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Grevenbroich
Kindheitserinnerung war 54 Jahre verschollen

Grevenbroich: Kindheitserinnerung war 54 Jahre verschollen
Hans-Jürgen Larisch mit dem Sammelalbum, das nun bei der Auflösung der oberschlesischen Heimatstube nach 54 Jahren wieder aufgetaucht ist. FOTO: Berns
Grevenbroich. Schon als Kind sammelte Hans-Jürgen Larisch leidenschaftlich. Eines seiner Sammelalben mit Postkarten ist nun plötzlich wieder aufgetaucht. Von Valeska von Dolega

Als kleiner Junge gehörte das Gebiet, in dem sich damals ein Regenrückhaltebecken, eine Anhöhe sowie die Unterkünfte der so genannten Spätaussiedler befanden, zu seinen bevorzugten Abenteuerplätzen. Und bei einer seiner Exkursionen fand der damals 12-Jährige einen Karton, prall gefüllt mit Ansichtskarten mit oberschlesischen Motiven. "So begann meine Sammelleidenschaft", erinnert sich der heute 67-Jährige Hans-Jürgen Larisch.

"Meine Mutter trieb das in den Wahnsinn", denn außer den hübschen Karten begann er bald auch alles andere, was nicht niet- und nagelfest war, zu Hause zu horten. Mit den Ansichtskarten aber hatte es eine ganz besondere Bewandtnis. Denn nicht nur Larischs Mutter stammt aus Gleiwitz, auch der Papa kam aus der Ecke. Und weil an der katholischen Volksschule sein damaliger Lehrer Wenzel ebenfalls aus Oberschlesien stammte, war Larisch einen Teil seiner Sammlung bald quitt. "Für eine Ausstellung suchte ich die schönsten Motive aus", etwa 200 Exemplare sortierte er dafür akribisch in ein entsprechendes Album ein. 1963 stellte ich es zur Verfügung und sah es dann nie wieder."

Wohin das gute Stück verschewunden war, und warum es nie wieder auftauchte, blieb unklar. Im vergangenen Monat rief plötzlich Stadtarchivar Thomas Wolff bei Larisch an, mit dem er schon so manche Ausstellung fürs Museum konzipiert hatte. Zuletzt gab es "hohe gebäude", Kirchtürme inklusive, zu sehen. Auch verschiedene Bücher hat das Team Wolff-Larisch schon gemeinsam gestaltet.

Er habe also die Gruppe 2 an der katholoschen Volksschule besucht, begrüßte Thomas Wolff ihn fernmündlich. Woher er das wisse, wollte Larisch wissen. "Weil ich hier ein altes Album von dir in der Hand halte." Mit Auflösung der oberschlesischen Heimatstube tauchte auch das lang verschollene Erinnerungsbuch wieder auf.

"Eine schöne Gegend, nach wie vor", schwärmt der Pensionär. Aber auf den alten Meriten will er sich nicht ausruhen. Auch wenn er es in Sachen Sammelei "längst ruhiger" angehen lässt, mag er die sorgfältige Beschäftigung noch immer. Derzeit widmet er sich mit Hingabe der Geschichte der Kaffeehäuser in der Stadt. Da gab es das Café Zinsen am Bahnhof, das Helferstein sowie das "Café Schlömer" an der Kölner Straße. Ganz besonders fasziniert ist er vom "Café Esser" in Wevelinghoven. Ansichten von Backstuben oder ungewöhnliche Blicke durch Fenster in Hinterhöfe gehören hier zu den Objekten. "Es ist wunderbar, solche Dinge dann für unser Archiv nutzen zu können oder im Museum auszustellen", sagt Archivar Wolff. Der stadthistorische Ansatz fußt natürlich auch auf solchen Details. "Schließlich fragen wir uns alle, woher wir kommen." Und wer hier lebt, erfahre immer gerne anhand historischer Dokumente, wie sich welche Ecken verändert haben.

Oder welche Ansichtskarten früher Städte repräsentierten. Hans-Jürgen Larischs Album jedenfalls wird nun sicher im Stadtarchiv aufbewahrt.

Quelle: NGZ
 
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