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Denkmäler in Korschenbroich
Lieber eine Kneipe als eine Pfarrkirche

Denkmäler in Korschenbroich: Lieber eine Kneipe als eine Pfarrkirche
Bis das Gotteshaus St. Dionysius in Kleinenbroich gebaut werden konnte, vergingen zwei Jahrzehnte. Als man sich endlich für einen Standort entschieden hatte, konnten sich die Gläubigen nicht auf einen Entwurf für den Bau einigen. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Fast 20 Jahre stritten die Kleinenbroicher um den Standort. Der Grund: Zwei Gastwirte fürchteten um ihre Einnahmen. Von Marion Lisken-Pruss

Leere Kirchenbänke sind offensichtlich keine aktuelle Erscheinung. Über lichte Reihen in der katholischen Kirche klagten schon die Pfarrer im 18. Jahrhundert. Nur die Gründe waren andere: Denn damals nutzten die Bewohner der Honschaften den sonntäglichen Besuch im Dorf nicht nur für den Kirchgang, sondern kauften ein und trafen sich mit Freunden und Bekannten im Wirtshaus. In die Kirche gingen sie erst zur Gabenbereitung, um nach der Kommunion wieder zu verschwinden. Anlass genug für die Pfarrer, sich über den mangelnden Besuch ihrer Predigten zu beschweren.

Eine landesherrliche Verordnung sollte abhelfen: 1770 wurde es den Wirten untersagt, während der Gottesdienste Getränke auszuschenken. Viel bewirkt hätte dieses Verbot allerdings nicht, schreibt der Heimatforscher Hans Georg Kirchhoff in seinem Buch über das Amt Korschenbroich. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass in Kleinenbroich gleich zwei Gastwirte auf den Bau der neuen Pfarrkirche Einfluss nehmen wollten.

Denn neben ihrem angestammten Platz vor Haus Randerath war auch ein neuer Standort in der Hochstraße im Gespräch. Vor Haus Randerath, wo heute hunderte von Hühnern scharren, hatte seit jeher eine Kapelle gestanden. Als sie im Truchsessischen Krieg zerstört wurde, bauten die Kleinenbroicher sie 1594 wieder auf und weihten sie dem heiligen Dionysius. Als Pfarrkirche diente die Kapelle jedoch nicht. Vielmehr war die Pfarre in Büttgen für die Kleinenbroicher zuständig. Doch die wünschten sich nichts sehnlicher, als sich von Büttgen zu trennen.

1799 wurde Kleinenbroich schließlich zur Pfarre ernannt. Keine 50 Jahre später beschlossen die Gläubigen, ein größeres Gotteshaus zu errichten, um anschließend viele Jahre lang erbittert um den Standort zu ringen. Initiiert hatten den Streit zwei Wirte, die ihre Lokale in der Nähe der Kapelle hatten und um ihren Umsatz fürchteten. Auf alten Abbildungen ist noch das im Volksmund "Pußta" genannte Gebäude zu erkennen, das früher einmal eine Wirtschaft mit Saal beherbergte, in der selbst gebrautes Bier ausgeschenkt wurde.

In den Streit um den neuen Standort waren nicht nur die Pfarre und der Erzbischof involviert, sondern vom Landrat bis hin zum preußischen Ministerium für geistliche Angelegenheiten auch staatliche Stellen. Als es diesen zu bunt wurde, schrieben sie den Bau der Kirche an der Hochstraße vor. Doch gebaut wurde immer noch nicht, weil sich die Gläubigen nicht auf einen Entwurf für den Bau einigen konnten.

Im Mai 1868, so schreibt es der Kleinenbroicher Heimatforscher Hubert Köhnen, wurde schließlich der Grundstein für das Gotteshaus gelegt. Und dann ging alles ganz schnell: Bereits am 6. Februar 1870 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert werden. Schon damals beklagte der Rat der Gemeinde die mangelhafte Ausführung. Mit dem Erfolg, dass die Außenfassade seit zehn Jahren saniert wird - deutlich länger, als die Bauzeit der Kleinenbroicher Kirche überhaupt betragen hat.

Quelle: NGZ
 
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