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Grevenbroich
Kohleausstieg: Reaktion auf Merkel

Grevenbroich. RWE und Kreisdirektor bleiben gelassen, Rainer Thiel befürchtet Strukturbruch.

"Wir werden bis 2020 rund 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen als heute", sagt RWE-Power-Chef Johannes Lambertz. Er reagiert damit auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im ARD-Sommerinterview erklärte, Deutschland müsse die Braunkohleförderung aufgeben, um die CO2-Emissionen zu bekämpfen. Sie hatte aber kein Datum für den Ausstieg genannt.

Zunächst müsse der Strukturwandel mit Schaffung alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten in den bisherigen Tagebauregionen ins Auge gefasst werden, forderte Merkel. Lambertz, auch verantwortlich für den regionalen Tagebau Garzweiler und die Kohlekraftwerke in Frimmersdorf, sagt: "Bis Anfang der 2030er Jahre werden es 40 bis 50 Prozent weniger CO2 sein. Eine weitere CO2-Minderung kommt nach 2030 bis zum Auslaufen der Tagebaue Hambach und Garzweiler etwa Mitte des Jahrhunderts. Das steht im Einklang mit den nationalen und europäischen Klimazielen.

Es gibt laut RWE-Power-Chef "wohl keinen anderen Sektor, der so viel und so klar programmiert CO2 einspart. Er fügt hinzu: "Gut, dass die Politik die Herausforderungen, die damit verbunden sind, ernst nimmt. Denn für die Fortsetzung des Strukturwandels in den Regionen wird weiter die Unterstützung durch die Politik erforderlich sein." Auf Bundesebene gehe es nicht um das "Ob" einer geringer werdenden Stromerzeugung aus Braunkohle, sondern um die Frage, "Wie" Regionen mit dieser Entwicklung umgehen, meint Johannes Lambertz.

Kreisdirektor Dirk Brügge, der das TV-Interview mit der Kanzlerin mitverfolgt hatte, hörte am Sonntag in der ARD nichts Neues: "Ich halte das von der Bundeskanzlerin vorgeschlagene Vorgehen für sehr vernünftig. Es ist aber nichts anderes, als das, was Kanzleramtsminister Peter Altmeier bereits am Freitag auch in Gnadental gesagt hat", erinnert Brügge und betont:. "Die Auffassung des Kreises ist deckungsgleich mit der Bundesregierung. Wir müssen Beides tun, den Klimawandel vorantreiben, aber den Strukturwandel dabei nicht vernachlässigen, um keinen Strukturbruch zu bekommen. Wir müssen die Energiesicherheit und die Arbeitsplätze im Blick behalten", sagt Brügge.

"Wer jetzt wie Frau Merkel über einen Braunkohleausstieg redet, der redet angesichts der massiven Vorleistungen, die im Revier erbracht wurden, einen Strukturbruch herbei", erklärt der frühere Landtagsabgeordnete Rainer Thiel (SPD). "Es gibt keinen Sektor, der soviel für die CO2-Verringerung tut, im Auto- und Mobilitätssektor tut sich faktisch nichts." Die Vereinbarungen für das Revier "müssen endlich eingehalten werden - und es darf nicht nach Gemüts- und Wetterlage eine neue Sau durchs Dorf gejagt werden."

(gt/cso-)
 
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