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Serie Mein Erstes Auto
Mit einem VW-Käfer auf Abenteuerkurs

Serie Mein Erstes Auto: Mit einem VW-Käfer auf Abenteuerkurs
Auf der Autobahn in Richtung Wien: Der frisch verheiratete Karl Becker baut im April 1970 auf halber Strecke kurzerhand einen neuen Verteiler in den Motorraum seines VW-Käfers ein. Die abenteuerliche Tour wird er nie vergessen. FOTO: karl becker
Grevenbroich. Karl Becker erinnert sich an die erste TÜV-Prüfung und eine abenteuerliche Hochzeitsreise im Kultauto der 1950er Jahre. Von Christian Kandzorra

Hemmerden Bis heute hat Karl Becker aus Hemmerden 20 verschiedene Autos gefahren. Eins wird ihm wohl sein Leben lang ganz besonders in Erinnerung bleiben: sein erstes Auto, ein weißer VW-Käfer von 1957. Schon beim Kauf des heutigen Kultautos bei einem Gebrauchtwagenhändler erlebte der heute 67-Jährige sein erstes Abenteuer. "Ich hatte mich kurz nach Bestehen meiner Fahrprüfung mit meinem Vater auf die Suche nach einem Auto begeben. Dafür hatte ich 700 D-Mark angespart. Auf eine bestimmte Marke habe ich damals nicht geachtet - die Hauptsache für mich war, ein eigenes Auto zu bekommen", erinnert sich Karl Becker. "Wir sind bei Xanten fündig geworden. Den Käfer haben wir für 1000 Mark mitnehmen können."

Der Haken: Der Volkswagen hatte keinen TÜV mehr. "Der Händler ist dann mit mir zur Prüfstelle gefahren. Er ging mit einem Karton voller Kalender, Pralinen und Wein rein und kam kurze Zeit später mit dem Prüfer zurück. Der klebte eine neue Plakette aufs Nummernschild und verschwand prompt wieder in seinem Büro", erzählt Becker schmunzelnd. Das dürfte die schnellste "Prüfung" gewesen sein, die Karl Becker jemals erlebt hat. "Als ich mich danach ans Lenkrad setzte, musste ich feststellen, dass der linke Außenspiegel fehlte. Der Händler hat später in seinem Geschäft für Ersatz gesorgt."

Die ersten Fahrten mit dem Käfer - die übrigen 300 D-Mark stotterte er mit der Zeit bei seinem Vater ab - waren für den Hemmerdener übrigens so, als würde er das Fahren noch einmal komplett neu lernen. "Der Käfer hatte noch kein synchronisiertes Getriebe. Ich musste das Kupplungspedal beim Hochschalten also immer zweimal treten. Einmal zum Aus- und dann wieder zum Einkuppeln", erklärt der 67-Jährige, der sich im April 1970 in dem Auto mit seiner Frau Irmgard auf Hochzeitsreise nach Wien begab. "Auf der Autobahn bei Linz sind wir liegen geblieben. Ich bin an den Fahrbahnrand gefahren und habe kurzerhand den Zündverteiler gewechselt", erinnert sich Karl Becker.

Er lernte das Auto auch während seiner Bundeswehrzeit an der Nordseeküste näher kennen. "Damals bin ich 18 Monate lang fast jedes Wochenende nach Varel bei Wilhelmshaven gefahren. Eine Strecke war in etwa 320 Kilometer lang." Der Käfer brachte ihn immer sicher ans Ziel. "Auch meine Kameraden, denen ich den Wagen schon mal ausgeliehen hatte, kamen mit dem VW gut zurecht. Das war ein schönes Auto", erzählt Becker, der den 30 PS starken Motor wegen Altersschwäche nach seinem Wehrdienst gegen einen mit 32 PS austauschte. "Außerdem habe ich den Wagen so restauriert, dass kein Rostfleck mehr zu sehen war und er auch kein Öl mehr verlor. Dazu habe ich meinen Käfer in einem knackigen Orange lackiert, das jeden Müllwagen blass aussehen ließ", sagt Becker und lacht. Im Jahr 1981 hat er den Käfer für 300 Mark an einen Studienkollegen verkauft. "Der unternahm später mit dem ,Herby' noch eine große Tour durch Europa."

Quelle: NGZ
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