| 21.06 Uhr

Grevenbroich
Mängel beim Kraftwerksbau

Grevenbroich. Der Bau der beiden BoA-Kraftswerksblöcke hat sich um anderthalb Jahre verzögert. Ein Grund neben dem schweren Unfall 2007: Qualitätsmängel. Jetzt müssen die beauftragten Firmen nachbessern. Das kostet Zeit. Von Carsten Sommerfeld

Der ursprüngliche Zeitplan für die BoA-Baustelle in Neurath ist längst nicht mehr zu halten. Block "Gustav" wird erst in der ersten Hälfte 2011 ans Netz gehen, "Friedrich" in der zweiten Jahreshälfte 2011 – anderthalb Jahre später als geplant. Zu Verzögerungen führte bereits der schwere Unfall mit drei Toten 2007 auf der Baustelle. Doch das ist nicht der einzige Grund: RWE Power spricht von Qualitätsmängeln und erheblichen Planungsdefiziten bei Firmen. "Das geht über das normale Maß hinaus", sagt Guido Schöddert, technischer Betriebsleiter für das 2,2-Milliarden-Euro-Projekt.

Zurzeit arbeiten 3000 Menschen auf der Baustelle. RWE-Power hat Verträge mit 70 Unternehmen geschlossen. Die beschäftigen wiederum zahlreiche Unterauftragnehmer. "Das ist wie ein riesiges Puzzle, bei dem alle Teile zusammenpassen müssen", veranschaulicht Schöddert. "Natürlich haben wir Zeitpuffer vorgesehen, um Verzögerungen aufzufangen." Doch die reichen nicht aus. "Wir hatten erhebliche Planungsdefizite von Unterauftragnehmern bei der Stahlkonstruktion. Teile passten nicht, so dass sie angepasst oder neu gefertigt werden mussten."

Eine Ursache für die Mängel sieht RWE-Sprecher Manfred Lang in "Know-how-Verlust: Eine Reihe von Jahren sind relativ wenige Kraftwerke gebaut worden. In manchen Bereichen gibt es nicht viele Firmen, die in der Lage sind, solche Spezialtechnik zu bauen", so Lang. "Qualitätssicherung hat für uns oberste Priorität, da gibt es kein Wenn und Aber." RWE-Power setzt dafür eigene Qualitätskontrolleure ein, nicht nur auf der Baustelle, sondern auch in Ländern, in denen Teile gefertigt werden.

Solche Kontrolleure kamen laut RWE auch Qualitätsmängeln beim 10 000 Tonnen schweren Kesselhausoberteil für "Gustav" auf die Spur – in China. Die Folgen: "Viele Schweißnähte mussten nachgebessert werden. In Dinslaken wurden Teile repariert, andere neu gebaut", so Schöddert. Am Freitag geht in Neurath ein 450 Tonnen schweres Generatorgehäuse auf die Rückreise ins Herstellerwerk in Polen. Der Grund laut RWE: ebenfalls Mängel. Die Nachbesserungsarbeiten bei diesem Teil würden aber zu keiner Verzögerung bei der Inbetriebnahme des Kraftwerks führen.

Den finanziellen Schaden durch die Verzögerungen kann RWE noch nicht beziffern. Konzern-SprecherManfred Lang betont: "Die 130 RWE-Mitarbeiter auf der Baustelle sind eine Super-Truppe und sorgen trotz der Verzögerungen hoch motiviert dafür, dass die Qualität stimmt."

Quelle: NGZ
 
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