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Serie Traditionsunternehmen
Logistik mit Technik und Köpfchen

Serie Traditionsunternehmen: Logistik mit Technik und Köpfchen
In der Disposition im Logistikzentrum in Kapellen werden dieTransporte organisiert und gesteuert. Trotz Computer-Technik sind weiter Kopfarbeit und Erfahrung der Mitarbeiter gefragt. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Mit einem Pferd begann das Unternehmen 1899, heute ist die Spedition Kleine mit knapp 300 Mitarbeitern und großem Fuhrpark ein modernes Logistikunternehmen. Bei der Distribution ist neben Computertechnik weiter Erfahrung gefragt. Von Stefan Reinelt

Bei einem Speditionsunternehmen mit mehr als 100 Jahren Geschichte lässt sich vermuten, wie die Transporte in den Anfängen durchgeführt wurden - mit einem PS. Im Jahr 1899 war es ein Pferd, später schon ein Gespann. 1910 baute Gründer Wilhelm Kleine dann den ersten Firmensitz in Düsseldorf-Gerresheim und eine Remise als Unterstand für das Fuhrwerk. Der an den umliegenden Bergen abgebaute Lehm wurde zu den Ziegeleien transportiert, die fertigen Ziegel dann zu den Händlern und Baustellen.

Später gehörte die Gerresheimer Glashütte zu den wichtigsten Kunden, und der Aktionsradius vergrößerte sich bis an die Mosel. Inzwischen motorisiert, musste der Fuhrpark dafür jedoch umgerüstet werden: "Bis dahin waren wir mit Kipplastern unterwegs. Aber Flaschen konnten schließlich nicht einfach abgekippt werden, dann wären sie ja kaputt gegangen", erklärt Christoph Kleine.

Der 51-Jährige ist der Urgroßenkel des Firmengründers und führt die Spedition Kleine heute in vierter Generation zusammen mit seinem ein Jahr älteren Cousin Friedhelm. Den Zweiten Weltkrieg bezeichnet er als Zäsur in der Unternehmensentwicklung. Die Lastwagen wurden durch die Wehrmacht konfisziert. Nach dem Krieg baute man aus Fahrzeugtrümmern und Ersatzteilen wieder einen kleinen Fuhrpark auf. Heute sind täglich 80 bis 100 Lastwagen für die Spedition Kleine im Einsatz. Aus der kleinen Remise im hügeligen Gerresheim ist ein riesiges Logistikzentrum auf einer Gesamtfläche von 55000 Quadratmetern nahe der Autobahn A46 geworden.

Seit 1997 residiert das Traditionsunternehmen in Kapellen. Tagsüber steuern die Fahrer die Kunden in der Umgebung an, um Waren abzuholen und auszuliefern. Im Logistikzentrum wird das Stückgut umgeschlagen und in der Nacht zu 55 verschiedenen Empfangsdepots in Deutschland und den Nachbarländern transportieren. Dabei arbeitet Kleine mit anderen Spediteuren zusammen. Oft treffen sich die Fahrer dafür in der Mitte des Weges und tauschen die Auflieger aus.

Die Abwicklung der gesamten Transportkette bedarf einer effizienten Distribution. "Die Hauptaktivitäten in den Generationen zuvor lagen im Fuhrpark. Das hat sich zu heute grundlegend geändert, nun ist der IT-Bereich das wichtigste Thema", sagt Christoph Kleine. Jeder Fahrer hat einen Scanner mit GPS an Bord, damit die Sendung über jeden Kilometer verfolgt werden kann. Die Computersysteme für die Distribution stecken noch in der Entwicklung. "Es ist weiterhin Kopfarbeit gefragt. Die Mitarbeiter kennen auch am besten die Bedingungen beim Kunden vor Ort", so Kleine.

Knapp 300 Beschäftigte zählt das Unternehmen mittlerweile. Statt einer Ahnengalerie erinnern bei der Spedition Kleine selbstgebaute Modelle des sich wandelnden Fuhrparks an die mittlerweile 116-jährige Geschichte des Familienbetriebs. Zu sehen sind das erste Fuhrwerk ebenso wie die "Monstren mit Vollgummireifen" der 1920er Jahre bis hin zu den Kipp- und Planen-Lkw der Spedition in der jüngeren Vergangenheit.

Quelle: NGZ
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