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Michael Krützen aus Grevenbroich
Bürgermeister-Bruder entdeckt neue Orang-Utan-Art

Neue Orang-Utan-Art: Bruder von Grevenbroichs Bürgermeister sorgt für Aufsehen
Einer von nur 800 Tapanuli-Orang-Utans aus dem Batan-Toru-Wald auf Sumatra. Die neue Art gilt als extrem gefährdet und als vom Aussterben bedroht. FOTO: A. Walmsley
Grevenbroich. Michael Krützen, Zwillingsbruder des Bürgermeisters, sorgt für Aufsehen: Der 48 Jahre alte Professor ist maßgeblich an der Entdeckung einer neuen, stark gefährdeten Orang-Utan-Art auf Sumatra beteiligt. Eine wissenschaftliche Sensation. Von Wiljo Piel

Michael Krützen ist derzeit ein international gefragter Mann. Interviews mit der New York Times, Aufnahmen für die Tagesschau - der 48-Jährige stand am Donnerstag im Fokus der Weltöffentlichkeit. Denn der gebürtige Neukirchener ist federführend an einer Entdeckung beteiligt, die rund um den Globus für Aufsehen sorgt. Mit einem Team von etwa 40 Wissenschaftlern ist es dem Zwillingsbruder des Grevenbroicher Bürgermeisters gelungen, auf der Insel Sumatra (Indonesien) eine neue Art des Orang-Utans ausfindig zu machen. "Das alles ist für uns extrem spannend", sagt Michael Krützen. "Schließlich wird im 21. Jahrhundert nicht jeden Tag eine neue Menschenaffen-Spezies entdeckt." Das sagt er in aller Bescheidenheit. Die Entdeckung gilt als eine wissenschaftliche Sensation.

Michael Krützen hat Grevenbroich schon vor einigen Jahren verlassen. Heute lebt er mit Frau und Kind in der Schweiz. Er ist Professor für evolutionäre Anthropologie und Genomik an der Universität Zürich. In dieser Eigenschaft ist er verantwortlich für eine Publikation, die am Donnerstag erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Es geht um nichts anderes als die Entdeckung einer neuen, der siebten Menschenaffen-Art. "So etwas ist der Traum eines jeden Forschers", sagt Krützen.

Orang-Utans gehören zu den nächsten Verwandten des Menschen. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der bis zu 90 Kilogramm schweren Tiere reichte einst von China über Thailand und Vietnam bis nach Java - seit vielen tausend Jahren gibt es in diesen Regionen jedoch kein einziges Exemplar mehr. Bislang ging die Forschung davon aus, dass heute nur noch zwei Arten existieren: eine auf Sumatra und eine auf der Nachbarinsel Borneo. "Wir können jetzt eine dritte hinzufügen", sagt Krützen.

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Die neue Spezies lebt auch auf Sumatra - im 1100 Quadratkilometer großen Batan-Toru-Wald südlich des Tobasees im Norden der Insel. Die Forscher gaben ihr den Namen Tapanuli-Orang-Utan - nach der Region, in der sie entdeckt wurde. Nach der Analyse eines 2013 gefundenen Skeletts und einer umfassenden Erbgutanalyse von insgesamt 37 Orang-Utans steht für die Forscher um Michael Krützen nun fest, dass der Tapanuli-Orang-Utan eine eigenständige Art ist. "Sie ist für mindestens 10.000 bis 20.000 Jahre von allen anderen Orang-Utan-Populationen auf Sumatra isoliert", sagt Krützen. Möglicherweise handele es sich bei den Menschenaffen aus dem Batan-Toru-Wald sogar um direkte Nachkommen der Orang-Utans, die einst vom asiatischen Festland herüberkamen.

Doch kaum entdeckt, ist die Art auch schon gefährdet. Die Forscher warnen vor dem baldigen Aussterben des Tapanuli-Orang-Utans. "Ihr Lebensraum wird immer kleiner, weil immer größere Teile des Regenwaldes in Palmölplantagen umgewandelt wird", sagt Krützen. "Der Abbau von Gold und Wilderei bedroht die Tiere zusätzlich." Das sind aber nicht die einzigen Probleme, die den Wissenschaftlern Sorge bereiten. Im Batan-Toru-Gebiet, der Heimat der rothaarigen Riesen, ist aktuell ein Staudamm für ein Wasserkraftwerk geplant.

"Wir hoffen darauf, dass die Menschen durch unsere Studie und die Veröffentlichung in den Medien darauf aufmerksam werden, dass es diesen Lebensraum unbedingt zu schützen gilt - das ist das Wichtigste", sagt Michael Krützen. Bereits bei einer Sterblichkeitsrate von nur einem Prozent pro Jahr wäre das Überleben des Tapanuli-Orang-Utans nicht mehr gesichert.

Professor forscht im Reich der Tiere

Zwilling Michael Krützen ist der Zwillingsbruder von Bürgermeister Klaus Krützen, der fünf Minuten eher das Licht der Welt erblickte.

Beruf Michael Krützen studierte Biologie in Bonn. Heute lebt er mit Frau und Kind in der Schweiz, er ist Professor für evolutionäre Anthropologie und Genomik.

Forschung Michael Krützen beschäftigt sich nicht nur mit Orang-Utans, sondern auch mit Delfinen. Vor einigen Jahren gelang ihm der Nachweis, dass die Großen Tümmler in der Shark Bay in Australien einen Schnauzenschutz in Form eines Schwamms verwenden, wenn sie am Meeresboden nach Nahrung suchen - und diesen Trick an ihre Nachkommen weitergeben.

Quelle: NGZ
 
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