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Grevenbroich
Neukirchener hilft Schülern in Nepal

Grevenbroich: Neukirchener hilft Schülern in Nepal
Die nepalesischen Schüler zeigen Alexander Spindeler aus Neukirchen ihre fertig bearbeiteten Aufgaben. Der 18-Jährige findet sich in der Erdbebenregion trotz vergleichsweise spartanischer Verhältnisse gut zurecht. FOTO: spindeler
Grevenbroich. Gut eineinhalb Jahre nach den schweren Erdbeben reist Alexander Spindeler (18) ins Krisengebiet. Dort unterrichtet der Abiturient Schüler in Englisch und Deutsch. Vor Ort lebt er spartanisch. Trotzdem ist er gern in Nepal - wegen der Kultur. Von Christian Kandzorra

Mal eine andere Seite der Welt sehen: Das ist es, was Alexander Spindeler dazu motiviert hat, sich auf das Abenteuer einzulassen. Inzwischen fühlt sich der 18-Jährige in der Region Helambu im Nordosten Nepals fast schon zuhause - auch wenn sein Elternhaus in Neukirchen mehr als zwölf Flugstunden entfernt ist. "Die Zeit zwischen Schule und Studium möchte ich unbedingt nutzen", erzählt der "Erasmus"-Abiturient, der in Nepal an einer Schule Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren in Englisch und einen Tag pro Woche sogar in Deutsch unterrichtet. "Ich möchte helfen", sagt Alexander Spindeler, der die Folgen der verheerenden Erdbeben, die Nepal Ende April vergangenen Jahres erschüttert hatten, jeden Tag zu Gesicht bekommt.

Noch immer ist vieles zerstört. "Die Menschen hier leben in kleinen Blechhütten", berichtet der 18-Jährige. Die Hütten erfüllen als Provisorium ihren Zweck. Kaum ein Haus habe das Erdbeben der Stärke 7,8 überstanden, fast nichts sei stehengeblieben. Über seinen Vater Michael, der sich schon seit etlichen Jahren immer wieder in Nepal engagiert, war der Kontakt mit den Menschen vor Ort zustande gekommen. Und für Alexander Spindeler bot sich die perfekte Gelegenheit, selbst in den Binnenstaat zwischen Indien zu China zu reisen. Bis Weihnachten will der junge Neukirchener dort bleiben und den Schülern gemeinsam mit den einheimischen Lehrern so viel beibringen wie möglich. Denn Bildung ist ein Weg aus der von Armut geprägten Region. "Mich beeindruckt die Kultur der Nepalesen. Die meisten Menschen hier leben vom einen Tag auf den anderen, einfach unkompliziert", sagt Alexander Spindeler. "Zuhause regt man sich auf, wenn etwa das Duschwasser nicht exakt die richtige Temperatur erreicht. Hier muss man sich erst einmal um sauberes Trinkwasser kümmern."

Tatsächlich habe sich der 18-Jährige schnell daran gewöhnt, dass die Dusche in der Region, in der er sich aufhält, aus einem Eimer Wasser und einem Waschlappen besteht. "Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig. Auch, dass die Temperatur im Schlafzimmer mit bis zu minus fünf Grad in der Nacht fast genauso kalt ist wie draußen", erzählt er. Heimweh hat er trotzdem nicht: "Manchmal wünsche ich mir nur europäisches Essen."

Für den Abiturienten steht schon jetzt fest, dass er im neuen Jahr wieder nach Nepal reisen wird. Die Schüler hat er in sein Herz geschlossen. "Vielleicht helfe ich demnächst aber auch in Kathmandu", sagt Spindeler, der selbst sagt, dass er in den vergangenen zwei Monaten mehr gelernt hat, als dass er Lernstoff vermitteln konnte. So viele Eindrücke habe er gewinnen können. "Ein Aufenthalt in Nepal hilft, die Dinge differenzierter zu betrachten. Ich bin mir sicher, dass junge Leute in Nepal willkommen sind", betont Spindeler, der in dem Dorf wohnt, in dem sich auch "seine" Schule befindet. Jeden Tag verbringt er dort viel Zeit mit den Schülern, denn die meisten kommen aus weiter entfernt gelegenen Orten, so dass sie etwa gemeinsam zu Mittag essen. Außerdem steht der 18-Jährige im Austausch mit den Lehrern, die ihm Tipps geben und auch für westliche Unterrichtsprinzipien offen sind. Was Alexander Spindeler einmal studieren möchte, weiß er noch nicht. Fest steht aber, dass er wieder nach Nepal kommen wird: "Ich vergesse nicht, auf der anderen Seite der Welt auch zuhause zu sein."

Quelle: NGZ
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