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Grevenbroich
Nach Badabriss lockt Erft die Schwimmer

Grevenbroich: Nach Badabriss lockt Erft die Schwimmer
Verboten ist das Schwimmen in der Erft nicht, Erftverband und DLRG warnen aber vor Gefahren im Fluss und vor Selbstüberschätzung. FOTO: L. Berns
Grevenbroich. Das Schwimmbad ist weg. Wohin also, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen? Immer mehr Grevenbroicher kühlen sich in der Erft ab. DLRG und Erftverband warnen vor Risiken im Naturgewässer, insbesondere für Kinder. Von Daniela Buschkamp

Ein Spaziergang entlang der Erft: für Angelika Köster (63) und ihren Mann Günther (66) ein lieb gewonnenes Stück Erholung. Was ihnen bei hohen Temperaturen aufgefallen ist: "Immer wieder sehen wir Schwimmer in der Erft." Mal seien es Jugendliche an der Apfelwiese, die von der Böschung ins Wasser gehen, mal seien es Kinder. "Neulich habe ich kleine Kinder nur mit Schwimmreifen gesehen. Da macht man sich schon Sorgen", sagt Angelika Köster. Dass Hunde im Fluss tollen, sei ein gewohnter Anblick, aber sei der Fluss für Menschen nicht gefährlich?, fragt sich die Grevenbroicherin.

In die Erft statt ins Schwimmbad - ist das erlaubt? Nachfrage bei der Stadt Grevenbroich: "Es ist nicht verboten", sagt Sprecherin Ines Hammelstein. Schilder, die das Reinspringen verbieten, würden einzig in Bereichen stehen, die lebensgefährlich seien - wo es ein Wehr gebe, etwa an der Kottmannsmühle in Wevelinghoven oder an der Wassermühle in Gustorf. Dies unterstreicht Udo Rose, Biologe beim Erftverband: "Schwimmen in der Erft ist nicht ausdrücklich erlaubt, aber auch nicht verboten. Aber wir empfehlen es auch nicht." Gerade für Kinder könne die Strömung gefährlich werden. Regelmäßige Erfahrung mit einem Sprung in die Erft haben die Mitglieder des Kanusportvereins. "Wir nutzen einen bestimmten Bereich zu Übungszwecken, nehmen in den Übungsgruppen damit die Angst vor dem Wasser", sagt Sportwartin Anne Königs. Allerdings seien die Schwimmer stets unter Aufsicht, seien mit Helm und Schwimmweste ausgestattet und müssten mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze vorweisen.

Königs weiß aber ein natürliches Gewässer mit unterschiedlichen Tiefen und variabler Strömungsgeschwindigkeit einzuschätzen: "Niemand mit offenen Wunden oder einem akuten Infekt sollte in einem Fluss schwimmen." Zudem sei die Erft an vielen Stellen nicht bis auf den Grund einzusehen.

Vor Gefahren warnt auch Dirk Korte, Sprecher der Grevenbroicher Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft: "In der Erft gibt es neben den natürlichen Gefahren wie Wasserpflanzen oder Steine auch durch Mensch geschaffene Gefahren wie Wehre oder Sperrmüll." Diese Gegenstände können zu Verletzungen oder Veränderungen der Strömung führen - es könnten Walzen und Wirbel entstehen, die Schwimmer in Lebensgefahr bringen können. "Ähnlich wie an allen Gewässern ist die große Gefahr die Selbstüberschätzung", warnt Korte. Man sollte keinesfalls angetrunken, kränkelnd oder nach einem Sonnenbad ins Wasser springen. Das könne zum Kreislaufzusammenbruch und dann zum Ertrinken führen - egal wie alt oder wie trainiert dieser ist.

Auf diese Einschränkungen weist auch Uwe Rose hin: "Die Erft hat die Wassergüte-Qualität II, gehört also zu den zweitbesten Gewässern. Dennoch hat sie keine Badesee-Qualität." Denn in dem Fluss würde auch Abwasser von Kläranlagen eingeleitet. "Krankheitserreger können wir nicht vollständig ausschließen", sagt Rose.

Quelle: NGZ
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