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Grevenbroich
Kapellener Bahnhof steht zum Verkauf

Grevenbroich: Kapellener Bahnhof steht zum Verkauf
Der alte Bahnhof damals und heute. Das Bild oben stammt aus der Zeit um 1900. Saniert wurde das Gebäude zuletzt im Jahr 2009. FOTO: L.Berns/ Stadtarchiv
Grevenbroich. Am Bahnhof in Kapellen kam Kaiser Wilhelm I. einst an, als er zum Manöver in Wevelinghoven anreiste. Jetzt wird der Bahnhof verkauft. Von Carolin Skiba

Viele Bürger passieren das große weiße Gebäude jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit. Markant steht der alte Bahnhof in Kapellen da, rechts und links vom Hauptgebäude befinden sich zwei Gastronomie-Betriebe. Jetzt soll der alte Bahnhof verkauft werden. "Wir möchten uns wegen einer Vermögensumschichtung vom Bahnhof trennen", sagt der derzeitige Eigentümer Wolfgang Wiesner.

Als wäre es etwas völlig alltägliches, ein solches Gebäude zu kaufen, steht in der Anzeige des beauftragten Immobilienmaklers: "Kaufen Sie doch einen Bahnhof". Dabei handelt es sich bei dem alten Bahnhof um einen geschichtsträchtigen Ort. Erbaut wurde das Gebäude im Jahr 1870. Ein Jahr zuvor, am 1. September 1869, erfolgte die erste Zug-Fahrt von der Station, die damals noch "Capellen-Wevelinghoven" hieß. Thomas Wolff, Leiter des Grevenbroicher Stadtarchivs erzählt: "Erst am 1. Juni 1910 wurde das C von der Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung durch ein K ersetzt."

Die Vorplanungen für den Kapellener Bahnhof reichen laut Wolff bis ins Jahr 1866 zurück. In diesem Jahr richtete die Stadtvertretung Wevelinghoven an die Rheinische Eisenbahngesellschaft eine Petition, bei Kapellen eine Station zu errichten. So steht es in dem Buch "Die eiserne Bahn" von Heimatforscher Dieter Schlangen, der sich mit der Entwicklung entlang der Eisenbahnstrecke Düren-Neuss befasst hat. Dem Buch ist auch zu entnehmen, dass sich die Gemeinden Hemmerden, Kapellen und Wevelinghoven mit "insgesamt 14 900 Thalern" an den Kosten beteiligt haben.

Der alte Bahnhof damals und heute. Das Bild oben stammt aus der Zeit um 1900. Saniert wurde das Gebäude zuletzt im Jahr 2009. FOTO: L.Berns/ Stadtarchiv

Die Stadtgemeinde Wevelinghoven stellte 15 Morgen Land zur Verfügung. "Damals war der Bahnhof zunächst eingleisig", erzählt Wolff. 1880 wurde die Anlage in Kapellen um einen Güterschuppen und eine Lagerung für Eilgut erweitert. Nebengleise wurden verlegt und die Ladestraße gegenüber entstand. Nur 14 Jahre nachdem auch das Bahnhofsgebäude errichtet wurde - am 19. September 1884 - reiste Kaiser Wilhelm I. dort mit seiner Ehefrau Augusta und Kronprinz Friedrich Wilhelm an. Tausende Schaulustige erwarteten ihn am Kapellener Bahnhof.

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In den Jahren nach dem Besuch des Kaisers verlor die Strecke nicht an Bedeutung. Wolff: "Im Jahr 1907/08 kamen 547 Stück Großvieh am Kapellener Bahnhof an, 786 Ochsen, Pferde, Kühe und weiteres Vieh verließen den Bahnhof." In Kriegszeiten erhielt der Bahnhof eine Kriegsverpflegungsstation, die während des Ersten Weltkriegs stark genutzt wurde, wie Schlangens Recherchen besagen.

Viel davon ist in Vergessenheit geraten, die beiden Nebengebäude wurden zu Restaurants umgebaut, im Haupthaus befindet sich eine Pächterwohnung mit vier Zimmern und zwei Bädern. Darin wohnen oder die 373 Quadratmeter große Immobilie selbst nutzen, kann der neue Eigentümer allerdings nicht. Die bestehenden Mietverträge sollen laut Eigentümer Wiesner erhalten bleiben, die Wohnung hat der Pächter der Trattoria bezogen.

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Wer trotzdem Interesse an der Immobilie mit all ihren Geschichten hat, der sollte über 398 000 Euro verfügen. Denn so viel soll das alte Bahnhofsgebäude kosten.

Quelle: NGZ
 
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