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Grevenbroich
Parkour - moderne Version des Turnens

Grevenbroich: Parkour - moderne Version des Turnens
Junge Parkour-Experten beim Training (v.l.): Patrick Schaffranka, Etienne Hörchen, Yannick Gehlen und Benjamin Stutte. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Der Turnklub Grevenbroich hat den Trendsport "Parkour" in sein Programm aufgenommen und kooperiert mit Schülern vom Pascal-Gymnasium. Sie möchten Gleichaltrige für die moderne Version des Turnens begeistern. Von Andreas Buchbauer

Der Vorführeffekt ist ein mieser Geselle. Gleich mehrfach springt Patrick Schaffranka mit einem großen Satz über ein aus Holzkästen aufgebautes Hindernis in der Turnhalle am Torfstecherweg, in der Luft macht er einen Salto - und landet perfekt. Nur nicht dieses eine Mal: Ausgerechnet, als der 17-Jährige beim Sprung fotografiert wird, muss er bei der Landung nachkorrigieren. "So'n Mist", ruft er. "Typisch Vorführeffekt." Die Jungs, mit denen er sich in der Halle zur Sportart "Parkour" getroffen hat, lachen. Am Können der Jugendlichen besteht ohnehin kein Zweifel.

Neben Patrick Schaffranka treffen sich an diesem Donnerstagabend Etienne Hörchen (16), Benjamin Stutte (16) und Yannick Gehlen (17) zum Training in der Gustorfer Halle. Es ist beeindruckend, was sie dort an Bänken, Kästen, Seilen und Schwebebalken demonstrieren. Die Schüler kennen sich vom Pascal-Gymnasium, dort gehen sie in die elfte Klasse - und sind in der Parkour-AG aktiv. Jetzt zeigen sie ihr Können auch im Verein: Der Turnklub Grevenbroich hat Parkour neu im Programm.

Ziel der Sportart ist es, schnellstmöglich und ohne technische Hilfsmittel von A nach B zu kommen. "Traceure" nennen sich die Sportler und nutzen die urbane Architektur als Spielfeld. Mit spektakulären Sprüngen geht es über Mauern und Wände hinweg, Treppen, Geländer und Gräben werden mit flinken Bewegungen elegant überwunden. All das sieht spielerisch leicht aus, doch dieser Eindruck täuscht. Dahinter steckt harte Arbeit. "Man braucht Kraft, Kondition und eine gute Koordination", sagt Etienne Hörchen. "Parkour funktioniert über reinen Körpereinsatz."

In der Turnhalle am Torfstecherweg schaffen die jugendlichen Traceure die Grundlagen. Mit Trainer Thomas Folgert haben sie dort verschiedene Stationen aufgebaut. Es sieht ein bisschen aus wie bei einem Zirkeltraining. Turnvater Jahn hätte seine helle Freude an dem Elan, mit dem die Jugendlichen zu Werke gehen. Parkour - das ist Turnen 2.0, es holt Barren, Schwebebalken und Holzkästen aus der angestaubten Ecke und rückt die Geräte in den Mittelpunkt der Trainingsarbeit. Es wird geübt, wie Hindernisse am besten überwunden werden, damit es beim Parkour draußen auch richtig klappt. "Wir fahren regelmäßig hinaus in umliegende Städte wie Neuss, Düsseldorf oder Köln", sagt Etienne Hörchen. "Für Parkour gibt es dort gute Gegebenheiten."

Das Gute an dem spektakulären Sport, von dem ungezählte Videos auf YouTube kursieren, sei, dass Anfänger schnell Fortschritte machen. "Das möchten wir ihnen im Training zeigen", sagt Thomas Folgert. Im Gegensatz zum klassischen Turnen gehe es nicht um Wettbewerbcharakter, sondern um das Meistern von Hindernissen. "Wenn man sich durch geschickten Körpereinsatz seinen Weg bahnt, gibt einem das ein Gefühl von Freiheit", sagt Etienne Hörchen. "Man spürt, dass man jedes Hindernis meistern kann." Dann dreht er sich um. Zu seinen Parkour-Freunden sagt er: "Ach komm, hauen wir noch einen raus."

Quelle: NGZ
 
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