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Grevenbroich
Pflanzen-Jäger finden die 13. Orchideen-Art

Grevenbroich: Pflanzen-Jäger finden die 13. Orchideen-Art
Die "Grüne Waldhyazinthe" ist die 13. Orchideenart, die jetzt in Grevenbroich nachgewiesen wurde. Die Pflanze wird bis zu 60 Zentimeter hoch.
Grevenbroich. Mehr aus Zufall wurde die "Grüne Waldhyazinthe" entdeckt - sie blüht an einem geheim gehaltenen Standort auf der Königshovener Höhe. Von Wiljo Piel

Es war ein Zufallsfund. Denn die seltene Blume blühte dort, wo sie niemand vermutete - gleich neben einem umgestürzten Baum, irgendwo auf der Königshovener Höhe. Martin Werner (45) aus Erkelenz hat sie entdeckt und damit eine weitere Orchidee im Stadtgebiet ausfindig gemacht. Die "Grünliche Waldhyazinthe", die der Botaniker etwas umständlich "Platanthera chloranta" nennt, ist die mittlerweile 13. wilde Orchideen-Art, die in Grevenbroich nachgewiesen werden konnte. "Bundesweit gibt es nur etwa 60 Arten - da ist eine solche Vielfalt schon bemerkenswert", sagt Hans-Josef Bolzek. Und dabei leuchten seine Augen.

Zu den am häufigsten im Stadtgebiet vorkommenden Orchideenarten zählt das "Gefleckte Knabenkraut", das im Rekultivierungsgebiet blüht. FOTO: AHO/MR

Der 70 Jahre alte Frimmersdorfer ist Vorsitzender des Arbeitskreises Heimische Orchideen (AHO), dessen Mitglieder nahezu ständig auf der Jagd nach Pflanzen-Raritäten sind. Zwar vermuteten die acht Hobby-Botaniker, dass die "Grünliche Waldhyazinthe" auch in der Schlossstadt blühen würde, doch bisher konnten sie die bis zu 60 Zentimeter hohe Blume nirgendwo entdecken - bis Martin Werner vor einigen Tagen geradezu darüber stolperte. Wo das genau war, verrät Bolzek allerdings nicht. Denn die Standorte der Orchideen werden grundsätzlich geheim gehalten - damit ja niemand auf die Idee kommt, sie für den heimischen Garten auszugraben.

Das kleine Biotop, in dem sich "Platanthera chloranta" offensichtlich wohl fühlt, wird nun kartiert und von den Arbeitskreis-Mitgliedern regelmäßig aufgesucht. "Wir kümmern uns darum, dass sich die Pflanzen in den nächsten Jahren weiter ausbreiten können", erklärt Hans-Josef Bolzek. Dafür müssen Bäume und Sträucher hin und wieder etwas zurückgeschnitten werden, damit sie die Orchideen nicht verdrängen. "Diese Arbeit lohnt sich", weiß der Vorsitzende. Weil sich der AHO kümmert, konnte sich etwa die Population des "Gefleckten Knabenkrauts" in Grevenbroich in wenigen Jahren vervielfachen: "2010 haben wir noch 150 Exemplare gezählt, mittlerweile sind es weit über 750, die an einer Stelle wachsen. Das ist eine schöne weiße Wiese geworden", freut sich Bolzek. Das "Weiße Waldvöglein", eine weitere Orchideen-Art, wächst an einem Standort in einer stolzen Zahl von 500 Stück. "Vor fünf Jahren waren es nur 110", erklärt der 70-Jährige.

Fündig werden die Orchideenfreunde meist im Rekultivierungsgebiet - etwa im Elsbachtal, aber auch auf der Königshovener und der Vollrather Höhe. "Dort bieten die kalkhaltigen Böden optimale Bedingungen für die Pflanzen", berichtet der Vorsitzende. Geradezu flächendeckend haben sich dort der "Breitblättrige Stendelwurz", das "Große Zweiblatt" und der "Bienenragwurz" breit gemacht, die häufigsten Orchideen-Arten. Dagegen ist der "Mücken-Händelwurz" eher eine Rarität - nur vier Exemplare konnten bisher entdeckt werden.

Jetzt fahndet der Arbeitskreis nach der 14. Art im Stadtgebiet und hält Ausschaus nach dem "Vogel-Nestwurz". "Er muss hier blühen", ist Hans-Josef Bolzek überzeugt: "Die Frage ist nur: Wo?"

Quelle: NGZ
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