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Jürgen Becker
"Köln ist wie Lothar Matthäus als Stadt"

Jürgen Becker: "Köln ist wie Lothar Matthäus als Stadt"
Jürgen Becker, Kabarettist und Moderator der "Mitternachtsspitzen" gastiert am 18. November im Rahmen der Reihe "Kultur extra" im Grevenbroicher Pascal-Gymnasium. Er präsentiert sein Programm "Volksbegehren". FOTO: Simin Kianmehr
Grevenbroich. Der Moderator der "Mitternachtsspitzen" kommt am 18. November mit seinem Programm "Volksbegehren - Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung" nach Grevenbroich. Warum sich der Blick durchs Schlüsselloch lohnt.

Bislang galt wohl in der Politik das Motto "Et hätt noch immer jot jejange". Herr Becker, Warum jetzt ein Volksbegehren?

Jürgen Becker Weil das Volk begehrt, wird Sex im Wahlkampf immer wichtiger. Zuletzt plakatierte die AfD ernsthaft: "Neue Deutsche? Machen wir selber!" Das ist kein Wahlversprechen, sondern eine Drohung! Wie viele Frauen haben nun Angst, wenn es klingelt, steht Alexander Gauland mit heruntergelassener Hose vor der Tür und sagt: "Ich wär dann mal so weit!" Will man das?

Für wen oder was würden Sie ein Volksbegehren initiieren?

Becker Für die Freude an der Unterschiedlichkeit. Denn die Welt teilt sich heute nicht mehr in Rechts oder Links, sondern in zwei neue Lager: Der eine Teil träumt den Liberalen Traum, der andere den autoritären Traum. Der autoritäre Traum verbindet Trump, Putin, Erdogan, Orban, die FPÖ und den Front National in Frankreich. Und auch Pegida und AfD haben mit den Islamisten und Kämpfern des IS viel, viel mehr gemein, als ihnen lieb sein kann. Sie alle erliegen dem autoritären Traum, wollen starke Führer und einfache Antworten, zu denen die kompromissbereite und langsame Demokratie in ihren Augen nicht fähig ist.

Was für Schnittchen (zum Lachen) nebst Bier (Alt oder Kölsch?) servieren Sie im aktuellen Programm?

Becker Freibier gibt es natürlich hinterher, und wenn man es frisch gezapft trinkt, wird es auch kein Alt. Servieren möchte ich alles, was das "Begehren" mit der aktuellen Situation zu tun hat, auch die Diskussion um die sexuelle Belästigung. Bereits seit Sylvester 2015/16 steht ja Köln weltweit für zwei Begriffe: Inkompetenz und sexuelle Übergriffe. Köln ist so was wie Lothar Matthäus als Stadt.

Was sind Ihre Themen in ihrem Programm, was brennt Ihnen aktuell am meisten unter den Fingern? Und warum lohnt der Blick durchs Schlüsselloch?

Becker Die Frage: Was lehrt uns die Erotik über uns selbst? Woher kommt die Angst vor dem Fremden? Warum aber fasziniert das Fremde auch? Und warum der Staat keine Tierart ist, die sich nur untereinander fortpflanzen kann, sondern eine Rechte-Gemeinschaft von Menschen, die sich zu seinen Werten bekennen und dann auch mal eine gemeinsame Sprache sprechen.

Was hilft in der Krise?

Becker Sich selber nicht zu ernst zu nehmen. Ich nehme am liebsten alles Ernste mit Humor und den Humor ernst. Dann kommt man am besten zurecht.

Was wäre das Leben ohne Humor?

Becker Lieblos. Ein Witz ist immer umgekehrte Zuwendung.

Über was können Sie lachen, worüber lachen Sie am liebsten?

Becker Ich liebe es, wenn Humor die Anspannung löst. Auch bei sehr sensiblen Themen wie Sexualität oder Attraktivität. Wenn die Frau zum Beispiel sagt: "Findest du mich in dem Kleid zu dick?" und man beruhigt: "Schatz, mach dir keine Sorgen. Das liegt nicht an dem Kleid!". So möchte ich in das ganze Thema im Pascal-Gymnasium als nie versiegenden Quell der Erheiterung betrachten.

Und zum Schluss noch was Lokales: Mit der Stadt Grevenbroich verbinden Sie was?

Becker Eine Freundin von mir ist dort aufgewachsen und berichtet mir leidenschaftlich von einer glücklichen, katholischen Kindheit. Ich selber komme immer wieder gerne nach Grevenbroich, denn ich bin da immer gut behandelt worden.

VALESKA VON DOLEGA STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: NGZ
 
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