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Grevenbroich
Kleine Schätze hinter verschlossener Tür

Grevenbroich: Kleine Schätze hinter verschlossener Tür
Steven Mähler von der Stadtverwaltung neben einer alten Zellentür, die Bestandteil des (abgerissenen) Gefängnisses an der Montanusstraße war. Rechts daneben: Ein Kinokarten-Automat aus dem alten "Corso". FOTO: W. Piel
Grevenbroich. Im Depot des Niederrhein-Museums werden kleine und große "Histörchen" aus der Stadt- und Regionalgeschichte gehortet. Was dort alles steht und liegt, erfasst Stadtarchivar Thomas Wolff jetzt in einem Sammlungskonzept. Von Wiljo Piel

Die Dauerausstellung ist eine Seite des Grevenbroicher Museums. Das Depot die andere. In den Kellerräumen der Villa Erckens lagern eine Menge kleiner und großer Schätze, die der Präsentation in den Räumen des historischen Hauses im Stadtpark harren. "Darunter sind viele Dinge, die bisher noch nie öffentlich gezeigt wurden", sagt Stadtarchivar Thomas Wolff. Um einen Überblick auf die mehreren hundert Exponate zu bekommen, beginnt er nun mit der Arbeit für ein Sammlungskonzept. Jedes Teil wird detailliert beschrieben und katalogisiert. "Damit wird die Grundlage für weitere Dokumentationen in unserem Museum geschaffen", sagt Wolff.

Ein Blick hinter die üblicherweise verschlossenen Türen des Museums-Depots ist spannend - zumal auch etliche skurrile Dinge in den Räumen gelagert werden. Da steht zum Beispiel eine schwere, eisenbeschlagene Holztür. "Sie gehörte zur Zelle Nummer 5 des alten Grevenbroicher Gefängnisses, das vor einigen Jahren an der Montanusstraße abgerissen wurde", berichtet Thomas Wolff. Gleich nebenan ist ein Kasten für Kino-Karten zu finden, der in den 50er Jahren zum Inventar des alten Corso an der Bahnstraße gehörte. "Das alles ist ein bisschen Stadtgeschichte", meint Wolff.

Dazu zählt er auch das in zwei großen Koffern untergebrachte Modell eines Braunkohlebaggers, der aus der Konstruktionsabteilung der früheren Maschinenfabrik Buckau-Wolf stammt. "Er ist voll funktionstüchtig - und damit ein hervorragendes Ausstellungsstück", sagt der Stadtarchivar. Wo die elektrisch betriebene Rarität aufgestellt werden kann, ist aber noch unklar. "Wir werden uns mit dem Museums-Macher Ulrich Hermanns einmal Gedanken darüber machen, wo der Absetzer am besten in die Dauerausstellung integriert werden kann", sagt Thomas Wolff. Vorübergehend wird ein anderes Modell in der aktuellen Ausstellung "Stadt und Straße" gezeigt: das Seecontainer-Fahrzeug "Amphitruck", das Buckau in den 1980er Jahren neue Geschäftsfelder eröffnen sollte.

Auch historische Spiele gehören zum Bestand des Museums der niederrheinischen Seele. Norbert Schmitz vom Stadtarchiv mit dem "Amphitruck" - ein Modell aus der Konstruktionswerkstatt von Buckau-Wolf. Auch historische Spiele gehören zum Bestand des Museums der niederrheinischen Seele. Norbert Schmitz vom Stadtarchiv mit dem "Amphitruck" - ein Modell aus der Konstruktionswerkstatt von Buckau-Wolf. FOTO: Piel

"Ein Großteil des Depotbestandes wurde uns von Grevenbroichern als Schenkung oder Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt", sagt Thomas Wolff. Zum Beispiel das Schild der alten Gaststätte Brendgen, die sich einst auf der Breite Straße befand, oder ein Sessel, auf dem einmal der Komponist Johannes Brahms Platz genommen haben soll. Ein altes Radio aus den 1950er Jahren findet sich in den Kellerräumen ebenso wie ein Brandy und ein Pfefferminzschnaps der Grevenbroicher Firma Kreutzberg - und auch eine hölzerne Bierkiste mitsamt Bügelflaschen ist zum Museumsgut geworden. Interessant ist auch eine alte Schul-Karte, die einen Überblick auf die Stadt in den 1970er Jahren gab - als Elfgen noch nicht umgesiedelt war, der Elsbach anders als heute verlief und der Bau der Autobahn 46 noch Zukunftsmusik war.

Das alles wird sich einmal im Sammlungskonzept wiederfinden, das Thomas Wolff in den nächsten Monaten erstellen möchte. "Eine solche Übersicht ist wichtig, um künftige, themenbezogene Ausstellungen besser, das heißt zielgerichteter und erlebbarer bestücken zu können", nennt er einen Vorteil. Ein anderer: Museen in der Umgebung könnten mit Hilfe dieses Konzepts auf Sammlungsstücke aus Grevenbroich leihweise zurückgreifen.

Hochprozentiges Museumsgut: in Grevenbroich gebrannte Schnäpse. FOTO: Piel

Das Museum der niederrheinischen Seele bleibt auch weiterhin Anlaufstelle für all diejenigen, die Historisches zu Hause und keine Verwendung mehr dafür haben. "Wir schauen uns die Exponate vor Ort an, und entscheiden dann, ob wir sie in unsere Sammlung aufnehmen werden", sagt Thomas Wolff. Dabei sind auch kleine Gegenstände durchaus willkommen - und davon gibt es schon eine ganze Menge im Museumsdepot. Angefangen bei Spielesammlungen aus den 40er Jahren bis hin zum Aschenbecher, der in den 50ern im Besitz der "Großtankstelle Elsen" war. Und selbst alte Kinokarten werden gerne genommen. "Das alles ist Geschichte", sagt Thomas Wolff.

Quelle: NGZ
 
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