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Grevenbroich
Kreis erarbeitet "Integrations-Fahrplan"

Grevenbroich: Kreis erarbeitet "Integrations-Fahrplan"
Ihr Ziel ist ein "fachübergreifendes Handlungsprogramm": Zur Erarbeitung des Integrationskonzeptes stand im Kreistagssaal auch eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Lokal- und Landespolitik sowie Wirtschaft auf dem Plan. FOTO: l. berns
Grevenbroich. Ein neues Konzept soll Hilfen für Flüchtlinge koordinieren und strukturieren. Aus vier Workshops sind jetzt konkret Ideen für Maßnahmen hervorgegangen. Flüchtlingen sollen etwa schnell Berufs-Perspektiven geboten werden. Von Christian Kandzorra

Die Flüchtlingswelle ist vorerst gestoppt - doch das Thema Integration ist damit längst noch nicht vom Tisch: Ein Großteil der Flüchtlinge, die im Rhein-Kreis Neuss leben, haben gute Aussichten, auch dortbleiben zu können. Die Integration in Gesellschaft, Arbeitswelt und Co. soll jetzt noch besser koordiniert und strukturiert werden. Das ist das Ziel, das der Rhein-Kreis mit seinem "Kommunalen Integrationskonzept" verfolgt. Gestern haben sich 120 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und anderen Institutionen im Kreistagssaal getroffen, um das Konzept voranzubringen - schließlich soll darauf die Integration der Flüchtlinge im Kreisgebiet basieren.

Neben einer Podiumsdiskussion mit der Integrationspolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Serap Güler, stand auch die Arbeit in vier Workshops auf dem Programm, deren Ergebnisse in den Ferien schriftlich erfasst und später vom Kreistag als Integrationskonzept verabschiedet werden sollen. "Natürlich gibt es im Kreis schon viele Hilfen für Flüchtlinge. Wir wollen genauer untersuchen, wo diese Hilfen bereits gut funktionieren und wo nachgesteuert werden muss", erklärte Kreisdirektor Dirk Brügge gestern Nachmittag.

In den Workshops, deren Grundlage vor wenigen Monaten gestartete Arbeitskreise waren, wurden bereits konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. Ein Beispiel: Damit die Neuankömmlinge einem geregelten Tagesablauf nachgehen können, sollen ihnen Ein-Euro-Jobs angeboten werden. "Praxis und Berufsorientierung sind zwei wichtige Bestandteile der Integration von Flüchtlingen in der Arbeitswelt. Daher ist es wichtig, dass etwa für Praktika Kontakte zwischen Flüchtlingen und Unternehmen hergestellt werden", sagte Kreis-Wirtschaftsförderer Benjamin Josephs. Daraus könnten zum Beispiel Ausbildungsverhältnisse hervorgehen.

Eine weitere Herausforderung: Es muss mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Dazu sagte Kreissozialamtsleiter Siegfried Henkel: "Der soziale Wohnungsbau stagniert seit Jahren. Daher ist es wichtig, dass etwa Genossenschaften die Initiative ergreifen und aktiv werden. Außerdem muss unbedingt eine Ghettoisierung verhindert werden." In Sachen "Gesamtgesellschaftliche Integration" machte etwa Ulrike Weyerstraß vom Kreis-Integrationszentrum auf den häufig unterschätzten Stellenwert der Integration durch Sport aufmerksam. "Sport bietet sehr gute Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen." Zusätzlich sollten Flüchtlinge stärker in die Kultur eingebunden werden. "Wir brauchen eine Kultur der Begegnung und des Vertrauens", betonte Weyerstraß, aus deren Workshop-Gruppe auch der interessante Vorschlag entstammt, Flüchtlinge aktiv ins Ehrenamt einzubeziehen.

Mit dem neuen Konzept sollen also die Weichen für erfolgreiche Integration und ein gutes Miteinander gestellt werden. Jetzt müssen auf die großen Worte Taten folgen - und die Theorie aus der sechsstündigen Konferenz in die Praxis umgesetzt werden.

Quelle: NGZ
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