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Grevenbroich
Kein Anschluss auf der Mitfahrerbank

Grevenbroich: Kein Anschluss auf der Mitfahrerbank
Wie bestellt und nicht abgeholt bleibt die Testperson sitzen. Fazit des Bankdrückens: ein überaus bequemes Möbel. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Um Gubisrath, das Dorft im Nordosten der Stadt, besser anzubinden, wurde dort Grevenbroichs erste Mitfahrerbank platziert. Wie gut die moderne Interpretation des Trampens funktioniert, zeigt der Test. Von Valeska von Dolega

Salopp gesprochen sind Mitfahrbänke so etwas wie die neue Variante des alten Trampens: Statt mit erhobenem Daumen am Straßenrand zu stehen, kann dort, bequem auf das Möbel platziert, auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet werden. Ende Januar wurde der bundesweit zu verzeichnende Trend einer speziell gekennzeichneten Sitzbank im äußersten Nordosten der Stadt realisiert. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die mit der Zeit angenommen wird", sagte Bürgermeister Klaus Krützen bei der Übergabe. Ob die Zeit reif ist, soll der Selbstversuch zeigen.

12 Uhr Kinderleicht auffindbar, nehme ich im Herzen des Dorfes auf der Mitfahrerbank Platz. Im Wind klappern die Schilder, auf denen Ziele notiert sind. "Neuss Busbahnhof" und "Kapellen Bahnhof" bleiben unbeachtet, anstelle dessen wird "Grevenbroich Markt" ausgewählt.

12.05 Uhr Ein Radfahrer kommt des Weges. Wenige Minuten später folgt ein Zweiter auf seiner Rennmaschine. Die Vögel zwitschern, der Wind weht, nichts passiert. Gubisrath ist ein 140-Seelen-Dorf, das aus 26 Häusern, einem Briefkasten und einer Straße besteht. Im Vorgarten eines Grundstücks weht eine schwarz-rot-goldene Flagge, in der Einfahrt eines anden Hauses bewegt sich die Raute von Borussia Mönchengladbach im Wind. Dass die Uhr hier langsamer tickt, zeigt der Blick aufs Schwarze Brett: Im Glaskasten wird der Adventsbasar beworben und das Programm zu St. Martin vorgestellt.

12.20 Uhr Im gleichen Abstand wie zuvor kommen wieder die beiden Radler vorbei. "Wenn Sie hier gleich noch sitzen, komm ich mit einem Anhänger vorbei und pack Sie ein", witzelt einer. Eine Fahrschullehrerin saust vorbei und stoppt vor ihrer Hauseinfahrt. "Warten Sie schon lange?", fragt ein Nachbar.

"Fakt ist: alle, die hier leben, haben ein Auto", berichtet er. Er und seine Brüder kümmern sich zusammen mit den Ehefrauen darum, dass beispielsweise der "betagte Vater" von A nach B chauffiert werde. "Das regelt jeder in der Familie oder im Freundeskreis. Ich weiß nicht, ob schon jemand von der Mitfahrerbank mitgenommen wurde." Nicht überall lassen sich die Menschen auf die alternativen Haltestellen ein. Eine Lösung der Mobilitätsprobleme im Ländlichen sind sie nicht.

12.45 Uhr "Die Bank ist eine Lachnummer", erzählt ein Spaziergänger mit Hund. "Ich möchte nicht wissen, was die gekostet hat." Allerdings hat sie den Bekanntheitsgrad gesteigert und eine "gewisse Popularität gebracht": Gubisrath und seine Bank waren plötzlich in aller Munde. Aber: "Die Frequenz ist hier eher schwach", beschreibt der Hundehalter die Situation in Sachen Pendler. Richtung Grevenbroich würden "morgens einige fahren, weil sie dort arbeiten". Ebenso führt der Weg vieler nach Neuss - zum Einkaufen. "Aber Kapellen? Was soll man da?", beurteilt er Sinn und Unsinn der drei Zielschilder an der Bank. Sein Tipp: 600 Meter Richtung B 477 laufen, von dort pendle ein Bus nach Neuss. Oder den halben Kilometer bis Neukirchen zu absolvieren, dort fährt ein Bus Richtung Grevenbroich ab.

13.07 Uhr Beim Laufen nach Neukirchen wird mir wieder schön warm. Im Bus sitzt's sich gemütlich.

Quelle: NGZ
 
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