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Grevenbroich
"Job-Vermittlung für Flüchtlinge funktioniert"

Grevenbroich. Im Januar wurde der Integration Point eröffnet. Das erste Fazit nach mehr als einem halb Jahr Arbeit fällt positiv aus. Von Julia Hagenacker

Es gibt bereits Erfolgsgeschichten. Von Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflohen sind und heute in ihrer neuen Heimat Deutschland dank der Arbeit in den sogenannten Integration Points durch die Vermittlung Jobs bekommen haben. Das betont Wolfgang Draeger, Geschäftsführer im operativen Bereich bei der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, ausdrücklich, auch, wenn er noch keine konkreten Vermittlungszahlen nennt.

"Von mehr als 450 Flüchtlingen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit in Grevenbroich sind bislang 170 in berufssprachlichen Qualifikationsmaßnahmen untergebracht", sagt Draeger. "Daraus resultieren schon jetzt Arbeitsplätze im qualifizierten Bereich, also solche, die über reine Hilfstätigkeiten hinausgehen, genauso wie Ausbildungsplätze und Einstiegsqualifikationen, die auf eine Ausbildung angerechnet werden können. Die Arbeitgeber sind wirklich bereit, sich diesem Personenkreis zu widmen."

Fest steht: Die beste Voraussetzung für Integration ist Integration in den Arbeitsmarkt. Und die funktioniert nicht ohne die Sprache. Diese Zeitschiene des Ankommens in Deutschland zu verkürzen, ist das Ziel der Integration Points. Nach Neuss ist Mitte Januar in Grevenbroich der zweite im Rhein-Kreis eröffnet worden. Er soll zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Grevenbroich, Rommerskirchen und Jüchen sein. Unter einem Dach vereint er den Service und das Wissen der Arbeitsagentur vor Ort, des Jobcenters und des Rhein-Kreises. Das Kursangebot richtet sich an Asylsuchende mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit.

Feras Asfor und Emad Wehbeh zum Beispiel gehörten Anfang des Jahres zu den ersten, die vom Integration Point in Grevenbroich profitierten. Die jungen Männer sind im September aus Syrien nach Deutschland gekommen. Nach rund acht Wochen Deutschunterricht sprachen und verstanden beide schon weit mehr als nur ein kleines bisschen Deutsch. Wehbeh hat in seiner Heimat als Tischler gearbeitet, Feras Asfor ist gelernter Auto-Elektriker. Sein Wunsch für die Zukunft: In Deutschland in seinem Beruf arbeiten zu können. "Darum geht es bei der Arbeit in den Integration Points", sagt Wolfgang Draeger. "Das Potenzial, das in den Menschen schlummert, die zu uns kommen, zu erkennen und zu wecken. Dafür braucht es aber auch Zeit," fügt er hinzu.

Der Geschäftsführer der Mönchengladbacher Agentur für Arbeit vergleicht die Integration in den Arbeitsmarkt mit einem Triathlon: "Sprache, Qualifikation und Vermittlung: Das sind die Disziplinen, um die es geht", sagt er. "Die Frage, die sich dabei immer stellt, ist: Wo hole ich den Menschen, der zu mir kommt, ab? Und: Welche Kenntnisse bringt er mit?" Das, betont Draeger, sei auch für die Mitarbeiter eine Herausforderung.

Für die Integration Points wurden im Rhein-Kreis 13 Stellen neu geschaffen. "Die ganz wichtige Botschaft an alle, die Arbeit suchen, ist: "Wir haben zusätzliches Personal, wir haben zusätzliches Geld, damit niemand weniger bekommt als vorher", betont Draeger.

Kreisdirektor Dirk Brügge sieht in der Einrichtung der Integration Points die "richtige Maßnahme zur richtigen Zeit". Dass mit dem Fördern auch das Fordern einhergeht, ist für ihn klar: "Uns ist es wichtig, dass wir den Menschen sagen, wie unser Leben funktioniert, welche Werte wir haben und dass wir erwarten, dass diese Werte auch eingehalten werden", sagt er. "Wer dieses Angebot nicht annimmt, muss schlussendlich mit denselben Konsequenzen rechnen, wie jeder andere Leistungsempfänger in Deutschland auch - und das muss auch so sein."

Quelle: NGZ
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