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Grevenbroich
Mit dem Rad zur "Golden Gate"

Klaus Lüttgen
Klaus Lüttgen (57) an der Golden-Gate-Bridge. FOTO: Privat
Grevenbroich. Klaus Lüttgen (57) ist fünfeinhalb Wochen lang die US-Westküste entlang geradelt. Die Fahrt durch drei Bundesstaaten war die bisher härteste seines Lebens. Von Wiljo Piel

Als er in der Abenddämmerung die Golden-Gate-Bridge erreichte und sein Fahrrad am Aussichtspunkt abstellte, fiel Klaus Lüttgen ein Stein vom Herzen. Denn die Hängebrücke am Eingang zur Bucht von San Francisco sah genau so aus, wie er sie sich schon als Kind vorgestellt hatte. "Ein wahnsinniger Anblick - einfach nur geil", schwärmt der 57-Jährige. Für den Grevenbroicher war damit ein alter Traum in Erfüllung gegangen.

Bevor er sein Ziel erreichte, hat Klaus Lüttgen aber tüchtig Schweiß lassen müssen. Denn die 2100 Kilometer, die er von British Columbia bis Kalifornien mit seinem alten Fahrrad zurücklegte, waren die härtesten seines Lebens. "Dagegen waren die 7000 Kilometer, die ich von Kanada nach Alaska gestrampelt bin, schon fast ein Klacks", sagt der Grevenbroicher mit kölschen Wurzeln: "Denn entlang der US-Westküste ging es immer nur ,erop und eraf'." In den fünfeinhalb Wochen, die er unterwegs war, hat er insgesamt gut 20.000 Höhenmeter zurückgelegt - und das bei Temperaturen von teilweise 40 Grad.

"Medals for the coast" hat Klaus Lüttgen sein Tour-Projekt genannt. Er hat einen Sack Karnevalsorden, die er von seinem Vater geerbt hat, mitgenommen, um sie an nette Leute zu verschenken, die ihm auf seiner fünfeinhalbwöchigen Tour durch drei US-Staaten begegneten. Ob es die Frau aus der Bäckerei, der Mann vom Zeltplatz oder der Barkeeper von der Fisherman's Wharf war - sie alle bekamen ein Stück Rheinland umgehängt. Und natürlich auch die vielen Radfahrer, die Klaus Lüttgen auf seiner Reise begegneten. "Die meisten von ihnen haben mich überholt, weil ich mit 48 Kilogramm Gepäck auf einem Hänger unterwegs war", sagt der 57-Jährige: "Doch abends haben wir uns wieder auf den Hiker-Biker-Plätzen getroffen, um unsere Erfahrungen auszutauschen." Er hat nette Bekanntschaften gemacht - mit Radlern aus Vietnam, Neuseeland, Australien und Kanada - und ihnen Orden mit auf den Weg gegeben.

Immer der Küste entlang, das war nicht ungefährlich. "Radwege sucht man in den USA vergebens", sagt Lüttgen. Meistens war er auf vielbefahrenen Highways unterwegs, immer auf der Hut vor Truckern, die ihm oftmals gefährlich nahe kamen. Doch das Schöne überwiegt: Auf seinem alten Mountainbike hat er viel gesehen - den Rialto-Beach an der felsigen Küste von Washington, die Stadt Forks, die durch die "Twilight"-Vampirfilme berühmt wurde, oder den Hoh-Regenwald mit seinen riesigen Bäumen. "San Francisco war aber der absolute Höhepunkt. Das war die schönste Stadt, die ich bis heute gesehen habe", schwärmt der Grevenbroicher. Auf seinem Rad hat er "Frisco" auf eigene Faust erkundet - immer begleitet vom Großstadtlärm und unzähligen Autos. "Aber das war der Hammer", schildert Lüttgen begeister.

Auf seiner Internetseite (www.rocktheroads.de) wird Klaus Lüttgen in Kürze seine Eindrücke schildern und viele Bilder seiner Reise zeigen. Schon jetzt hat er Pläne für die nächste Tour: "Mal entlang der Ostküste der USA entlangradeln - das würde mich reizen."

Quelle: NGZ
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