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Grevenbroich
Nachts bei den "weißen Augen" im Bend

Grevenbroich: Nachts bei den "weißen Augen" im Bend
Neugierig blicken Hirsch und Rehe in das Licht einer Stabtaschenlampe. Zu nächtlicher Stunde hatten die Tiere offensichtlich nicht mehr mit Besuchern im Freigehege gerechnet. FOTO: Berns
Grevenbroich. Im Dunkeln das Wildgehege erkunden - das begeisterte schon mehr als 300 Grevenbroicher. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bietet nächtliche Führungen durch den Park an - und dabei gibt es auch etwas zum Gruseln. Von Wiljo Piel

Ungemütliche drei Grad zeigt das Thermometer an. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine Wanderung durch den nächtlichen Bend. Dennoch kann sich Martina Koch, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), nicht beklagen. In warme Klamotten dick eingemummelt, haben sich etliche kleine und große Grevenbroicher am Forstbauhof eingefunden, um von dort aus bei (fast) vollem Mond das Tiergehege zu erkunden.

Sie sind so etwas wie ein Renner, die Nachtwanderungen der Waldfreunde. Die fünf Touren, die bisher angeboten wurden, weckten das Interesse von mehr als 300 Grevenbroichern. "Da haben wir wohl einen Nerv getroffen", meint Martina Koch. Für viele sei es halt faszinierend, die Rehe, Hirsche, Wildschweine oder Kamerunschafe auch einmal in der Dunkelheit zu beobachten - zu einer Stunde, in der sich außer den Wildtieren kein anderer im Freigehege aufhält.

In der "Rollenden Waldschule" lernen die kleinen Teilnehmer die Bewohner des Bends kennen. FOTO: Berns Lothar

Bevor es losgeht, ist Hartmut Riedel am Zuge, der mit seiner Rollenden Waldschule auf das Forstbauhof-Gelände gekommen ist. Anhand von präparierten Tieren erklärt er vor allem den kleinen Teilnehmern die Bewohner des Waldes und lässt Tierstimmen erraten, die vom Band ertönen. "Die Kinder machen immer begeistert mit, doch viele liegen beim Raten oft daneben", meint der Waldpädagoge. Und so kann Riedel die Nachtwanderungen der SDW nur begrüßen. Denn die will mit ihren Aktionen vor allem mehr Interesse an der heimischen Fauna wecken.

Als die Gruppe wenig später in völliger Dunkelheit den Wildpark betritt, sind erneut Tierlaute zu hören, die aus einer Box erklingen, die Georg Schiffer von der Schutzgemeinschaft im Unterholz versteckt hat. Die Wanderer bleiben stehen, auch weil die Atmosphäre jetzt ein wenig unheimlich ist. Und das sei auch so gewollt, meint SDW-Mitglied Stefan Koch: "Kinder haben sich schon beschwert, dass die Touren nicht gruselig genug sind."

Am Schluss der Tour lauschen die Teilnehmer in der Grillhütte einer gruseligen Geschichte. FOTO: Berns Lothar

Es geht weiter, vorbei an den Gehegen, durch die "Tourleiter" Johannes Frommen den Lichtfinger seiner starken Taschenlampe schweifen lässt. Und da sind auf einmal sie zu sehen, die vielen weißen Rehaugen, die in der Dunkelheit den Kindern und Erwachsenen entgegenleuchten. Ein faszinierender Anblick, der sich beim Muffelwild und bei den Kamerunschafen wiederholt. Nur die Wildschweine lassen sich nicht blicken, und auch die Esel haben sich zu später Stunde schon längst in ihr Häuschen zurückgezogen. Dafür sind die Kanadagänse in Hochform: Mit lautem Geschnatter begrüßen sie die Gruppe.

Am Ende geht's in die Bend-Hütte, nicht zum Grillen, sondern zum Gruseln. Christoph Müller liest eine unheimliche Geschichte vor - und die kleinen Teilnehmer hören mit roten Wangen begeistert zu. "Wir freuen uns über den Erfolg unserer Nachtwanderungen", sagt Martina Koch. Und wer noch nicht teilgenommen hat, sollte im nächsten Jahr dabei sein. Dann werden die Touren nämlich fortgesetzt.

Quelle: NGZ
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