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Grevenbroich
Mit jecken Orden entlang der Westcoast

Grevenbroich: Mit jecken Orden entlang der Westcoast
Klaus Lüttgen auf seinem Trekking-Bike, mit dem er einen Teil der US-Westküste erkunden möchte. Das Fahrrad hat er in einer Niederaußemer Scheune gefunden und einem Bauer für 15 Euro abgekauft. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. "Medals for the coast" hat Klaus Lüttgen seine Radtour genannt, zu der er in vier Wochen aufbrechen wird. Mit kölschen Orden im Gepäck fährt er von Vancouver nach San Francisco. 2200 Kilometer hat der Grevenbroicher vor der Brust. Von Wiljo Piel

Heute steht leichtes Training auf seinem Programm. 100 bis 120 Kilometer in Richtung Eifel strampeln. Um sich fit zu machen für größere Aufgaben. Denn in vier Wochen begibt sich Klaus Lüttgen wieder mal auf große Tour: Mit seinem alten Trekking-Rad will er die Westküste der USA erkunden. Fünfeinhalb Wochen hat der 57 Jahre alte Grevenbroicher für die etwa 2200 Kilometer lange Fahrt durch drei Bundesstaaten angesetzt. Unterwegs will er wieder Karnevalsorden an nette Menschen verschenken, die ihm begegnen oder helfen.

Orden hat er reichlich zu Hause. "Als Mein Vater 2008 starb, hat er mir eine Sammlung von mehr als 20.000 Stück vererbt", sagt Lüttgen. Einige Exemplare hat der "kölsche Jeck" schon vor fünf Jahren verschenkt, als er mit einem Damenrad durch Kanada bis nach Alaska fuhr und nicht weniger als 7000 Kilometer zurücklegte. "Ich habe die Orden weitergegeben an Menschen, die mir Wasser oder zu Essen gaben, oder auch mal eine Übernachtung ermöglichten", berichtet der Grevenbroicher. Genau so will er bei seiner nächsten Reise vorgehen, die am 26. August startet. 200 Orden, insgesamt zehn Kilo schwer, wird Lüttgen dann im Gepäck haben.

Ausgangspunkt der Tour wird wieder Vancouver sein, die Stadt an der Westküste Kanadas. Von dort aus geht es entlang des Pazifischen Ozeans bis nach San Francisco. "Ich habe von den USA schon als kleiner Junge geträumt. Jetzt erfülle ich mir endlich diesen Traum", sagt Klaus Lüttgen. Auf ein edles Fahrrad wird der Grevenbroicher auch bei seiner nächsten Tour verzichten. Sein rotes Trekking-Bike hat er in einer Scheune entdeckt und es einem Niederaußemer Bauer für 15 Euro abgekauft. "Großartig verändert wurde es nicht", sagt Lüttgen: "Ich habe lediglich eine gute 14-Gang-Schaltung eingebaut." Die sei auch nötig, denn unterwegs - entlang der Highways 101 und 1 - wird es oftmals bergauf gehen.

Und es wird einiges zu sehen geben. Klaus Lüttgen will unter anderem den Regenwald im Olympic National Park und die Redwoods in Kalifornien besuchen - und er möchte Abstecher zu den Drehorten bekannter Filme machen. Etwa zum Leuchtturm von Point Reyes, der Kulisse für John Carpenters "Fog - der Nebel des Grauens" war. Oder zur Bucht von Bodega Bay, die durch Alfred Hitchcocks "Die Vögel" weltbekannt wurde. Und Lüttgen freut sich auf Fort Glasop, eine Blockhaussiedlung, die 1805 von der Lewis-und-Clark-Expedition errichtet wurde.

Übernachten will Klaus Lüttgen wieder in seinem Zelt. "Alle sieben bis acht Tage kehre ich aber in einem Motel ein, um mal was Luft zu holen", sagt der 57-Jährige: "Oder ich komme bei Menschen unter, die mich einladen." Dass das nicht immer ungefährlich ist, hat der Grevenbroicher auf seiner Tour durch Kanada erlebt. Als er in einem Haus in Capbell River unterkam, wurde er Zeuge eines Brudermordes. "Das war die schrecklichste Nacht meines Lebens", sagt Lüttgen.

Abschrecken lässt er sich von solchen Dingen aber nicht. "Im Gegenteil: Ich freue mich tierisch auf die Tour", sagt Lüttgen: "Und als kölsche Jeck muss ich sagen: Et hätt noch immer joot jejange."

Quelle: NGZ
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