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Grevenbroich
Museum beschäftigt sich mit Glaubensfragen

Grevenbroich: Museum beschäftigt sich mit Glaubensfragen
Der Willibrordusbrunnen zählt zu den bekanntesten Kultstätten in der Stadt. Lange gab es den Brauch, dort Babywäsche aufzuhängen. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Ausstellung "Niederrheinische Glaubensfragen" zeigt Kulturgeschichte - und spart auch die Sage um den Willibrordusbrunnen nicht aus. Von Andreas Buchbauer

Aus diesem Stoff könnte Hollywood-Regisseur Christopher Nolan einen packenden Film machen. Hexenverfolgungen und das Mittelalter, Glaubenskriege und kultige Verehrung, Mythen und Überlieferungen - und mittendrin immer: der Mensch und das, woran er glaubt. Nolan ist bekannt dafür, Atmosphäre zu schaffen und meisterhaft auf die Leinwand zu bringen wie kaum ein anderer. Und was da derzeit im Museum der niederrheinischen Seele vorbereitet wird, bietet derart spannende Einblicke in fünf Jahrhunderte Stadt- und Kulturgeschichte, dass es locker als Sujet fürs Kino taugen würde. "Niederrheinische Glaubensfragen" lautet der Titel der neuen Dachgeschossausstellung, die das Museumsteam um Thomas Wolff zusammengestellt hat. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 17. September, 19 Uhr. Zu sehen ist sie bis 6. Januar.

Noch haben Thomas Wolff und seine Mitstreiter viel zu tun. Kein Wunder: Ihre Ausstellung nimmt die Zeit vom 16. bis ins 20. Jahrhundert in den Blick. Dabei geht es nicht nur darum zu zeigen, wie sich Katholizismus und Protestanismus in der Stadt entwickelt und erst lange nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) ausgesöhnt haben. Ein Markstein führt dabei gar bis ins späte 19. Jahrhundert: Erst am 31. Oktober 1888, dem Reformationstag, wurde mit der von Textilfabrikant Oskar Erckens gestifteten Kapelle gegenüber seiner Villa im Stadtpark das erste evangelische Gotteshaus in Grevenbroich eingeweiht. "Daraufhin ist die protestantische Gemeinde in der Stadt dann wieder erstanden", sagt Wolff.

Auch Volksfrömmigkeit und Kultstätten in Grevenbroich werden in der Ausstellung thematisiert. "Allen voran der Willibrordusbrunnen am Welchenberg", sagt Wolff. Der Legende nach soll der Missionar Willibrord dort 709 nach Christus vorbeigekommen sein, das heidnische Bild des Gottes Walchus zerstört und seinen Bischofsstab in den Boden gestoßen haben. Der Sage nach stieß er dabei auf eine Quelle. Dem Wasser wurden Heilkräfte zugesprochen. Bis ins 20. Jahrhundert gab es den volkstümlichen Brauch, als Zeichen der Fruchtbarkeit und zur Vermeidung von Krankheiten vor einer anstehenden Geburt Babywäsche am Willibrordusbrunnen aufzuhängen.

Die Ausstellung spart auch düstere Kapitel der Stadtgeschichte nicht aus. "Zwischen 1500 und 1520 kam es in Stadtmitte zu Hexenprozessen und zu Verurteilungen", sagt Wolff. Die Verurteilten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. "Zudem sind mehrere Hexenprozesse aus Hülchrath bekannt." Über sie wird der Historiker Thomas Becker von der Universität Bonn in einem Vortrag am Donnerstag, 29. Oktober, berichten. Er spricht ab 20 Uhr in der Villa Erckens zum Thema "Wer bei Hülchrath geht über die Brück' - Hexenverfolgung in Kurköln und Jülich im 16. und 17. Jahrhundert".

Darüber hinaus wird es zur Ausstellung weitere Veranstaltungen geben. Klaus-Dieter Brandt spielt am 22. November die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach, Thomas Wolff berichtet am 25. November über die Konfessionspolitik zur Zeit des 30-jährigen Krieges, Ulrich Herlitz informiert am 9. Dezember über das jüdische Leben in der Schlossstadt.

Quelle: NGZ
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