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Altenheim in Grevenbroich
Lindenhof-Brandstifter muss vier Jahre in Haft

Grevenbroich: Brand in Altenheim
Grevenbroich: Brand in Altenheim FOTO: Staniek
Grevenbroich. Das Amtsgericht Neuss hat am Mittwoch einen 17-Jährigen verurteilt. Der ehemalige Praktikant hat gestanden, im vergangenen September das Feuer im Pflegeheim Lindenhof gelegt zu haben. Von Marc Pesch

Nach nur drei Stunden ist am Neusser Amtsgericht der Prozess um den Großbrand im Seniorenheim "Lindenhof" zu Ende gegangen. Der Brandstifter muss für vier Jahre ins Gefängnis. Der 17-Jährige hatte gestanden, im September vergangenen Jahres im Altenheim auf der "Schanze" in Grevenbroich ein Feuer gelegt zu haben.

Der "kurze Prozess" am Mittwoch war vor allem die Folge des überraschenden Geständnisses, das der vielfach vorbestrafte Neusser vor Gericht abgelegt hatte. "Er ist von seiner ursprünglichen Darstellung abgerückt", so Richter Heiner Cöllen, "zunächst hatte er im Ermittlungsverfahren behauptet, eine Zigaretten-Kippe achtlos weggeworfen zu haben." Davon war jetzt im Prozess jedoch keine Rede mehr.

Täter nannte keinen Grund für Brandstiftung

Vielmehr räumte der zur Tatzeit noch 16 Jahre alte Jugendliche ein, dass er ursprünglich vorhatte, die Putzfrauen des Altenheims zu bestehlen. Diese hätten jedoch anders als von ihm erwartet den Aufenthaltsraum des Heimes nicht verlassen. Anschließend habe er einen Stapel Papier angezündet, wodurch letztlich der Großbrand in dem Altenheim entstanden sei. Einen konkreten Grund für sein Verhalten konnte er nicht nennen. "Er hat aber eingeräumt, ,Scheiße' gebaut zu haben", so Cöllen, "es sei einfach über ihn gekommen, er könne sich das heute nicht mehr erklären."

Die Flammen jedenfalls hatten sich rasend schnell ausgebreitet, das Altenheim musste evakuiert werden. Laut Kreisdirektor Dirk Brügge, der als Zeuge vor Gericht vernommen wurde, entstand ein Schaden von mehr als einer Million Euro. Derzeit wird das Gebäude saniert und wieder hergerichtet, spätestens im Mai sollen die Bewohner das Heim wieder beziehen können.

Angeklagter seit sechs Jahren als Intensivtäter bekannt

Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Plädoyer für den angeklagten Jugendlichen vier Jahre Jugendstrafe, die Verteidigung hielt mit zwei Jahren lediglich die Hälfte für angemessen. Richter Heiner Cöllen folgte letztlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Wir halten es für wichtig, dass der Junge eine entsprechende Erziehung genießt. In der Haft hat er die Möglichkeit, seinen Schulabschluss und eine Ausbildung nachzuholen", so Cöllen.

Laut Ermittlungen wurde der Junge schon als Elfjähriger bei der Polizei als Intensivtäter geführt. Seine Kindheit verlief unruhig, offenbar wurde er zwischen Mutter und Vater hin- und hergerissen. Mehrfach musste er sich bereits vor Gericht verantworten, zuletzt war er zu acht Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. Das Urteil verfolgte der 17-Jährige regungslos - nach eigenen Angaben hatte er sich auf eine längere Haftstrafe eingerichtet.

Für den durch den Brand entstandenen Schaden ist zunächst die Versicherung des Heimes eingetreten. Laut Gericht muss der Junge damit rechnen, dass die Versicherung Klage gegen den Heim-Praktikanten erheben wird. Ob er den Schaden von über einer Millionen Euro jedoch jemals begleichen kann, ist höchst zweifelhaft.

Quelle: NGZ
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