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Grevenbroich
Mein Leben als Ben-Zino

Grevenbroich. Anja Kirschbaum aus Noithausen ist die Frau, die hinter dem Kult-Maskottchen der Grevenbroicher Elephants steckt. Jetzt zieht sie nach Flensburg - und heizt Basketballern und Fans am Samstag zum letzten Mal als grüner Elefant ein. Von Christian Kandzorra

Wenn die Grevenbroicher Elephants zu Hause spielen, dann mischt sich einer immer unters Publikum: ein grüner Elefant, den alle unter dem Namen Ben-Zino kennen. Das Maskottchen der Basketballer ist längst zu einer Kultfigur geworden. In dem lächelnden Elefanten mit weißem Trikot steckt Anja Kirschbaum aus Noithausen. Sie steigt nächste Woche Samstag zum letzten Mal in das 15 Kilogramm schwere Kostüm. "Ich werde es vermissen", sagt die 44-Jährige, die im Februar nach Flensburg zieht und dann keine Zeit mehr hat, den Spielern und Zuschauern als Ben-Zino einzuheizen.

Drei Spielsaisons klatschte sie jeden Spieler beim Einzug ab, tanzte vor dem Publikum und sorgte für Stimmung. "Die Atmosphäre war immer großartig", sagt Anja Kirschbaum, die beim Laufen in dem Kostüm jedes Mal ordentlich ins Schwitzen kam. "Es ist extrem warm darin. Ich muss viel trinken." Am schwersten sei der Elefantenkopf, der mit Hilfe eines Bauarbeiter-Helms und einigen Gummibändern auf ihrem Kopf befestigt ist. "Durch die Öffnung im Mund konnte ich sehen, wo ich hinlaufe. Da durfte der Kopf nicht verrutschen", erzählt Anja Kirschbaum, die in den vergangenen drei Jahren ehrenamtlich in den Stoff-Elefanten gestiegen ist.

Ursprünglich war sie über den Basketball-Trainer ihres Sohnes auf den Maskottchen-Job aufmerksam geworden. "Ich wurde gefragt - und habe nicht lange gezögert", berichtet Kirschbaum, die es jetzt aus privaten Gründen nach Norddeutschland zieht. "Ich muss mich nach dem Heimspiel gegen Hagen schweren Herzens auch von Ben-Zino trennen", sagt die Krankenschwester, deren Dienstzeiten nach dem Umzug ausgerechnet immer auf die Wochenenden fallen, an denen die Elephants zu Hause spielen.

Was viele nicht wissen: Das grüne Maskottchen wurde vor rund 15 Jahren von der Grevenbroicher Tankstellen-Firma Schäfer gestiftet, in deren Logo ebenfalls ein grüner Elefant zu sehen ist. "Zwischenzeitlich war Ben-Zino verschollen. Der Elefant ruhte in einer Spezial-Box im Lager der Tankstelle", erinnert sich Trainer und Manager Hartmut Oehmen, der Ben-Zino vor vier Jahren "wiederbelebte". "Ich war früher Trainer einer gegnerischen Mannschaft in Krefeld und kannte Ben-Zino noch aus dieser Zeit. Meine Mannschaft hatte damals einen Panther, die Elephants diesen Elefanten. Nach meinem Wechsel zu den Elephants habe ich mich gefragt, wo eigentlich das Maskottchen geblieben ist." Hartmut Oehmen beendete die Odyssee des Stofftiers, das jetzt einen neuen Träger sucht.

Wer genau demnächst die Aufgabe von Anja Kirschbaum übernimmt, steht noch nicht fest. "Ab Februar stehen noch vier Heimspiele auf dem Plan. Ins Kostüm werden wahrscheinlich Jugendliche aus den jüngeren Mannschaften steigen", kündigt Hartmut Oehmen an.

Und Anja Kirschbaum? Sie hat "Blut geleckt" - und will nicht ausschließen, eines Tages wieder in ein Maskottchen zu schlüpfen. "Mir hat es immer großen Spaß gemacht. Vielen Kindern ist das Herz aufgegangen, wenn sie mich gesehen haben", erzählt Kirschbaum, deren Söhne Jan (18) und Dirk (15) sich ebenfalls im Verein engagieren.

Quelle: NGZ
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