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Grevenbroich
Modellprojekt Soziallotsen auf der Kippe

Grevenbroich: Modellprojekt Soziallotsen auf der Kippe
Cordula Bohle und Jürgen Weidemann koordinieren das Soziallostenprojekt in ihrem Büro bei der Caritas. Sie setzen sich jetzt dafür ein, dass das erfolgreiche Projekt auch weiter finanziert wird. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Allen Menschen in allen nur erdenklichen Nöten helfen 21 ehrenamtliche Soziallotsen durch den Paragrafen-Dschungel und bei anderen Problemen. Die Finanzierung der professionellen Projektbegleitung läuft aber Ende 2016 aus. Von Gundhild Tillmanns

Was erfolgreich ist und schon sehr vielen Menschen in Grevenbroich geholfen hat, darf nicht an der künftigen Finanzierung scheitern: Das hoffen die Koordinatoren des Caritas-Soziallotsen-Modellprojektes, Cordula Bohle und Jürgen Weidemann. 21 ehrenamtliche Soziallotsen werden von Bohle und Weidemann mittlerweile koordiniert. Sie sind in vier Lotsenpunkten, breit auf die Fläche Grevenbroichs verteilt, Ansprechpartner für alle Bürger, egal in welcher Problematik oder Befindlichkeit. Grevenbroich ist zwar im Modellprojekt im Bistum der am weitesten entwickelte Standort. Umso tragischer wäre es, wenn die Lotsenpunkte aus finanziellen Gründen wieder aufgegeben werden müssten, verdeutlichen Bohle und Weidemann.

Deshalb waren die Sozialpädagogin und der Fachberater der Gemeindecaritas auch am Donnerstag zu einem "Krisengespräch" in Köln. Sie haben die Hoffnung, dass dort im Verbund mit den anderen Gemeinden der Diözese ein Konzept gefunden wird, das Soziallotsen-Modell fortzuführen. Ansonsten laufen die Mittel mit Ende diesen Jahres aus.

Lotsenpunkte gibt es in Grevenbroich in Anbindung an die katholischen Pfarrgemeinden. Sie werden, wie das Café Kultus, das zu den Lotsenpunkten gehört, als öffentlicher Treffpunkt geführt: "Wir möchten mit dem Café-Charakter ein niederschwelliges Angebot machen, wo wirklich jeder willkommen ist. Man muss auch nicht unbedingt mit Problemen kommen. Manche möchten nur einen Kaffee trinken oder mal aus ihrer Einsamkeit heraus", berichtet Jürgen Weidemann. Ganz wichtig sei auch die absolute Offenheit der Lotsenpunkte, wo weder nach Herkunft, noch nach Religion gefragt werde, fügt Cordula Bohle hinzu. "Wir erreichen so auch die kirchenfernen Menschen, und die bekommen ein positives Bild von der Kirche, die zu den Menschen kommt und hilft", stellt Weidemann fest. Und selbstverständlich könnten sich Ratsuchende auch anonym an die Soziallosten wenden, fügt er hinzu.

Zu den 21 ehrenamtlichen Soziallotsen, die sich die Öffnungszeiten der Treffpunkte und die Einzelbetreuungen von Hilfesuchenden teilen, gehört auch Roswitha Zachow. Die 55-jährige hat einmal in der Woche Dienst im Café Kultus. Wie alle anderen Soziallotsen bringt sie Lebenserfahrung mit, die ganz erheblich bei den Kontakten hilft. Sie ist Mutter und hat beruflich mit dem Bankwesen zu tun. Außerdem kennt sich Roswitha Zachow aus eigener Erfahrung mit der Pflege von Angehörigen aus.

Als Soziallotsin wird sie zum Beispiel öfter mal um Hilfe bei der Beantragung von Behindertenausweisen oder bei Fragen rund um die Pflege gefragt. Mal geht es auch um Fragen der Familienhilfe oder Arbeitslosigkeit. "Viele Menschen kommen auch einfach nicht im Paragrafen-Dschungel zurecht", stellt die Soziallotsin fest.

Und in allen nur möglichen Fällen, die bei den Treffpunkten zur Sprache kommen, sind dann stets die Lotsen im Wortsinne gefordert. Denn sie müssen nicht alles wissen und können - sie müssen wissen, wohin und zu wem sie die Hilfesuchenden lotsen können.

Die Caritas bereitet sie auf diese Aufgabe bestens vor, indem sie ihr eigenes und viele weitere soziale Netzwerke detailliert vorstellt. Deshalb gehe es auch schnell und reibungslos, Termine bei den entsprechenden Stellen für die Ratsuchenden zu bekommen, hat Roswitha Zachow festgestellt.

Aus dem Soziallotsenprojekt hat sich bei der Caritas ein weiterer Zweig entwickelt: die Alltagshelfer. Einer von ihnen ist bereits in Kooperation mit der Pfarrgemeinschaft Grevenbroich-Niedererft fest angestellt. Weitere sollen nach diesem Modell noch folgen. Weidemann nennt Beispiele, wie solche Alltagshelfer eingesetzt werden: "Mal einen Kasten Wasser ins Haus tragen, oder eine Glühbirne reindrehen, kleine handwerkliche Arbeiten, oder auch mal ein Rezept in der Apotheke einlösen." Denn auch in Grevenbroich verändere sich die Sozialstruktur und immer mehr alte Menschen bräuchten solche Helfer, weil sie keine Familie um sich haben.

Quelle: NGZ
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