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Grevenbroich
Leichen-Tourismus: "Zutiefst unchristlich"

Grevenbroich: Leichen-Tourismus: "Zutiefst unchristlich"
Gegen Leichen-Tourismus: Jutta Piehler vom "Netzwerk Mensch". FOTO: NGZ
Grevenbroich. Das Rathaus schreckt vor der Höhe seiner eigenen Friedhofsgebühren zurück. Mittellose Tote, die von der Stadt Grevenbroich beerdigt werden müssen, finden ihre letzte Ruhestätte nahe Koblenz, weil dort die Beisetzung billiger ist. Diese Praxis stößt im Zisterzienserkloster Langwaden auf strikte Ablehnung.

"Bei allem Verständnis für sicherlich dringend erforderliche Sparmaßnahmen: Was mich an dieser ,Billig-Einäscherung' schockiert, ist die Haltung zum Menschen, die darin zum Ausdruck kommt", sagt Jutta Piehler. Die Leiterin des "Netzwerks Mensch", das in Langwaden 29 alleinstehende Männer betreut, empfindet dieses Vorgehen "als zutiefst unchristlich". Von daher geht sie mit den Mönchen einen anderen Weg.

Auf dem Friedhof in Wevelinghoven unterhalten die Zisterzienser ein Gräberfeld, das eigens für die Bewohner des "Netzwerks" bestimmt ist: "Wir fragen unsere Männer, die meist ohne familiäre Bindung sind, ob sie dort beigesetzt werden möchten. Und wir machen sie darauf aufmerksam, dass sie ansonsten anonym im Taunus eingeäschert werden könnten", erklärt Piehler. In der Regel würden die Senioren das Angebot, in der Nähe ihres letzten Wohnorts beerdigt zu werden, gerne annehmen.

Den Trauergottesdienst gestaltet Prior Bruno Robeck, für den Grabstein sorgt Jutta Piehler: "Ich sammele gezielt Spenden für diesen Zweck", erklärt sie. Für viele Bewohner sei es ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass man sich auch nach ihrem Tode noch um sie kümmert. "Von daher ist das Gräberfeld für uns ein Geschenk und ein großer Segen zugleich", meint Piehler: "Mit geringen Mitteln können wir würdevoll Abschied nehmen."

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Quelle: NGZ
 
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