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Grevenbroich
Kommen Wölfe zurück nach Grevenbroich?

Grevenbroich: Kommen Wölfe zurück nach Grevenbroich?
Der Wolf sieht einem Schäferhund zum Verwechseln ähnlich. Ein Rüde kann ein Gewicht bis zu 50 Kilogramm erreichen. FOTO: Julian Stratenschulte/dpa
Grevenbroich. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald beschäftigt sich mit der Frage, ob der Wolf ins Heimatgebiet zurückkehren könnte.

Dass sich Wölfe in der Vorzeit in den Grevenbroicher Wäldern herumgetrieben haben, ist nicht überliefert. Wohl aber waren sie ganz in der Nähe - nämlich in Liedberg. Dort wurde noch im Jahr 1841 ein Team von zwölf Männern eigens für die Wolfsjagd zusammengestellt. Darüber berichtete Jakob Bremer in einem 1930 herausgegebenen Buch. "Vom größeren Raubwild war der Wolf am längsten der Schrecken der heimischen Wälder", schrieb der Heimathistoriker seinerzeit. Und Bremer wusste: 1549 gab es für jeden Wolf, der im Büttgener Wald erlegt wurde, eine Kopfprämie von zwölf Groschen. Und 1613 hoben die Korschenbroicher im Hoppbroch noch fleißig tiefe Gruben aus, um darin Meister Isegrim zu fangen. "Wie viele Tiere ihnen damals in die Fänge gerieten, ist leider nicht überliefertt", sagt der Grevenbroicher Heimatforscher und Buchautor Manfred Ganschinietz.

Etwa anderthalb Jahrhunderte "verschwunden", ist der Wolf seit 17 Jahren in Deutschland wieder auf dem Vormarsch - und er kommt immer näher. Ist mit ihm auch im Heimatgebiet zu rechnen, vielleicht sogar in Grevenbroich? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Vortrag, der in der nächsten Woche (siehe Kasten) von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald angeboten wird. Deren Mitglied Renate Steiner - seit 1990 nebenberufliche Zoobegleiterin in Köln - hat sich intensiv mit Wölfen beschäftigt und wird im Auerbachhaus über deren Rückkehr berichten. 2016 wurden in Ostdeutschland und in Niedersachsen schon 46 Rudel, 15 Wolfspaare und vier Einzeltiere gezählt. Und in diesem Jahr wurde der erste Wolf in NRW gesichtet - im rechtsrheinisch liegenden Rösrath.

Dass mit ihm alsbald auch in hiesigen Gefilden zu rechnen ist, würde der städtische Umweltbeauftragte Norbert Wolf zwar begrüßen ("Die Raubtierfauna gehört in die heimische Natur"), doch daran glauben mag er nicht. "Ich denke, dass sich diese Tiere erst einmal in den weniger dicht besiedelten Gebieten ausbreiten werden, bevor sie zu uns kommen." Davon geht auch Peter Kallen aus. "Der Rhein-Kreis ist waldarm - er bietet keine günstigen Voraussetzungen für den Wolf, der die Deckung liebt", sagt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft.

Wohl aber geht Peter Kallen davon aus, dass Wölfe den "Sprung" über den Rhein schaffen werden. "Zum einen sind sie gute Schwimmer, zum anderen könnten sie nachts - wenn nicht allzu viel Verkehr herrscht - die Brücken über den Strom nutzen", sagt der Jäger. Auf der hiesigen Seite des Rheins angekommen, würden sich Wölfe seiner Einschätzung nach erst einmal in siedlungsarme Gegenden begeben. "Ich glaube daher nicht, dass sich der Wolf im Rhein-Kreis Neuss festsetzen wird - er wird eher in die Eifel wandern."

Von der Kreisjägerschaft wird die Wolfswanderung nicht beobachtet. Wohl aber von den Mitarbeitern des Landesjagdverbandes, die sich speziell mit der Entwicklung des Wolfsbestandes befassen. Die Kreisjägerschaft konzentriert sich derzeit viel mehr auf das immer stärker vorrückende Wildschwein, dessen Population in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen habe und sich mittlerweile auch schon nahe der Siedlungsgebiete aufhalte. Vor allem Landwirte beklagen das hohe Wildschwein-Aufkommen, da die Tiere große Schäden auf deren Äckern anrichten. Wiljo Piel

Quelle: NGZ
 
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