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Grevenbroich
Künstler will Grevenbroich wach rütteln

Grevenbroich: Künstler will Grevenbroich wach rütteln
FOTO: Berns Lothar
Grevenbroich. Der Multikünstler, Weltbürger und Wahl-Grevenbroicher Wolfgang H. Stephan hält seiner Heimat farbenfroh, aber hintersinnig den Spiegel vor. Mit ungebremster Schaffenskraft malt, fotografiert und illustriert der 80-Jährige. Von Gundhild Tilmanns

Wolfgang H. Stephan rüttelt auf: "Tu was, mach was!", ist nicht nur seine künstlerische Devise. Dazu will der 80-jährige Maler, Illustrator, Cartoonist, Fotograf und Autor auch "seine" Stadt Grevenbroich auffordern und wachrütteln. Denn Stephan, der vor 33 Jahren mit seiner Familie nach Wevelinghoven zog, hat seither seine Wahlheimat in einem bildnerischen Jahrbuch auf besondere Weise porträtiert. Die sprühend-farbenfrohen Aquarelle sind aber alles andere als nette Postkartenmotive, sie legen die Wunden Grevenbroichs offen, sie provozieren. "Es wäre mein großer Wunsch, dass die Stadt Grevenbroich diese Bilder als Poster aufhängt," sagt der Künstler, der damit die Stadtspitze und natürlich alle Bürger auffordern möchte, mehr für Grevenbroich zu tun.

An Schaffenskraft mangelt es dem 80-Jährigen nicht, im Gegenteil: Nach überstandener lebensgefährlicher Herzerkrankung sprudelt er vor kreativen Ideen und Plänen, was er noch alles tun möchte. Und er verrät, seine Ehefrau habe sich einen malfreien Tag in der Woche von ihm erbeten. "Ich kann ohne Malen, ohne die Kunst nicht leben", gibt Stephan zu.

Nicht nur seine Wahlheimat Grevenbroich bietet Stephan immer immer wieder neue Inspirationen. Er ist ein Weltbürger und hat in den Jahren seiner Berufstätigkeit als Diplomingenieur bei großen Konzernen viele Auslandseinsätze etwa in Indien, Korea, Afghanistan oder Äthiopien gehabt. "Ich habe den Kongo im Krieg erlebt", berichtet er. Indien bereiste Stephan 1969, 1971, 1976 und jüngst mit seiner Frau: "Meine Indienerfahrungen möchte ich in Ölmalerei aufarbeiten", sagt der Künstler, der auch auf manch Gefahrvolles bei seinen Aufenthalten in Kriegs- und Krisengebieten zurückblickt: "Ich habe Dinge erlebt, die kann man nicht erzählen. In meiner Kunst habe ich sie aber ausdrücken können", sagt der 80-Jährige, der noch etliche weitere voller Zukunftspläne verrät.

So verfolgt er als Fotograf einen "Street Art"-Zyklus, für den er schon ausstellungsreif mehrere hundert Bilder ausgesucht hat. Einzig, Stephans Problem ist es, für seine Projekte die geeigneten Ausstellungsmöglichkeiten zu finden. "Die Galerien in Grevenbroich und Neuss haben mich nicht gewollt", gibt der Künstler bitter zu. Dabei habe er aber von Menge und vom künstlerischen Anspruch her durchaus eine Retrospektive seines Schaffens anzubieten, "die ich mir in der Langen-Foundation oder dem Clemens-Sels-Museum vorstellen könnte", sagt Wolfgang H. Stephan.

Das berühmte Wort vom "Propheten, der im eigenen Lande nicht gehört wird", möchte sich der Künstler zwar nicht zu eigen machen. Aber ihm ist anzumerken, dass er dort, wo er gerne lebt, auch mit seiner Kunst präsenter sein möchte. In der UWG-Geschäftsstelle wird aktuell zwar ein kleiner Abriss des Riesenwerkes von Wolfgang H. Stephan gezeigt. Diese Ausstellung ist aber nur eine Stunde in der Woche geöffnet. Zu sehen sind Werke des Wahl-Grevenbroichers öfter im Hause Henkel in Düsseldorf, denn er gehört zu der Künstlergruppe "Farbeimer und Gipskopf". Die besteht aus (ehemaligen) Henkel-Beschäftigten, die sich der Kunst verschrieben haben.

Und in den vielen "nicht malfreien" Tagen, die Stephan in seinem Atelier in Wevelinghoven noch nutzen möchte, gehört ein weiteres Projekt aus der großen "Schublade", die er "Das Liegengebliebene" nennt: Illustrationen von Brechts "Dreigroschen-Oper". "Ich habe Brecht 1954 in Berlin noch kennengelernt", fällt Stephan dazu ein, und schnell fügt er noch hinzu: "Die Ilias von Homer will ich auch noch fertig illustrieren."

Quelle: NGZ
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