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Grevenbroich
Krützen beerdigt den Hauptstadt-Slogan

Grevenbroich: Krützen beerdigt den Hauptstadt-Slogan
Den schwarz-rot-goldenen Bundeshauptstadt-Schriftzug will Bürgermeister Klaus Krützen überstreichen lassen. Der Spruch passt nicht zu Grevenbroich, sagt er. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Seine Vorgänger hielten den Slogan "Bundeshauptstadt der Energie" noch aufrecht. Doch Bürgermeister Klaus Krützen will den Spruch nun verabschieden. Er setzt auf ein Leitbild 2030, an dessen Ende ein neues Motto stehen könnte. Von Wiljo Piel

"Bundeshauptstadt der Energie" - damit will der neue Bürgermeister Klaus Krützen (SPD) nichts mehr zu tun haben. Den noch breit an der Wand seines Besprechungszimmers hängenden Schriftzug mit dem vor zehn Jahren eingeführten Stadt-Slogan wird der Verwaltungschef nun überstreichen lassen. Und bei dieser Gelegenheit soll auch das nebenan hängende großformatige Foto verschwinden, das einen gewissen Horst Schlämmer mit einem der "Hauptstadt"-Schilder zeigt, die vor Jahren noch allgegenwärtig waren. "Von diesem Thema möchte ich mich gerne abkoppeln", sagt Klaus Krützen: "Denn es zeigt nicht unbedingt die Zukunft unserer Stadt."

Der Slogan wurde 2005 nach einem vom damaligen Bürgermeister Axel Prümm (CDU) initiierten Ideen-Wettbewerb eingeführt und beim Deutschen Marken- und Patentamt unter Schutz gestellt. Seine Nachfolgerin Ursula Kwasny (CDU) ließ den Eintrag im Register verlängern, nachdem er zum 30. September diesen Jahres auszulaufen drohte. Die dafür erforderlichen 1500 Euro besorgte sie sich von einem Sponsoren.

Doch von dem vor knapp drei Monaten verlängerten Namensrecht will der neue Amtsinhaber keinerlei Gebrauch machen. "Der Slogan ist einseitig auf die Verstromung von Braunkohle ausgerichtet", meint Klaus Krützen. Sollte die Politik keiner anderen Meinung sein, will der 47-Jährige den Spruch schnellstmöglich in Richtung Mottenkiste verabschieden. Nicht zuletzt auch, weil er die Leitbild-Diskussion konterkarriere, die Krützen als eines seiner wichtigsten Vorhaben bezeichnet.

Gemeinsam mit Bürgern und Politikern will der Verwaltungschef an einem Konzept arbeiten, das die Entwicklung Grevenbroichs in den nächsten 15 Jahren aufzeichnen soll. Auch mit Blick auf den Strukturwandel nach der Braunkohle. "Wo wollen wir bis 2030 hin mit der Stadt, wie bereiten wir sie auf die Zukunft vor? Diese und andere Fragen soll das neue Leitbild beantworten", betont der Neukirchener. Seine Ansage: "Ich möchte keine Flickschusterei, sondern ein ganzheitliches Konzept." Diese - wie er sagt - "Mammutaufgabe" will Klaus Krützen einerseits mit Politik und Verwaltung bewältigen, andererseits setzt er auch auf eine große Beteiligung der Bürgerschaft. Wenn es um Zukunftsfragen wie Wohnbauflächen, Nahverkehr oder die Entwicklung von Schulen und Kindergärten gehe, müssten "alle gesellschaftlichen Schichten beteiligt werden", berichtet der Bürgermeister.

Wichtiger Bestandteil dieser Beteiligung werden sogenannte Stadtteilkonferenzen sein, mit denen Krützen voraussichtlich im zweiten Quartal des nächsten Jahres beginnen wird. In diesem Rahmen sollen die Grevenbroicher nicht nur mehr in die politischen Entscheidungen eingebunden, sondern auch an der Zukunftsplanung ihrer eigenen Stadt beteiligt werden.

"Ein Slogan kann am Ende dieses Prozesses stehen. Aber nicht an dessen Anfang", meint Bürgermeister Klaus Krützen.

Quelle: NGZ
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