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Grevenbroich
Naturschützer wollen Feldhamster retten

Grevenbroich: Naturschützer wollen Feldhamster retten
FOTO: dpa
Grevenbroich. Der Naturschutzbund fordert ein Schutzprogramm für die vom Aussterben bedrohten Nagetiere. Dabei soll Lebensraum geschaffen werden, um die Feldhamster wieder anzusiedeln. Auch Neurath gerät dabei in den Blickwinkel. Von Andreas Buchbauer

Er ist klein, possierlich und inzwischen ziemlich rar gesät: der Feldhamster. Seit 1979 steht er auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, seit 1999 gilt er als vom Aussterben bedroht. Jetzt möchte der Naturschutzbund (Nabu) in NRW ein groß angelegtes Schutz- und Zuchtprogramm anstoßen. Ziel ist es, die etwa 20 bis 25 Zentimeter großen Nagetiere wieder an früheren Standorten anzusiedeln - unter anderem in Neurath. Der Nabu-Landesverband nimmt dabei das Land in die Pflicht. Der Aufkauf von Flächen für eine langfristige Sicherung der Population müsse diskutiert werden.

Auch Neurath gerät dabei ins Visier. Der Ort zählte lange Jahre neben anderen Flächen im Rhein-Kreis Neuss - zum Beispiel dem Butzheimer Feld - zu den bevorzugten Lebensräumen des Feldhamsters. Das ist inzwischen Geschichte. Der Biologe Michael Stevens, wissenschaftlicher Leiter der biologischen Station ("Haus der Natur") im Rhein-Kreis Neuss, kennt die ernüchternden Ergebnisse bei der Suche nach verbliebenen Feldhamster-Beständen. "Er gilt bei uns inzwischen als verschollen. In Neurath wurde er seit Jahren nicht mehr gesichtet, und im Butzheimer Feld gab es noch 2007 eine rege Population, die letzten Feldhamster wurden dort allerdings 2011 gesehen", sagt Stevens. Woran das Verschwinden des mausähnlichen Nagers mit dem gefleckten Fell liege, sei schwer nachzuvollziehen. Grundsätzlich spiele der Wandel in der Landwirtschaft eine Rolle, aber eben nicht nur. In Neurath zum Beispiel fänden die Nager im Grunde ausreichend Nahrung - auch weil dort wegen der BoA-Kraftwerke entsprechende Ausgleichsflächen geschaffen wurden. "Der Rückgang der Population hat vermutlich viele Ursachen, die ineinander greifen und noch erforscht werden müssen", meint Stevens.

Die Landwirtschaft ist dennoch ein Schlüssel. Das hatte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), bereits im Februar betont. Die "Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung" sei "Gefährdungsursache Nummer eins", sagte Jessel. Dies gehe "aus allen Länderberichten" hervor. Das BfN zählt den Feldhamster inzwischen zu den "bedrohtesten Säugetierarten" in Deutschland.

Feldhamster gelten als Einzelgänger. Jedes Tier lebt in einem eigenen Bau unter Äckern und Feldern - im Sommer etwa 40 bis 50 Zentimeter unter der Erdoberfläche, im Winter wegen des Frosts in bis zu zwei Meter Tiefe. Weil die moderne Landwirtschaft die Ernte jedoch immer früher und fast restlos einfahre, fehle dem Feldhamster laut BfN nicht nur ausreichend Nahrung für die Überwinterung, sondern an der Erdoberfläche auch Deckung und Schutz vor Feinden.

Als letzter bekannter Lebensraum in NRW gilt laut Nabu die Zülpicher Börde in der Voreifel. Aber auch dort dauert es ohne Schutzprogramm vermutlich nicht mehr lange, bis der Nager als "verschollen" gilt. Vor drei Jahren wurden in der Zülpicher Börde noch 100 Feldhamster-Bauten gezählt, aktuell sind es nur noch 22. Schon vor drei Jahren wurde der Gesamtbestand der Feldhamster in NRW laut Landesamt für Umwelt und Naturschutz (Lanuv) auf lediglich 100 bis 150 Tiere geschätzt.

Quelle: NGZ
 
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