekommen. Deshalb wäre es gut, wenn die Verwaltung nicht nur Angst hat, denn Angst muss sie nicht haben. Wir haben nicht vor, auch nur irgendeinen Arbeitsplatz zu streichen und es wird eine hundertprozentige städtische Tochter werden. Man kann also auch viel Wind um etwas machen, der gar nicht notwendig ist - wie beim Krankenhaus ...

JULIA HAGENACKER UND WILJO PIEL FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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