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Grevenbroich
Kanu-Weltmeister mit Herz fürs Helfen

Grevenbroich: Kanu-Weltmeister mit Herz fürs Helfen
Das Deutsche Rote Kreuz ist für Walter Gehlen eine Herzensangelegenheit und so etwas wie eine zweite Heimat. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Drei Dinge liebt Walter Gehlen: Seine Frau Irmgard, sportliches Paddeln im Kanu und das Deutsche Rote Kreuz. Dort ist er seit 60 Jahren ehrenamtlich tätig, hat Freundschaften fürs Leben geknüpft und sich immer wieder eingebracht. Von Valeska von Dolega

Rummel um seine Person liebt Walter Gehlen gar nicht. "Für mich ist das ganz selbstverständlich", winkt der 76-Jährige Gratulationen zu einem besonderen Annlass ab. Im 61. Jahr ist er nun Mitglied beim Roten Kreuz. "Das lag bei uns in der Familie", erinnert sich der Wevelinghover.

Schwester und Bruder seien dort bereits gewesen, also ging er mal mit. Zunächst zum Ortsverein in Grevenbroich, wo er seine Ausbildung zum Erste-Hilfe-Retter absolvierte. Dann entdeckte er die Ortsgruppe Wevelinghoven quasi vor seiner Haustür. "Dort war eine ganz besondere Kameradschaft, da war ich sofort zu Hause." Er kam, blieb - und "ohne ihn wäre manches nicht möglich gewesen", bilanziert Heinz Werres, Bereitschaftsleiter in Wevelinghoven. "Ein ganz besonderer Mensch", lobt er den verdienten Freund. "Natürlich war ich Blutspender", verweist Gehlen auf eine "Selbstverständlichkeit" hin - für ihn. "Ein kleiner Pieks, immer alle Blutwerte im Blick", nur jetzt dürfe er nicht mehr spenden - "das Alter".

Auf der Straße mussten Spenden gesammelt werden? Walter Gehlen war dabei. Wann und wo auch immer Hilfe benötigt wurde, der gelernte Schmied, der bis zu seiner Pensionierung als Maschinenschlosser und Werkzeugmacher berufstätig war, war zur Stelle. "Ich habe zwei linke Hände", witzelt er über seine Fähigkeiten als "hervorragender Handwerker", wie Heinz Werres lobt. Als die DRKler ihr Domizil an der Poststraße bezogen, war es nicht viel mehr als eine vormalige Umkleidekabine mit Toilette, wie sich die beiden erinnern. 1312 Stunden werkelte, friemelte und schraubte er für den Um- und Ausbau. "Jeder von uns tat, was er konnte. Aber keiner machte so viel wie er", resümiert der DRK-Bereitschaftsleiter die "Aktivitäten draußen, drinnen und drumherum" - von der niedergerissenen Mauer bis zur neu gesetzten Wand, "So mussten wir nicht so viel finanzieren", ergänzt Walter Gehlen mit Blick auf die Kasse der Ortsgruppe.

Das DRK ist Walter Gehlens ein und alles, bei dem er den Löwenanteil seiner Zeit verbrachte, "Freundschaften fürs Leben" knüpfte und natürlich "eines schönen Tages" - es war im Jahr 1971 - eine gewisse Irmgard kennenlernte. 1973 folgte die Hochzeit, selbstverständlich ist auch sie noch immer der Ortsgruppe verbunden.

Aber nicht die Liebe zu seiner Frau, sondern zum Sport war es, die Walter Gehlen temporär noch intensiver beschäftigte. "Ja, ich bin Kanu gefahren", umschreibt er vier Weltmeisterschaften in den Jahren 1967, 1969, 1971 und 1973. Außerdem war er zigmal deutscher Meister. "Europaweit waren wir auf dem Wasser, in Österreich, der Schweiz und im Iran. Nur nie in England."

Trotz seiner bald 76 Jahre, im Mai feiert er Geburtstag, lässt Gehlen es nicht wirklich ruhiger angehen. Wenn Ende Mai wieder die Reise in die Partnerstadt Celje in Slowenien ansteht, fährt er mit. "Dort war ich mit den Hilfstransporten, habe viel Not und Leid gesehen, vor allem aber freundliche Menschen erlebt", auch dorthin pflegt Walter Gehlen freundschaftliche Bande.

"Das ist es, was diesen Verbund auszeichnet", wiederholt er. "Die Kameradschaft. Wo die nicht ist, ist der Hund begraben."

Quelle: NGZ
 
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