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Grevenbroich
Kritik an immer mehr Leerständen

Grevenbroich: Kritik an immer mehr Leerständen
"Zu vermieten" heißt es auf der Tür des ehemaligen "Blumen Risse". Das Ladenlokal ist nur einer von vielen Leerständen in der Stadt. FOTO: LothaR Berns
Grevenbroich. Viele verlassene Geschäfte, verklebte Schaufenster und "Wir schließen"-Schilder sind zur Zeit in der Innenstadt zu sehen. Bürger und Händler fragen sich, wie es weitergehen soll. Nach der Meinung einiger hat die Stadt noch immer Potenzial. Von Oliver Burwig

Geht man durch die Kölner Straße und in die Coens-Galerie, scheint es so, als ob die Händler die Grevenbroicher Innenstadt aufgegeben haben. Leere Geschäfte, mit Papier beklebte Schaufensterscheiben und Plakate, die darüber informieren, dass der ehemalige Mieter umgezogen ist oder seinen Laden gleich ganz geschlossen hat. Nicht nur die Kunden, sondern auch die Händler in der City nehmen das mit Besorgnis wahr.

Heiner Schnorrenberg führt das nach seiner Familie benannte Lederwarengeschäft am Synagogenplatz. Seit zwei Monaten, sagt er, ziehen immer mehr Läden aus und hinterlassen gähnende Leere in den Einkaufsstraßen. "Das alles geschieht in einem Ausmaß, das wir bisher nicht kannten", sagt der 51-Jährige. Obwohl die Geschäftsstraßen Grevenbroichs im Vergleich zu nahegelegenen Städten bislang immer gut dagestanden haben, befürchte er nun, dass aus der wachsenden Leere ein unumkehrbares Problem werden könnte. "Leerstand bedeutet Kundenverlust für alle Geschäfte in der Nähe", sagt Schnorrenberg.

"Die Frequenz geht bereits zurück", sagt Josef Krautkraemer, Geschäftsführer von "Männermode Schlangen" an der Breite Straße. Die Schuld an langanhaltenden Leerständen sieht der 58-Jährige bei den Vermietern. "Sie brauchen sehr lange, ehe sie sich mit neuen Mietern einig werden." Er selbst habe im vergangenen Jahr sieben Monate auf die Absage eines Vermieters gewartet, dessen Lokal er für ein weiteres Modegeschäft anmieten wollte. Hinzu käme die "völlig überhöhte" Miete, die dazu führe, dass immer mehr Geschäfte ihre Türen für immer schließen: Die ehemalige Ladenfläche von "Blumen Risse" sei ihm bereits zweimal angeboten worden, beide Male sei das Angebot unerhört hoch gewesen. Gerade große Flächen wie die Ladenlokale von "Strauss" und "Takko" seien so für potenziell Nachmieter uninteressant.

Dirk Lengersdorf leitet die Mayersche Buchhandlung an der Kölner Straße. Seit acht Jahren habe er immer wieder beobachtet, dass einzelne Läden ihre Mieter wechselten, auch mit kurzen Leerständen verbunden. "Momentan häuft es sich aber, vor allem seit Dezember." Das Innenstadtkonzept habe in der Vergangenheit zwar gut funktioniert, nun sieht er Politik und Eigentümer der Immobilien in der Pflicht, etwas zu ändern. "Die Grevenbroicher Innenstadt ist eine Anlaufstelle für Menschen in der Region", sagt Lengersdorf. Er könne nicht verstehen, dass attraktive Lokale an den belebten Straßen keinen neuen Mieter finden. Dass der Online-Handel die Ladenlokale in den Ruin treibt, glaubt der 58-Jährige Buchhändler nicht. "Beide können nebeneinander existieren." Dennoch gibt er zu, dass seine Branche mit der Buchpreisbindung einen Vorteil gegenüber anderen Geschäften hat. Möglichkeiten, sich im Internet mit Websites oder auf Facebook zu präsentieren - und dadurch mehr Kunden in die Geschäfte außerhalb der virtuellen Welt zu locken - hätten jedoch alle Wettbewerber.

Eine interessante Beobachtung, die den Einzelhändlern in der Stadt Mut machen könnte, hat Lengersdorf zudem noch gemacht: "Einige Ladengeschäfte erleben gerade ein Revival. Es gibt viele Kunden, die gerne vor Ort einkaufen und ganz bewusst den regionalen Handel unterstützen wollen."

Quelle: NGZ
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