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Grevenbroich
Pater Gregor fand sein Kloster im Internet

Grevenbroich: Pater Gregor fand sein Kloster im Internet
Pater Gregor hat gestern sein einjähriges Noviziat im Kloster Langwaden begonnen. In seiner Danksagung bezeichnete er sich als "Thüringer Gewächs". FOTO: lb
Grevenbroich. Bei seinen Recherchen im Netz stieß der Novize einst auf das Kloster Langwaden. Ulrich Winter nennt sich ab sofort Pater Gregor. Von Klas Libuda

Gestern Morgen um 10 Uhr hieß Ulrich Winter noch Ulrich Winter und kam aus Erfurt. Eine Stunde später steht er vor den zahlreichen Gästen in der Klosterkapelle und sagt: "Gott lässt Berufungen wachsen." Nun beginnt der Postulant sein Noviziat im Kloster Langwaden. Er nennt sich fortan Pater Gregor.

Den Namen hat er nach seiner Wortbedeutung gewählt: "Der Wachsame", das wolle er in Zukunft sein, sagt Pater Gregor. Er wolle offen sein für das, was die Menschen umtreibt. Auch was ihn selbst treibt, war ihm immer wichtig.

Pater Gregor ist als Ulrich Winter in Erfurt aufgewachsen. Er ging in der DDR zur Schule, er ließ sich zum Tischler ausbilden, doch merkte er schnell, das war nicht sein Ding. Winter schulte zunächst zum Orgelbauer um, in den Wendejahren machte er auf dem zweiten Bildungsweg Abitur. "Es gab immer eine gewisse Sehnsucht und Unruhe", sagt er rückblickend. "Und das bringt einen auf den Weg." So wurde er Priester, wirkte 13 Jahre lang in Süd-Thüringen, und ist nun Mönch. Kein einschneidendes Erlebnis habe diesen Entschluss ausgelöst - wie das bei anderen Novizen zuweilen vorkommt -, es habe sich so entwickelt. Damals in Thüringen, zuletzt auch in Langwaden. "Als Priester in einer Kirchengemeinde wusste ich mich noch nicht richtig angekommen", sagt der 49-Jährige, "da fehlte mir das gemeinschaftliche Leben."

Nun folgt ein neuer Lebensabschnitt im Kloster Langwaden. Die Unterstützung alter Wegbegleiter ist ihm sicher: Seine Eltern sind zum Beginn des Noviziats ins Rheinland gekommen. Und auch Altweihbischof Hans-Reinhard Koch ist extra aus der Heimatdiözese Erfurt angereist, um der Dankmesse für Pater Gregor beizuwohnen.

Es sei heute die Regel, dass sich Menschen in späteren Jahren fürs Leben im Kloster entscheiden, sagt Prior Bruno Robeck. Manche hätten Beziehungen hinter sich, andere lange Jahre im Beruf. "Und dann stellt man fest, das erfüllt einen alles noch nicht", erzählt Pater Bruno. Zumal der Weg ins Kloster eine gewisse Beharrlichkeit fordert. Rund zwei Jahre Vorlauf benötige ein Noviziat, sagt der Prior. Am Anfang stehen Klosterbesuche und -aufenthalte, lange Gespräche, ein gegenseitiges Kennenlernen. Darauf folgt das Postulat: Auf den Tag genau vor einem Jahr zog der eintrittswillige Ulrich Winter ins Kloster. Nun tritt er dem Zisterzienser-Orden bei.

Dass Ulrich Winter überhaupt auf Langwaden aufmerksam wurde, hat einen weltlichen Ursprung: Er hatte das Kloster im Internet entdeckt und festgestellt, das könnte passen. Nun habe er seinen Platz unter den nunmehr neun Mönchen sicher, sagt der Novize. Dass er so freundlich, aber auch geduldig aufgenommen wurde, sei "Ermutigung und Bestätigung des Weges", sagt er.

Zunächst bleibt Pater Gregor für das einjährige Noviziat. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. Er ginge Schritt für Schritt durchs Leben, sagt er. So habe er es immer gehalten.

Quelle: NGZ
 
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