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Grevenbroich
Krautrock-Legende mit einzigartiger Spieltechnik im Museum

Grevenbroich: Krautrock-Legende mit einzigartiger Spieltechnik im Museum
Früher spielte Dieter Bornschlegel bei "Guru Guru", jetzt kam er mit seiner horizontalen Gitarre solo nach Grevenbroich. FOTO: GEORG Salzburg
Grevenbroich. "Psychedelic Freestyle Guitar" nennt Dieter Bornschlegel seine Performance und steht damit zu seiner musikalischen Erst-Karriere als experimenteller Krautrock-Gitarrist bei "Guru Guru" - aber auch zu seiner neuartigen musikalischen Selbstfindung, die vor nunmehr 15 Jahren begann. Jetzt kam Dieter Bornschlegel bei den neunten Grevenbroicher Gitarrenwochen in die Villa Erckens.

Es klingt wie elektronische Technomusik im Salon des Museums der Niederrheinischen Seele, was der Mittsechziger aus Marburg mit seiner akustischen Gitarre auf den Knien und einer pfeilschnellen Tapping-Technik hervorzaubert. Und es ist doch reine Handarbeit - ohne die heute gebräuchliche Loop-Station zu benutzen. Diesen beeindruckenden Stil erschuf der ungekrönte König der horizontalen Gitarre, als er sich entschloss, seine Bandmitgliedschaften an den Nagel zu hängen und fortan solistisch unterwegs zu sein.

Der Gitarrenkorpus dient dabei als Drumset mit Dub-Sound, das Griffbrett als Lap-Steel-Synthesizer. Atemberaubende Schnelligkeit, groovende Rhythmen, soulige Gesangs-Melodien sind die besonderen Zutaten seiner außergewöhnlichen Rezeptur. Seine Gastspiel-Reisen als Einzelkünstler schätzt er besonders wegen neuer Eindrücke, die ihn inspirieren. "Auf der Zugfahrt habe ich ein neues Lied im Fahrradabteil geschrieben", moderiert der Individualist eine Komposition an und nennt es folgerichtig "Zugfahrt nach Grevenbroich".

Das gefühlvolle Finger-Picking-Werk lässt die Zuhörer tatsächlich teilhaben an einem musikalischen Road-Movie. Weitab vom Mainstream zeigt sich insgesamt diese Show in der Villa Erckens, die die neunten Grevenbroicher Gitarrenwochen um einen weiteren Saiten-Künstler der Extraklasse bereichert. Bornschlegel bleibt bei aller Entrücktheit während des Spielens in seinen Ansagen sympathisch, mitteilsam und oft auch selbstironisch. Seinen "Kabelsalat" auf der Bühne, der ein halbes Dutzend Effektgeräte und Fußpedale ungeordnet miteinander verbindet, ergänzt er humoristisch mit Haribo-Lakritzschnecken. Über zwei Stunden füllte der Virtuose mit seinen akustischen Acid-House-Songs die hellhörige Stadtparkvilla und hinterließ ein staunendes Publikum.

Am kommenden Freitag, 20. Oktober, steht um 20 Uhr bereits der nächste Termin bei den Gitarrenwochen an - mit Manfred Leuchter und Ian Melrose.

Quelle: NGZ
 
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